Marbach Aufgemacht zum Lerchen zählen

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Rund 15 Interessierte sind vom Marbacher Gymnasium aus Richtung Eichgraben gelaufen und haben dort Lerchen gehört und gesehen, Foto: Nabu

- Marbach
Ein Feldspaziergang unter der fachkundigen Leitung von Michael Eick vom NABU Fellbach führte am 31. März rund 15 Interessierte auf eine gesangliche Erlebnistour zum Vogel des Jahres, der Feldlerche. Vom Treffpunkt am Parkplatz des Marbacher Gymnasiums aus ging es in Richtung Süden hinaus auf die Felder zwischen Marbach und Poppenweiler in den Bereich Eichgraben.

Nach kurzem Fußmarsch über Feldwege war es schon so weit: Bei strahlendem Sonnenschein war der erste Lerchengesang zu hören. Feldlerchen sind lebhafte Sänger. Die Männchen singen meist im Flug aus einer Höhe von 50 bis 200 Metern, wo sie mit bloßem Auge kaum mehr zu erkennen sind. Ihr scheinbar endlos tirilierender Gesang bildet die traditionelle Klangkulisse unserer Agrarlandschaft. War es früher oft unmöglich, aus diesem Geräuschteppich einen einzelnen Vogel herauszuhören, ist es heute eine Freude, überhaupt eine Lerche zu hören. In manchen Gegenden ist der Himmel über den Feldern sogar bereits stumm.

Unterwegs erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer viel über die Lebensweise der Feldlerche. Sie brütet am liebsten in der Feldflur auf Flächen mit Weizen und Hafer sowie auf Fettwiesen. In den kalten Monaten begnügt sie sich mit Pflanzenteilen und Sämereien. Zur Brutzeit ab April jagt sie Insekten, aber auch Spinnen, Schnecken und Regenwürmer, um den Nachwuchs mit proteinreichem Kraftfutter zu versorgen. Doch vielerlei Gefährdungen machen ihr das Überleben schwer. „Unsere Art der Landbewirtschaftung mit industrieller Landwirtschaft beeinflusst die Artenvielfalt in der Feldflur seit Jahrzehnten negativ. Als Lebensraumspezialist für die Feldflur sind Feldlerchen besonders betroffen“, führte Michael Eick aus. Die starke Düngung lässt Pflanzen schneller wachsen, dichte Pflanzreihen lassen keinen Raum zum Brüten. Auch der Rückgang der Wiesenbewirtschaftung, die häufigere und frühere Mahd und die großflächigen Monokulturen mit Mais und Raps wirken sich ungünstig aus und tragen zum Verlust von Nistplätzen bei.

Auch in Baden-Württemberg ist der Rückgang der Feldlerche alarmierend. Die Population schrumpfte um bis zu 75 Prozent zwischen den 1960er und 1990er Jahren. Von den rund 310 000 Revieren (um 1990) sank die Zahl weiter und nimmt stetig ab. In Baden-Württemberg lebt die Feldlerche von Frühling bis Herbst und wandert in den Wintermonaten weitgehend nach Südeuropa ab. „Damit die Feldlerche bei uns erfolgreich brüten kann, ist sie auf Insekten, ungestörte Brutplätze, eine reich strukturierte, vielfältige Agrarlandschaft und eine giftfreie Landwirtschaft angewiesen“, fasst Eick zusammen. Brach- und Ausgleichsflächen ohne Mahd während der Brutzeit, Lerchenfenster mit rund 20  Quadratmetern Fläche im Wintergetreide und ungespritzte Ackerrandstreifen sowie Wildkrautfluren helfen dem Brutvogel beim Überleben.

Nachdem bei der Führung die Feldlerchen bei den spektakulären Flügen und auch bei Revierkämpfen beobachtet werden konnten, könnte der Eindruck entstehen, mit den Beständen der Feldlerche sei alles bestens. Zwar gibt es derzeit lokal noch zahlreiche Feldlerchen, doch gelingt es ihnen kaum mehr, wie üblich mehrmals im Jahr erfolgreich zu brüten und sich fortzupflanzen. Michael Eick gab den interessierten Zuhörern noch mit auf den Heimweg, dass jede und jeder einzelne es etwa beim Einkauf an der Ladentheke selbst in der Hand hat, welche Art der Landwirtschaft unterstützt wird.

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