Kritik aus Großbottwar Gegenwind für Benzäcker

Von Andreas Hennings
Das Gewerbegebiet soll zwischen der Ottmarsheimer Höhe (links) und der A81-Ausfahrt Mundelsheim (rechts) entstehen. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Das anvisierte interkommunale Gewerbegebiet westlich der A81-Ausfahrt Mundelsheim stößt beim Nachbarn auf wenig Gegenliebe. Er lehnt es sogar ab.

Großbottwar - Jahrelang hatte die Stadt Großbottwar sich mit der Gemeinde Oberstenfeld für ein interkommunales Gewerbegebiet beim Holzweiler Hof am A 81-Anschluss Mundelsheim eingesetzt. Ziel war es, dringend benötigte Gewerbefläche zu schaffen. Das Projekt war auch aus Landschaftschutzgründen umstritten – und vor sechs Jahren legte der Landkreis das entscheidende Veto ein. Dass inzwischen wenige hundert Meter entfernt, direkt auf der anderen Seite der Autobahn, das interkommunale Gewerbegebiet Benzäcker vorgesehen ist, stoßen der Großbottwarer Verwaltung und dem Gemeinderat entsprechend sauer auf.

Deutlich wurde das am Mittwochabend, als es im Gemeinderat darum ging, ob und welche Stellungnahme die Storchenstadt zu dem Vorhaben abgibt. Dass man sich in diesem frühen Stadium, in dem der neue Gewerbeschwerpunkt überhaupt erst im Regionalplan verankert werden soll, äußern möchte, war schnell klar. Und die von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Formulierung verschärfte der Gemeinderat dann sogar noch.

Keine Beteiligung für Großbottwar Als „nicht nur bedauerlich, sondern enttäuschend“ empfindet es Robert Wien (FBWV), dass Großbottwar keine Beteiligung am Gewerbegebiet Benzäcker erfährt. Dass die involvierten Kommunen Besigheim, Mundelsheim, Gemmrigheim, Hessigheim, Neckarwestheim und Walheim kein Interesse daran hätten, sei klar. „Nach dem, was uns am Holzweiler Hof widerfahren ist, wäre es aber ein Akt der Fairness gewesen, wenn wir zumindest gefragt worden wären, ob wir uns beteiligen möchten.“ Von den politischen Entscheidungsträgern zeigte sich Robert Wien „sehr enttäuscht“.

Auf die Frage von Fraktionskollege Thomas Stigler, ob von der Stadtverwaltung versäumt worden sei, den Wunsch nach einer Beteiligung zu äußern, entgegnete Bürgermeister Ralf Zimmermann, dass im Landkreis „hinlänglich bekannt“ sei, dass die Stadt Großbottwar Interesse an einem interkommunalen Gebiet habe.

Matthias Wien (CDU) merkte darüber hinaus an, dass es nicht nachvollziehbar sei, dass man als Großbottwar kein Mitspracherecht habe. „Obwohl wir den Durchgangsverkehr und bei Westwind die Geräusche abbekommen. Zusätzlich zur Autobahn.“

Nein aus Naturschutzgründen Die SPD-Fraktion machte deutlich, das Gebiet Benzäcker komplett abzulehnen. Mit einer Begründung, die auch eine Umsetzung beim Holzweiler Hof schwierig gemacht hätte. Doch das Gremium hat sich seit damals auch personell verändert, und SPD-Rat Oliver Hartstang ist neu dabei. Er sprach in Bezug aufs Gebiet Benzäcker von einem „großen Fehler“. Dass ein 20 Hektar großes Gebiet im Regionalplan aufgenommen werde, im Gegenzug aber nur ein sieben Hektar großes Gebiet bei der Ottmarsheimer Höhe rausgenommen werde, sei ein „rückwärtsgewandtes Signal“. Schließlich sei ein Ziel der neuen Landesregierung, beim Flächenverbrauch bis 2035 eine netto Null zu erreichen. „Mit solchen Planungen ist das nicht zu schaffen.“ Noch unverständlicher sei das in Anbetracht des bevorstehenden Wandels bei der Autoindustrie, die künftig weniger Fläche benötige. „Und für die Übergangszeit bis dahin wollen wir jetzt eine solch wertvolle Fläche opfern“, kritisierte Oliver Hartstang.

Er wiederholte die Kritikpunkte, die nach dem Umweltbericht bereits Attac, Nabu oder auch der BUND geäußert hatten. Etwa, dass hochwertige Böden für künftige Generationen verloren gingen. Dass das Gebiet wichtig für die Frisch- und Kaltluft im Neckartal sei. Oder auch, dass der Lebensraum von Bodenbrütern betroffen sei. Und in Sachen Verkehr seien die A ­81 und die vorbeiführende L 1115 schon heute chronisch überlastet.

Die SPD schlug also vor, in die milder formulierte Stellungnahme der Stadtverwaltung („wir nehmen den Aufstellungsbeschluss zur Änderung des Regionalplans zur Kenntnis“) mit aufzunehmen, das Vorhaben aus Umwelt- und Naturschutzgründen abzulehnen. Und: Mit den vier SPD-Stimmen und einem „Nein“ wurde dem bei satten zwölf Enthaltungen zugestimmt. Die Stadt Großbottwar lehnt die Planung, das Gebiet Benzäcker als Gewerbeschwerpunkt auszuweisen, nun also offiziell ab.

Zusätzlich wird auf Initiative von FDP-Rat Paul Wien der Passus in die Stellungnahme aufgenommen, dass die vorgesehene Kompensation der neuen, 20 Hektar großen Gewerbefläche im Regionalplan durch einen sieben Hektar großen Grünzug als „nicht ausreichend erscheint“.

Forderung: ÖPNV dringend angehen Im Rahmen der Planung fürs neue Gewerbegebiet plädiert die Stadt dafür, die Verkehrsanbindung durch den öffentlichen Nahverkehr zwischen Backnang und Besigheim „mit Nachdruck“ zu prüfen und eine Verbesserung „dringend anzugehen“. Auch was eine Verbindung zwischen Mundelsheim und Großbottwar angeht. Oliver Hartstang: „Und auch einen wirklichen Radweg sucht man hier ja vergebens.“