Marbach-Backnang 15-Minuten-Takt auf Abstellgleis

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Ein zweispuriger Ausbau der Bahntrasse ist teuer, auch weil die topografische Lage schwierig ist. Foto: Archiv (7aktuell.de//Karsten Schmalz)

Seit 2012 fährt die S-Bahn auf der Strecke Marbach-Backnang alle halbe Stunde. Ein 15-Minuten-Takt wäre zu teuer, stellt nun eine Studie fest. Die Gemeinden an der Bahnlinie sollen im Regionalplan nun hochgestuft werden – mit Folgen.

Stuttgart - Seit dem Jahr 2012 fährt die S 4 zwischen Marbach und Backnang im 30-Minuten-Takt, jetzt will der Verband Region Stuttgart auf Antrag der CDU-Fraktion aus der besseren Anbindung ans Nahverkehrsnetz auch planungsrechtliche Konsequenzenziehen. Die Gemeinden Erdmannhausen, Kirchberg, Affalterbach und Burgstetten sollen künftig mehr Wohnungsbaugebiete ausweisen dürfen. Zugleich empfiehlt eine Studie des Verkehrswissenschaftlichen Instituts der Universität Stuttgart, dass auf diesem Abschnitt eine dichtere Zugfolge der S-Bahnen nicht realisiert werden sollte. „Ein 15-Minuten-Takt auf der Linie S 4 zwischen Marbach und Backnang bedarf sehr großer Infrastrukturmaßnahmen, führt jedoch nicht zu Wirkungen, die diese Maßnahmen derzeit rechtfertigen“, sagt der Gutachter Stefan Tritschler. Die Region folgt dem Rat und konzentriert sich zunächst auf andere Verbesserungen im S-Bahnnetz.Im Regionalplan, der die Nutzung von Flächen regelt, gibt es zwei Klassen von Gemeinden – solche, die nur so viel neue Wohngebiete ausweisen dürfen, wie sie für das Wachstum aus der bereits dort ansässige Bevölkerung brauchen, und solche, die wegen ihrer günstigen Verkehrsanbindung für Neubürger attraktiv sind und deshalb mehr Wohnungsbau planen können. Im ersten Fall wird grob von einem Zuwachs von einem Prozent der bestehenden Wohneinheiten in fünf Jahren ausgegangen, im zweiten Fall von 1,5 Prozent in diesem Zeitraum. Die Einteilung ist deshalb wichtig, weil die Pläne der Gemeinden dem Regionalplan entsprechen müssen – und mehr Einwohner die finanzielle Lage einer Kommune verbessern. Allerdings muss bei einer anderen Einstufung auch dichter gebaut werden. Der regionale Planungsausschuss hat am Mittwoch einstimmig beschlossen, dass die Neuklassifizierung von Erdmannhausen, Kirchberg, Affalterbach und Burgstetten im Regionalplan in Angriff genommen werden soll und damit neue Wohnbaupotenziale erschlossen werden können. CDU-Regionalrat Michael Schreiber begründete den Vorstoß damit, dass mehr für den Wohnungsbau getan werden müsse. „Wir hoffen, dass die Gemeinden die Chancen nutzen“, sagte er. Auch Grüne, Freie Wähler, SPD, AfD, FDP und Linke stimmten zu.

Zwei Klassen von Kommunen

Taktverdichtung zu teuer

Aktuell nicht weiterverfolgt wird ein anderer Vorschlag: die Taktverdichtung der S-Bahn auf dem eingleisigen und 13,7 Kilometer langen S 4-Abschnitt zwischen Marbach und Backnang, der auch für den Güterverkehr genutzt wird. Das Verkehrswissenschaftliche Institut untersuchte zehn Varianten, wie dort ein 15-Minuten-Takt zu realisieren wäre. Detaillierter geprüft wurden schließlich vier Lösungen, die alle vorsahen, dass die bisher in Marbach endenden Zwischentakt-S-Bahnen weiter bis Backnang und zurück fahren. So wird aus einem 30- ein 15-Minuten-Takt. Das ist auf einer eingleisigen Strecke aber nicht möglich. Die Grundvarianten sehen deshalb Zugkreuzungen vor: in Kirchberg und östlich von Burgstall oder in Erdmannhausen und Burgstall – jeweils kombiniert mit einem kürzeren und längeren zweigleisigen Ausbau. Die Gutachter rechnen mit hohen Baukosten – je nach Variante bewegen sie sich zwischen 61 und knapp 90 Millionen Euro. Diese Lösungen würden zwischen 3400 und 5100 zusätzliche Fahrten pro Tag bringen, aber die „Verlagerungswirkungen scheinen nicht umfangreich genug zu sein, um die hohen Investitionskosten zu rechtfertigen“, so die Gutachter.

Daumen hoch for S-Bahn nach Nürtingen

Allerdings senken die Verkehrswissenschaftler in der Studie nicht nur beim 15-Minuten-Takt auf dem S 4-Abschnitt den Daumen. Auch den Viertelstundentakt auf dem S 1-Außenast von Plochingen bis Kirchheim/Teck halten sie für nicht umsetzbar. Sie empfehlen (wie berichtet) stattdessen eine Anbindung von Nürtingen ins S-Bahnnetz im 30-Minuten-Takt. „Das ist eine sehr attraktive Alternative“, so ihr Urteil. Jedoch ist die Strecke erst nutzbar, wenn der S-21-Tiefbahnhof in Betrieb geht – also wohl nicht vor Ende 2025. Bereits umgesetzt wird – zumindest teilweise – eine andere Empfehlung: die Verlängerung des 15-Minuten-Takts auf der S 60 über Renningen nach Böblingen.