Maislabyrinth in Alfdorf Das Abenteuer auf dem Acker kann beginnen

Von Phillip Weingand
Familie um Familie verschwindet im Maislabyrinth – zu entdecken gibt es vieles. Foto: Gottfried Stoppel

Seit 23 Jahren bereitet der Alfdorfer Landwirt Günther Kolb jeden Sommer ein Maislabyrinth für Familien vor. Zu entdecken gibt es vieles sogar für Erfrischungen ist gesorgt. Ein Besuch im Irrgarten.

Kaum sind die Großeltern mit ihrer Enkeltochter aus dem Wagen gestiegen, stürmt das Mädchen schon voran: „Oma, glaubst du, wir werden uns verlaufen?“, fragt sie. Das ist sogar ziemlich sicher: Im Maislabyrinth bei Alfdorf ist der Irrweg schließlich das Ziel. „Man hat ja überhaupt keine Orientierung“, hört man die Großmutter tatsächlich kurz darauf aus dem Maisfeld.

Seit 23 Jahren bereitet der Alfdorfer Landwirt Günther Kolb neben seinem Hof im Bonholz jedes Jahr ein Maislabyrinth für Familien vor. „Man lernt jedes Jahr dazu“, sagt der 69-Jährige, der inzwischen von seinem Sohn Mathias Verstärkung bekommt. Die Regeln, die im Maislabyrinth gelten, sind eigentlich immer gleich geblieben.

Im Maislabyrinth Alfdorf stößt man auf viele Überraschungen

Die Besucher bezahlen auf Vertrauensbasis selbst, ein entsprechendes Kässchen steht am Eingang für sie bereit. Dort nehmen sie Stempelkarten mit – Ziel ist es, sechs im Irrgarten versteckte Stempelstellen zu finden, dort knifflige Fragen zu lösen und die korrekt abgestempelten Karten zum Schluss am Eingang wieder einzuwerfen. Zum Ende der Ferien werden dann Karten für den Schwaben-Park in Kaisersbach verlost. Kleiner Tipp am Rande: Wer sich bestimmte Stellen im Labyrinth merkt, hat es nachher nicht nur leichter mit der Orientierung, sondern kann vielleicht auch einige der Fragen besser beantworten.

Die Überraschungen und Herausforderungen, denen die Besucher unterwegs begegnen, sind jedes Jahr andere. So stößt man dieses Jahr beispielsweise auf Krähen und Quallen – wie die Sonnenblumen-Allee sind sie nicht nur eine nette Dekoration, sondern auch eine Hilfe dabei, sich zurechtzufinden.

Ein bisschen abseits des Irrgartens winkt nicht nur ein riesiger Stroh-Minion aus den „Ich-Einfach-Unverbesserlich“-Filmen den Besuchern zu. Aus einem Strohballen daneben ragen vier Füße – als sei ein Pärchen in flagranti in die Ballenpresse geraten. „Wegen des Scherzes hat sich sogar schon jemand beschwert“, verrät Günther Kolb. Die Strohpuppen-Unzucht im Acker stößt nicht überall nur auf Verständnis. „Aber grade in schweren Zeiten braucht man doch was zum Lachen“, ist Kolb überzeugt. Seine Augen leuchten, während er den Familien zusieht, die geschafft, aber vergnügt aus dem Maisfeld kommen.

Der Mais soll noch geerntet werden

„Es ist eigentlich immer ein Spagat zwischen Herausforderung und Spaß“, sagt Kolb. Er selbst brauche rund zwei Wochen, bis er den Verlauf des Labyrinths auswendig kenne. „Neulich wollte ich einer Familie helfen und den Weg zu einer Station beschreiben – dann musste ich selbst feststellen, dass ich mich geirrt hatte. Die haben dann ein Eis bekommen“, sagt Günther Kolb und lacht.

Die Planung des Irrgartens beginnt schon früh: Der Standort des Labyrinths wechselt jährlich, um die Fruchtfolge einzuhalten. „Wir pflanzen für das Labyrinth dann mehr Querreihen als bei einem normalen Maisfeld, das sieht einfach hübscher aus.“ Dann dürfen erst einmal alle Maispflanzen wachsen, bis die Kolbs mit der Elektrosense durchgehen und auf der Basis eines zuvor ausgeklügelten Plans die Gänge einmähen. „Hier müsste man mal ordentlich gießen“, findet eine junge Besucherin angesichts des hitzegebeutelten, rissigen Ackerbodens. Die Trockenheit macht Kolb in diesem Jahr tatsächlich zu schaffen. Das Maislabyrinth an sich sei aber nicht in Gefahr: „Für das ist der Mais gut gewachsen. Aber ich will den Mais ja schließlich noch ernten“, sagt der Landwirt.

Die Strecken im Labyrinth sind dieses Jahr etwas länger

In diesem Jahr seien die zu laufenden Strecken rund ein Drittel länger als 2021. Trotzdem ist im Irrgarten auch eine Dame mit Gehhilfen und eine Familie mit Kinderwagen unterwegs, beide meistern das Labyrinth ziemlich gut.

Zumal bei den Kolbs niemand verdursten muss: Neben dem Labyrinth warten unter einem Pavillon Bänke und Tische sowie ein Kühlschrank mit Getränken. Gezahlt wird auch hier auf Vertrauensbasis. Und wer eine der Stempelstationen partout nicht findet und Günther Kolb um Rat fragt, bekommt vom Herrn des Maisfeld-Labyrinths auch gerne etwas Hilfe.

Fotos: Das Maislabyrinth Alfdorf ist noch bis zum Ende der Sommerferien zugänglich. Mehr Bilder finden sie im Internet unter der Adresse www.stzlinx.de/maislabyrinth