Kükenprojekt im Benninger Kindergarten St. Franziskus Vogelkinder mischen den Alltag auf

Von
Die Küken haben das Herz der Kinder wie auch der Erwachsenen im Sturm erobert. Foto: Werner Kuhnle

Der Benninger Kindergarten St. Franziskus hat gemeinsam mit einem Kleintierzüchter ein Kükenprojekt auf die Beine gestellt. Nach 21 Tagen im Brüter sind die Vögel nun zu Wochenbeginn geschlüpft.

Sechs flauschige Küken sind aktuell die tierischen Bewohner im Benninger Kindergarten St. Franziskus. Eines der Hühnerkinder „ist mickriger als die anderen fünf“, konstatiert Leiterin Saskia Franz, die mit dem ziemlich zerrupft wirkenden, schwer atmenden Geschöpf mitleidet. Das Küken hat erst am Dienstag unter leichten „Geburtshilfebedingungen“ als Letztes das Licht in der Kinderstube erblickt und musste noch ein paar Stunden in den Inkubator. „Wir hoffen alle, dass es überlebt.“

Das Küken wirkt dennoch aufgeweckt und neugierig – trotz seiner sichtbaren Schwäche. Doch es schläft auch viel und scheint die sanften „Trampeleien“ der Geschwister, die über es hinweghüpfen, schlichtweg zu ignorieren. Die gefiederten Winzlinge haben nicht nur die Herzen der Kindergartenkinder, sondern auch die der Erwachsenen in der katholischen Einrichtung im Sturm erobert. Nach vier Jahren gibt es dort wieder ein Kükenprojekt – in Kooperation mit dem Kleintierzüchter Marcel Müller aus Heutingsheim, der den Kindergarten bei allen aufkommenden Fragen, professionell begleitet. Das Projekt soll die Kinder liebevoll und mit regelmäßigen Ritualen an das Thema heranführen.

Hat ein Küken eigentlich auch eine Nabelschnur?

So trifft sich das Personal mit den Kindern zweimal wöchentlich zum „Hühnerkreis“, singt dabei ein Frühlingslied und lässt die Handpuppe „das verrückte Huhn“ wichtige Infos und Überlegungen aussprechen, die das Werden und Sein eines Kükens betreffen. Nachvollziehbar, dass die Kinder auch viele Fragen stellten. Zum Beispiel: Wie kommt das Küken aus dem Ei, das gemeinsam mit den anderen, nun 21 Tage lang in der Brutmaschine verweilte? Auch interessieren sich die Kleinen dafür, ob zwischen Ei und Küken eine Nabelschnur existiert?

Seit dem Schlüpfen der Küken kann all das genau beantwortet und selbst überprüft werden. Der bald sechsjährige Jonathan etwa hatte vorab wiederum eine Skizze gemalt, wie er sich das Zuhause der Küken, also die Holzbox, im Detail vorstellt.

Der Wachstum im Ei wurde dokumentiert

„Der Aufwand für ein solch tolles Projekt ist keineswegs gering“, weiß die engagierte Saskia Franz zu berichten. Vor vier Jahren musste sie die Eier noch täglich dreimal von Hand wenden. Nach dem Kauf eines neuen Brüters, der diese Aufgabe automatisch übernimmt, fällt dies glücklicherweise weg. Doch es bleibt weiterhin die Pflicht, auch am Wochenende in der Kita vorbeizuschauen: „Wir wollen ja alle, dass es auch glückt. Alle fiebern mit“, sagt die Leiterin, die seit dem Schlüpfen der Küken nicht nur regelmäßig den Stall säubert und frisches Wasser bringt, sondern zuvor – abends bei Dunkelheit – auch einige Aufnahmen gemacht hat: etwa von befruchteten und unbefruchteten Eiern. „Bei dem befruchteten Ei zeigten sich schon früh Adern und der Punkt vom Auge. Das andere war durchscheinend hell“, so Franz. Die Fotos wurden für die Kinder per Beamer an die Leinwand projiziert und so auch die Wachstumsschritte dokumentiert. „Ein solches Vorgehen, das kreativ Wissen vermittelt, ist nur mit Fachkräften möglich“, betont Franz mit einem kleinen Seitenhieb auf die derzeitigen Diskussionen bezüglich Erziehermangel und Fachkräfte: „Es braucht einfach Freude am Tun.“

Lesen Sie auch: „Kindergarten St. Franziskus gewinnt beim Deutschen Kita-Preis“

Um 5.50 Uhr schlüpft das erste Küken

Dass sich auch eine Kamera in der großen Holzbox befindet, in der sich die Küken jetzt aufhalten, hat einen praktischen Grund: die Schützlinge des Kindergartens und deren Familien konnten das Schlüpfen der Küken online via Livestream auch von Zuhause aus jederzeit mit Begeisterung mitverfolgen. Nummer Eins war nämlich bereits gegen 5.50 Uhr am frühen Montagmorgen aus dem Ei geschlüpft.

„Danach ging es in den Whatsapp-Gruppen rund“, schmunzelt Saskia Franz. Von da an seien die Kinder regelmäßig zur Box, um zu sehen, ob ein weiteres Ei ein Loch aufweist. Dass dann auch noch ein Piepen hörbar wurde, faszinierte obendrein, sagt Franz: „Das erste Küken animiert damit quasi die anderen: ‚Kommt auch raus!’“.

Lesen Sie mehr zum Thema: „Der 16-jährige Jungbauer Nico Fritz und seine Küken“