Kunstlese Murr Überwältigendes Interesse an Kunst im Weinberg

Von Cornelia Ohst
Die Resonanz zur Eröffnung der Kunstlese überstieg die Hoffnung der Organisatoren: gut 400 Menschen waren gekommen. Foto: avanti Foto:  

Die Gemeinde Murr und die drei Ideengeber der Kunstlese haben 22 Künstler inmitten der Weinberge in Szene gesetzt. Rund 400 Besucher haben sich am Eröffnungstag auf den Weg zur Honatskelter gemacht.

Murr - Dem derzeitigen Trend, die Natur mit anderen Annehmlichkeiten des Lebens zu kombinieren, sind auch die Gemeinde Murr sowie Otto Beer, Manfred Blank und Günther Lohfink mit Begeisterung gefolgt. Die drei Letztgenannten haben rund ein Jahr an Planung und Vorbereitung investiert, um nach ihrer schillernden Idee, mit der sie auch Bürgermeister Torsten Bartzsch sofort im Boot hatten, am Wochenende ein bestens umgesetztes Projekt vorzuweisen: die Kunstlese Murr.

Die Arbeitsgruppe, zu der auch Matthias Bader zählt, der als Kulturamtsmitarbeiter das Projekt unterstützt hat, „hat wunderbar funktioniert“, wie Bartzsch den immens vielen Besuchern bei der Eröffnung versicherte. Als runde Sache bezeichnete der Gemeindechef bei der Vernissage, die bei sonnigem Herbstwetter stattfand, das Projekt. Dieses findet nicht nur „in landschaftlich reizvoller Umgebung“ – nämlich den Murrer Weinbergen – statt, sondern verbindet auch Kunst und Wein in besonderer Weise.

Zur Eröffnung gibt es einen ganz besonderen Tropfen

Zum Zeichen dieser Verbindung wurde jedem Gast ein Glas Rotwein angeboten: vom gemeindeeigenen Weinberg „Kirchenwengert“. Eine Flasche des Rebensaftes werde eigentlich nur an Jubilare verschenkt oder komme zu besonderen Anlässen ins Glas, betonte Bartzsch, der bei optimistischer Prognose mit etwa 250 Besuchern gerechnet hatte. In der Tat waren es weit über 400 Gäste, die die Honatskelter pünktlich zur Mittagszeit zum Ziel oder Ausgangsort ihres Sonntagsausfluges erklärt hatten. Auch der Rundweg von etwa zwei Kilometern beginnt und endet an der Kelter. Glücklich zeigte sich der Bürgermeister auch darüber, dass „die Corona-Warnstufe, die wie ein Damoklesschwert über uns gehangen hat“, an diesem Wochenende nicht zum Tragen kam.

So konnte das kulturelle Highlight, das, so Bartzsch, weit über die Gemeindegrenzen hinaus strahle, pandemietechnisch recht entspannt angegangen werden. Mit einem expliziten Dank an alle Beteiligten, an die Helfenden sowie an jene „Stücklesbesitzer, die ihr Grundstück für die Aktion zur Verfügung gestellt haben“, übergab Bartzsch das Mikro dann an den Kunsthistoriker und ehemaligen Leiter der Volkshochschule sowie der städtischen Galerie Herrenberg, Professor Helge Barthelt. Der bestätigte anschließend nicht nur die Vorzüge des reizvollen Areals rund um die Reben, sondern wies auch den Winzerhäuschen, die bei der Ausstellung bisweilen zu sogenannten Mikrogalerien mutieren, eine intime Bedeutung zu.

Die Vereine sind ebenfalls mit an Bord

In seine tiefgründigen Gedanken flocht der Redner die 22 beteiligten Künstler und die ebenfalls künstlerisch tätig gewordene Lindenschule mit ein und gab den Akteuren und ihrer Kunst eine signifikante Note. Mit seinem musikalischen Rahmenprogramm setzte der Musikverein Murr im Anschluss nicht nur akustische Akzente; er sorgte auch für verschiedene Getränke und Speisen, die leicht im Stehen zu verzehren sind.

An den vier folgenden Wochenenden im November sorgen dann jeweils der SGV, der Tennisclub, der Handels- und Gewerbeverein sowie die Freiwillige Feuerwehr des Ortes für das leibliche Wohl der Besucher. Die können sich anhand eines aussagekräftig gestalteten Flyers von Hannes Beer durch die Vielfalt der gezeigten Kunst vor Ort, bei der man sogar Treppen ins Auge sehen kann, gut orientieren.

Für fünf Euro gibt es außerdem noch einen Ausstellungskatalog zu erwerben, der kurze Informationen zu den beteiligten Künstlern bereit hält sowie mit zahlreichen Fotos von Richard Becker illustriert ist, der dafür die verschiedenen Kunststandorte mit seiner Kamera eingefangen hat.

Rundweg kann jederzeit besucht werden

Die Mikrogalerien sind bis zum 28. November an Samstagen, Sonn- und Feiertagen jeweils von 11 bis 16  Uhr geöffnet. Die Künstler sind ebenfalls anwesend. Die Murrer Winzer präsentieren dazu ausgewählte Weine und Vereine übernehmen die Bewirtung. Von 11.30 Uhr bis 15 Uhr kann zudem der Shuttleservice der Feuerwehr Murr von der Gemeindehalle hinauf zur Honatskelter genutzt werden. Diverse Erlebnisführungen ergänzen das Programm. Der Rundweg selbst ist rund um die Uhr geöffnet und kann daher jederzeit besucht werden.