Kunstnotizen Mehr als 100 000 besuchen die Staatsgalerie Stuttgart

Von Nikolai B. Forstbauer
In der Staatsgalerie zu bestaunen: Peter Paul Rubens, Geronima Spinola Spinola und ihre Enkelin Maria Giovanna Serra, um 1605/06, Foto: Staatsgalerie/Staatsgalerie

Trotz Corona kamen 2021 insgesamr mehr als 100 000 Besucherinnen und Besucher in die Staatsgalerie Stuttgart. Und es gibt noch mehr gute Kunst-Nachrichten.

Stuttgart - Trotz Corona kamen 2021 insgesamr mehr als 100 000 Besucherinnen und Besucher in die Staatsgalerie Stuttgart. Und es gibt noch mehr gute Kunst-Nachrichten. Unsere Kunstnotizen liefern sie.

Wie wird man ein Kunststar?

Noch bis zum 20. Februar ist in der Staatsgalerie Stuttgart die Sonderausstellung „Becoming Famous – Peter Paul Rubens“ zu sehen. Und das lässt sich schon sagen: Die Schau ist trotz Corona ein Volltreffer. Das Besondere: Die Ausstellung setzt nicht auf den Prunk in Rubens’ Bildwelt, krönt sich noch nicht einmal mit neuen Zuschreibungen, die Stuttgarts gesicherten Rubens-Bestand deutlich ausweiten. Das Interesse gilt einer sehr menschlichen Frage: Wie eigentlich, wurde Rubens (1577–1640) zu seinen Lebzeiten zum europäischen Kunststar? So richtig häufig der Satz ist, Kunstgeschichte ist Kriminalgeschichte, so richtig ist hier der Satz Kunstgeschichte ist Unternehmensgeschichte.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Wie man von der Kunst leben kann

Und auch diese Zahl lässt aufhorchen: 25 000 Besucherinnen und Besucher erlebten bisher die noch bis zum 13. Februar zu sehende Ausstellung „Marina Abramovic – Jenes selbst/Unser selbst“ in der Kunsthalle Tübingen. Spektakulär und poetisch, laut und leise – das Werk von Marina Abramovic überrascht auch nach fünf Jahrzehnten internationaler Erfolge. Perfekt passt das Schaffen zudem zur Überzeugung von Tübingens Kunsthallendirektorin Nicole Fritz, die Kunst und die Arbeit mit Kunst müsse für die Menschen da sein. „Die Menschen“, sagt Fritz, „müssen das Gefühl haben: Das geht mich etwas an“ – bei ihrer Abramovic-Schau ist dies definitiv der Fall.

Ist Kunst immer politisch?

Die Ausstellungstrilogie „Actually, the Dead Are Not Dead“ im Württembergischen Kunstverein Stuttgart hat es in sich. Jede der drei Teile – zum Aufstand der Körper mit „Politiken des Lebens“ (2020), den politischen Dimensionen des Festes mit „Una forma de ser“ (2020/2021) und nun zu Funktionen und Wirkungsweisen von Infrastrukturen. Institutionen, Netzwerke, Architekturen und Logistik mit „Politiken des Werdens“ hatte und hat das Zeug, national zur Ausstellung des Jahres gekürt zu werden. Kurz: „Politiken des Werdens“ muss man gesehen haben – als Ausstellung, als Dialogplattform, als fast berstend präzise Analyse der Frage, inwieweit sozialpolitische Forschung Kunst ist, und Kunst immer Forschung. Noch bis zum 23. Januar ist die Ausstellung im Vierecksaal des Kunstgebäudes am Schlossplatz in Stuttgart zu sehen.

Eröffnung in der Sammlung Klein

Ein gutes Stück Forschung ist auch im Spiel, wenn von Sonntag, 23. Januar, an, im privaten Museum Kunstwerk / Sammlung Klein in Eberdingen-Nussdorf die Ausstellung „Vertauschte Köpfe“ mit zentralen Werkgruppen sowie neue Arbeiten von Andreas und Konrad Mühe beginnt. Die beiden in Berlin lebenden Brüder, Söhne des 2007 gestorbenen Schauspielers Ulrich Mühe realisieren dabei erstmals ein gemeinsames Projekt. Spannend wird dies schon deshalb, weil sich in der West-Ost/Ost-West-Geschichte der Familie Mühe ein gutes Stück deutscher und deutsch-deutscher Geschichte spiegelt.

Ackermann-Finale in der Ruoff-Stiftung

Nur noch an diesem Sonntag, 16. Januar (14 bis 18 Uhr), ist in den Räumen der Fritz und Hildegard Ruoff-Stiftung in Nürtingen (Schellingstraße 12) die Ausstellung „Max Ackermann – Schweben als Prinzip“ zu sehen. Ackermann (1887–1975) ist einer der prominentesten Mitbegründer der gegenstandsfreien Malerei nach dem Zweiten Weltkrieg. „Unter dem prägenden Einfluss von Adolf Hölzel an der Stuttgarter Akademie“, notiert der Kunsthistoriker Günter Baumann, „erkennt Ackermann das Primat der Komposition über die Konstruktion sowie des metaphysischen Sinnbildes über das konkrete Abbild“. Im Beleuchten des künstlerischen Dialogs zwischen dem Maler Ackermann und dem Bildhauer, Maler und Zeichner Fritz Ruoff (1906-1986) forciert die Schau den Blick für die ganz eigene Intensität von Ackermann und Ruoff.

Tanz des Lebens

Mit enormer Energie trotzen viele Städtische Galerien in der Metropolregion Stuttgart der Pandemie. Aktuell mit in der ersten Reihe bewegt sich hier die Galerie der Stadt Böblingen mit dem Projekt „Elan vital“. Von der Künstlerin Birgit Wilde konzipiert und von Galerieleiterin Corinna Steimel kuratiert, geht es in der Schau um die „vielfältigen Formen von Bewegung und ihren kunstvollen Ausdrucksweisen“. Zu erleben ist „Elan Vital“ noch bis zum 20. März. Der Anspruch lässt aufhorchen: „In den einzelnen, spezifisch auf den Schauplatz bezogenen und auf Interaktion zielenden Präsentationen wird das Konzept von Beweglichkeit anhand der ausgestellten Kunstwerke an den Schnittstellen zu den Sparten Literatur, Theater, Musik und Tanz verhandelt.“