Kunstlese in Murr Das Weinhäusle wird zur Mikrogalerie

Von Oliver von Schaewen
Der Organisator Otto Beer hat seine Skulptur bereits errichtet. Foto: Werner Kuhnle

Das reizvolle Hinterland von Murr wird zur Ausstellung mit dem Namen „Kunstlese“ genutzt. 22 Künstler und eine Schule stellen aus, die Vereine bewirten.

Murr - Worpswede liegt 625 Kilometer von Murr entfernt, doch ein Hauch des Künstlerdorfs in Norddeutschland weht bald auch in der schwäbischen 6500-Seelen-Gemeinde. Drei Einheimische haben die Köpfe zusammengesteckt. Herausgekommen ist ein spannendes Projekt: die Kunstlese Murr. Als Kulisse dient die pittoreske Weinlandschaft bei der Honatskelter. Beteiligt sind 22 Künstler und eine Schule. Bemerkenswert ist die Hilfsbereitschaft der Weingärtner und örtlichen Vereine.

Gespannt auf die Kunstlese ist der Ideengeber Otto Beer. Der 67-jährige Architekt ist in Murr als Schöpfer der Flößerskulptur auf dem Kreisverkehr beim Aldi bekannt. Vor drei Jahren schon schwebte ihm mit seinen Freunden, dem Weinerlebnisführer Günther Lohfink und dem Hobbyweingärtner Wolfgang Blank, ein solches Projekt vor. „Wir fanden die Stimmung bei den vielen kleinen Wengerthäusern toll“, erzählt Beer. So werden in neun der ungenutzten Minihäusern, die den Winzern früher als Werkzeugschuppen und Regenschutz dienten, Mikrogalerien mit ausgestellten Werken entstehen.

Der Murrer Gemeinderat gab mit einer Finanzspritze seinen Segen

Die Eigentümer der Wengerthäuser seien sehr offen für den Vorschlag gewesen, erinnert sich Beer. „Einem von ihnen fiel auf, dass er schon zehn Jahre nicht mehr in seinem Häusle war.“ Man gehe davon aus, dass Veranstaltung und Weinlese sich zeitlich nicht mehr überschneiden. Und unter den teilnehmenden Künstlern finde sich durchaus auch „Prominenz“, erzählt Otto Beer. So hätten sich beispielsweise Dieter Kränzlein, Guido Messer, Michaela Fischer und Marlies Albrecht auch schon auf internationalem Parkett bewegt. Am Herzen liegt dem Organisator jedoch auch, die örtliche Lindenschule einzubinden, die ebenfalls ausstellt.

Der Murrer Gemeinderat gab mit einer Finanzspritze seinen Segen. Die Verwaltung trommelt jetzt schon fleißig für das Open-Air-Event „Das hat es in dieser Form in dem Ort noch nicht gegeben“, sagt Matthias Bader, bei der Gemeinde für die Kultur zuständig. Die Kunstlese wird offiziell am 31. Oktober mit einer Vernissage eröffnet – danach werden an vier Wochenenden Murrer Vereine am etwa zwei Kilometer langen Rundweg zwischen Murr und Höpfigheim die Gäste bewirten. „Wir sind schon sehr gespannt und hoffen auf möglichst gutes Wetter.“

Für die Vereine ist die Bewirtung eine logistische Herausforderung

Das Rad völlig neu erfinden brauchten die Organisatoren nicht. Die Korber Köpfe dienen als Vorbild für die originelle Murrer Ausstellung, die bis zum 28. November zu erleben ist. „Danach wollen wir uns zusammensetzen und Bilanz ziehen“, erklärt Matthias Bader. Der Aufwand für die Vereine an den Wochenenden sei beträchtlich, zumal es keinen Strom gebe und man mit Wassertanks vor Ort operieren müsse. „Unsere Vereine sind aber auch erprobt und haben ihre Erfahrungen bei Festen gesammelt.“

Zu sehen gibt es für Interessierte aber schon jetzt etwas. Alle Skulpturen sollen bis zum 10. Oktober aufgestellt werden, damit sie für den Ausstellungskatalog fotografiert werden können. „Sie sind nur noch nicht beschriftet“, sagt Matthias Bader, der wissbegierige Spaziergänger auf bereits gepostete Erklärungstexte im Internet verweist.

Feldwege sind für Autos verboten – die Feuerwehr bietet einen Shuttle an

Eröffnet wird die Kunstlese Murr mit einer Vernissage am Sonntag, 31. Oktober, um 12 Uhr an der Honatskelter. Bürgermeister Torsten Bartzsch heißt die Gäste willkommen. Der Kunstexperte Professor Helge Bathelt aus Herrenberg hält die Einführungsrede. Die Freiwillige Feuerwehr bietet am Eröffnungstag von 11.30 bis 15 Uhr einen Shuttle-Service von der Gemeindehalle zur Honatskelter an. Die Feldwege dürfen nicht mit dem Auto befahren werden.

Die Ausstellung wird nach dem 31. Oktober an vier Wochenenden bis 28. November samstags und sonntags von 11 bis 16 Uhr bewirtet. Daran beteiligen sich der Musikverein, der SGV Murr, der Tennisclub, der Handels- und Gewerbeverein sowie die Freiwillige Feuerwehr Murr.