Lärmbelastung in Großbottwar Kampf gegen Landesstraßen-Lärm geht weiter

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Die Lärmbelastung entlang der L 1115 ist vielen in Großbottwar ein Dorn im Auge. Foto: Werner Kuhnle

In Großbottwar erhofft man sich weitere Maßnahmen, um an den Verkehrswegen ruhiger wohnen zu können. Dazu zählt auch eine Temporeduzierung.

Großbottwar - Mit der Reduzierung auf Tempo 30 in der Bachstraße und auf einem weiteren Stück der Oberstenfelder Straße sowie einem neuen Fahrbahnbelag in der Wunnensteinstraße in Winzerhausen hat der Lärmaktionsplan der Stadt Großbottwar in den vergangenen Jahren etwas bewirkt. Jetzt wird das Werk fortgeschrieben – und die von Stadtverwaltung und Gemeinderat erhofften Maßnahmen zur Lärmminderung füllen weiterhin eine lange Liste.

L1115 verfügt nur teilweise über eine Lärmschutzwand

Besonders im Fokus steht der sogenannte Autobahnzubringer L 1115, der nur teilweise von einer Lärmschutzwand beplankt ist. Gleich drei Maßnahmen stehen mit hoher Priorität im Plan, die entlang der Landesstraße für Besserung sorgen sollen. Denn vor allem für die Anwohner im Bereich des Schulzentrums und der Kleinaspacher Straße führt die jetzige Situation zu einer hohen Belastung, was die vom Ingenieurbüro Kurz und Fischer gemessenen Werte belegen. Tagsüber wie nachts überschreitet der Lärmpegel die Grenzwerte von 65 und 55 dB(A). Da tagsüber teilweise sogar die 70 und nachts die 60 dB(A) geknackt werden, besteht großer Handlungsbedarf.

Das war bereits bei der Fortschreibung des Lärmaktionsplans vor fünf Jahren so, bislang fand man bei den übergeordneten Behörden aber kein Gehör. Und die Lage habe sich verschlimmert, merkte Markus Brosi (FBWV) an. Zwar sei die Ampel zur Einfahrt auf die L 1115 dringend notwendig gewesen. „Das hindert aber den laufenden Verkehr, wodurch es eben auch nicht ruhiger wird.“ Helga Pfahler von der SPD betonte, dass dort hauptsächlich Lastwagen fahren, weshalb eine Temporeduzierung von 70 auf 60 „dringend notwendig“ sei. Zumal es nicht teuer sein könne, neue Schilder anzubringen.

Lärmoptimierte Asphalt als Maßnahme

In der Tat sieht der Lärmaktionsplan das Herabsenken der Maximalgeschwindigkeit als kurzfristig umsetzbare Maßnahme vor. Als mittelfristig und damit wohl in frühestens zwei Jahren machbar werden der Lückenschluss in der Lärmschutzwand und der Einbau eines lärmoptimierten Asphalts eingestuft. Während die Temporeduzierung ein Dezibel weniger Lärm bewirken würde, wären es bei der Lärmschutzwand fünf, beim Asphalt vier Dezibel. Ob und wann die Maßnahmen umgesetzt werden, ist aber unklar.

Als kurzfristig machbar ist auch eine erweiterte Temporeduzierung auf der Winzerhäuser Straße in Großbottwar aufgeführt. Zwischen der Alten Schmiede und dem Bebauungsende Richtung Harzberghalle soll künftig, so der Wunsch, tags wie nachts Tempo 30 gelten. Ebenso für die Ortsdurchfahrten von Winzerhausen und Hof. In beiden Stadtteilen sind die gemessenen Werte jedoch nicht ganz so hoch wie auf der Winzerhäuser Straße.

Appell an das Landratsamt

Dass die Maßnahmen vermehrt und schneller umgesetzt werden sollten, dafür warb Markus Brosi mit deutlichen Worten in Richtung Landratsamt Ludwigsburg. „Es kann nicht sein, dass wir für dieses Werk mit rund 30 000 Euro einen Haufen Geld ausgeben müssen und kein Resultat daraus entsteht, weil die übergeordnete Behörde Nein sagt.“ Wozu brauche man dann den Lärmaktionsplan? Dass etwa in Winzerhausen weiterer Handlungsbedarf bestehe als die teils vollzogene Tempo-30-Zone, sei lange klar gewesen. Brosi sprach daher von einem „Schildbürgerstreich“. Er bitte das Landratsamt, Dienst zu tun. „Sonst können wir das lassen“. Dem schloss sich Angelika Maier (SPD) an, die sich inzwischen seit 16 Jahren für Tempo 30 in Hof einsetze. „Die Gründe, warum es verneint wird, sind an den Haaren herbeigezogen.“

Auch Jens Scheffler (CDU) appellierte „an alle Gremien, die Maßnahmen schnell umzusetzen“. Er hoffe, dass aus kurz- nicht langfristig wird. Dass es Besserung bringt, zeige die Bachstraße. Tempo 30 habe für einen Wohngebietscharakter gesorgt. Bürgermeister Ralf Zimmermann erklärte, dass dieser Fall einer der ersten gewesen sei, bei dem auf einer Kreisstraße das Tempo reduziert wurde. „Im Vergleich hat Großbottwar eher viele Maßnahmen aus dem Lärmaktionsplan durchbekommen.“ Er hoffe aber natürlich ebenfalls, dass man auch 2021 wieder Gehör finde.