Labag in Marbach Widerstand gegen die geplante Fusion

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Das Gelände der Labag in Großbottwar sorgt für Gesprächsstoff. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Die Landwirtschaftliche Genossenschaft Labag soll eigenständig bleiben, fordert der Großbottwarer Friedrich Kicherer und hofft, mindestens 25 Prozent der Mitglieder hinter sich zu bekommen.

Großbottwar - Will die kapitalkräftige Labag selbstbestimmt bleiben? Oder soll sie fremdbestimmt werden? Diese Fragen stellt der Großbottwarer Friedrich Kicherer in einem offenen Brief an die Geschäftsführung der Landwirtschaftlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft in Marbach. Kicherer, langjähriger Abteilungsleiter für Brennstoffe bei der Labag und inzwischen im Ruhestand, macht in seinem Brief konkrete Gegenvorschläge zur geplanten Fusion mit zwei anderen Genossenschaften.

Die Pläne für den Zusammenschluss mit dem Kraichgau Raiffeisen Zentrum (KRZ) Eppingen und der Bezugs- und Absatzgenossenschaft (BAG) Franken in Bad Friedrichshall hatte die Labag-Geschäftsführung im Februar bekannt gegeben. Als Grund gab die Leitung des Unternehmens die immer stärker wachsenden Probleme der Landwirtschaft und mögliche Einspareffekte an. Offenbar sind sich die Geschäftsführungen grundsätzlich einig. Doch sie müssen in den Hauptversammlungen der drei Genossenschaften jeweils 75 Prozent der Mitglieder hinter sich bringen, damit die Fusion klappt. In Marbach entscheiden die Mitglieder in der Versammlung am 12. Oktober.

Zentraler Standort im neuen Großbottwarer Gewerbegebiet

Der Opponent Friedrich Kicherer will die Fusion verhindern. Dazu braucht er ein Viertel der Mitglieder. Die Labag sei kapitalkräftig – im Gegensatz zur BAG Franken, die als wirtschaftlich angeschlagen gilt. Statt zu fusionieren, sollte sich die Labag effektiver aufstellen, schlägt Kicherer vor. Dazu müssten die Standorte Marbach und Großbottwar im geplanten neuen Gewerbegebiet Großbottwar West zusammengelegt werden. „Nur noch der Getreidesilo bleibt in Marbach und übernimmt den von Großbottwar“, sagt er, denn die Getreidemengen im Bottwartal würden weiter zurückgehen.

Außerdem schlägt Friedrich Kicherer vor, 1,5 bis 2 Hektar in dem 3,5 Hektar großen Gewerbegebiet in Großbottwar zu belegen. Das Geld für die Neuinvestition will er aus dem Flächenverkauf an der Bahnhofstraße mit 2,5 Millionen Euro und dem Verkauf des Labag-Geländes in Marbach mit rund 3 Millionen Euro gewinnen. Mit Bilanzrücklagen verfüge die Labag dann über 8 Millionen Euro. Damit will Kicherer Verkaufs- und Lagerhallen in Fertigbauweise erstellen. Darin integriert wären Agrarbereich, grüner Marktbereich, Brennstoffe, Hobby- und Baumarkt, Kleintierfutter und weitere Kundenmärkte – alle zentral eingerichtet.

Grundstückskauf an der L 1100 platzte vor zwei Jahren

Laut Kicherer könnte die Stadt Großbottwar das Labag-Gelände kaufen und für den Wohnungsbau vermarkten. Wäre die Stadt daran interessiert? „Wir wollen es nicht ausschließen“, sagt der Bürgermeister Ralf Zimmermann. Wenn ein lokaler Anbieter sich entwickeln wolle, sollte man sich zusammensetzen. Allerdings erfordere die Hanglage des neuen Gewerbegebiets architektonische Anstrengungen. Es werde aber noch zwei Jahre dauern bis zur Erschließung des Areals.

Bereits Gespräch mit Ralf Zimmermann geführt hat der Labag-Geschäftsführer Jürgen Häußermann. Vor zwei Jahren stand ein Grundstückskauf von einem Privatmann an der L 1100 zwischen Bottwartalkellerei und dem Kreisel beim Penny-Markt kurz vor dem Abschluss, platzte aber im letzten Moment. „Dort hätte alles gepasst – wir hätten dort Einzelhandel betreiben können und auch eine Tankstelle gebaut“, berichtet Häußermann. Eine solche Kundenfrequenz würde es „draußen“, im neuen Gewerbegebiet, nicht geben. Für nicht machbar hält der Labag-Chef zudem das Zusammenlegen der Standorte. „Die gute Lage von Marbach ist für die anliefernden Landwirte aus der Region optimal“, erklärt der Geschäftsführer. Auch der Standort Großbottwar solle bleiben, „dort haben wir sehr viele Mitglieder“.

Für die Frage der Fusion halte er die Standortfestlegung nicht für entscheidend, betont Jürgen Häußermann, der zudem die Kalkulation von Friedrich Kicherer für „hemdsärmelig“ und „zu hoch gegriffen“ halte. Und: E-Mobilität und Abkehr von der Ölheizung würden die Einnahmen schmälern. „Wir müssen an die Kosten gehen“, ist sich Häußermann sicher. Es helfe nur, die Ausgaben in der Verwaltung und im Einkauf zu bündeln. „Noch sind wir in den nächsten fünf Jahren wirtschaftlich stark genug, um das aus einer guten Position heraus zu machen.“ Gut sei, dass alle Arbeitsverträge eins zu eins übernommen würden. Zudem sei die Sanierung der angeschlagenen BAG Franken abgeschlossen. „Die Braut ist jetzt schön genug, dass man sie heiraten kann.“