Leser Forum zur BM-Wahl Mit kniffligen Fragen die Bewerber herausgefordert

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Das Leser Forum fand ohne Zuschauer statt und wurde online übertragen. Foto: KS-Images.de

Jeder der Kandidaten hat Antworten auf persönliche Fragen oder zu heiklen Themen gegeben.

Marbach - Zur Einstimmung auf die Gesprächsrunde bekamen die Bewerber persönliche und mitunter kritische Fragen gestellt. Jan Trost
musste Stellung beziehen zum Hinweis, dass die von ihm in seinem Prospekt aufgeführten Erfolge aus der bisherigen Amtszeit vor allem durch Impulse und Anträge der Stadträte oder auf der Basis allgemeinen politischen Willens entstanden sind. Dies sei ein Zeichen dafür, so Trost, dass die Zusammenarbeit von Bürgern, Gemeinderat, Verwaltung und Bürgermeister funktioniere. Allerdings seien auch von ihm Impulse gekommen. Das zeige der Blick ins Wahlprogramm von vor acht Jahren. Stichwort Sanierung Wiesbadener Platz oder Innenentwicklung Rielingshausen. 

In Bezug auf die Kündigung des stellvertretenden Bauamtsleiters Ralf Lobert, der den Führungsstil Trosts kritisiert hatte, machte der Amtsinhaber deutlich, dass er den Austausch mit den Mitarbeitern danach deutlich intensiviert habe. In den siebeneinhalb Jahren davor seien Probleme in dieser Hinsicht kein Thema gewesen. Man habe im Rathaus durch Wegzüge und altersbedingte Wechsel einen großen Umbruch gehabt. Dass es dabei ruckelt, sei nicht unüblich. „Drei von vier Führungspositionen konnten intern nachbesetzt werden. Das zeigt doch, dass man auch in Führungspositionen gerne mit mir arbeitet.“ Auf die Leserfrage, warum sich im Wahlkampf keine Fraktion hinter ihn stelle, antwortete Trost, dass ihm vor allem die Resonanz aus der Bürgerschaft wichtig sei. „Und die ist sehr positiv.“ Klar könne man sich einen Wahlkampf einfacher vorstellen. Die Unterstützung könnte aber auch ein Nachteil sein, wenn man in der Außendarstellung in gewisse Fahrwasser gerät.

Von solchen sprach sich Timo Jung
frei. „Ich unterscheide zwischen finanzieller und organisatorischer Unterstützung“, nahm Jung Bezug auf Kritik, dass Räte Flyer für ihn verteilen würden und betonte, er trage die Kosten für den Wahlkampf selbst. Es sei keine Abhängigkeit gegeben. „Bei so vielen Haushalten freut man sich über Unterstützung beim Verteilen.“ Sein Orgateam bestehe aus Familie und Freunden von der Verwaltungshochschule. Sowieso sei es paradox, dass er sich dafür rechtfertigen müsse, dass sein Unterstützerkreis größer und größer werde. „Mir war immer wichtig zu betonen, dass die Kandidatur überparteilich und unabhängig ist. Das kann und will ich bewahren. Meine Meinung werde ich auch künftig deutlich sagen.“ Das tat er auch bei der Frage, ob es ein Nachteil sei, dass er als Kandidat recht jung wirkt. „Das darf keine Rolle spielen. Es geht darum, welche Kompetenzen und Fähigkeiten ein Kandidat mitbringt. Meine Position beim Städtetag habe ich auch nicht wegen meines Aussehens bekommen, sondern weil ich tüchtig und überzeugend bin.“

Edwin Kubotat
wurde gefragt, ob er aufgrund seiner Theater-Leidenschaft das Bürgermeisteramt anstrebt, um eine Bühne zu haben. „Es ist keine Bühne, die ich suche.“ Es sei eine bewusste Entscheidung gewesen, da es an dieses Amt mehr Anforderungen gebe, als nur die Analyse durch einen Verwaltungsbeamten. „Die Themen werden komplexer, und darauf gilt es Antworten zu finden.“ Er möchte sich hierfür in Verantwortung bringen, auch weil er gemerkt habe, dass er, wie sich jeweils Jahre später herausgestellt habe, vieles richtig sehe. „Das möchte ich als Bürgermeister beweisen.“ Dass ihm, wie er auf die Fragen der Gruppe Puls geantwortet hatte, die Führungsqualität eines Bürgermeisters im Umgang mit Mitarbeitern nicht so wichtig ist, begründete er damit, dass es eher um ein Miteinander, statt ums Führen gehe.

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Tobias Möhle
geht ohne Verwaltungserfahrung ins Rennen. Ein Problem? „Dafür bringe ich Herzblut mit.“ Sein Herz schlage für Marbach. Die Erfahrung, die er im Betrieb gesammelt hat, möchte er für die Stadt einbringen. Dass er gerne auf die Du- statt Sie-Form setzt, sei für ihn normal. „Ich komme von hier. Und mir ist wichtig, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen.“ Er könne einordnen, wann was angebracht sei. „Das Du macht vieles einfacher. Im 21. Jahrhundert lässt sich Seriosität auch neu definieren.“ Natürlich spreche er Personen aber auch mit Sie an.

Andreas Freund,
der in den Augen der Moderatorin meist Ruhe ausstrahle, betonte, dass er auch Durchsetzungsvermögen habe. „Definitiv.“ Bei seinem Arbeitgeber, einer Aktiengesellschaft, gehe das als Betriebsrat gar nicht ohne. Der Ton sei recht hart, die Forderungen hoch. Warum er sich trotz mehrerer weiterer Standbeinen bewerbe, begründete er damit, dass er unheimlich gerne mit Menschen zusammenarbeite. Und in der Geschichte Marbachs seien viele Chancen verpasst worden. „Das kann man besser machen.“

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