Kornwestheim Der Filmspaß durch die Windschutzscheibe bleibt populär

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Spannung im Auto mit Hund und Bier: Zur Premiere 1969 wurde „Bullit“ mit Steve McQueen gezeigt Foto:  

Kornwestheim - Adelheid Osenau, die von allen Heidi genannt wird, koordiniert Lieferanten und Aushilfen. „Die restlichen Brötchen können ins Kühlhaus“, ruft sie einem Mann zu, der tapfer Pakete durch die Hitze schleppt. Der nächste Kleintransporter rollt währenddessen bereits vor das rot-weiße Gebäude, das mitten auf dem gewaltigen Autokino-Parkplatz in Kornwestheim steht. Die Leiterin stellt zufrieden fest: „Das reicht ein paar Tage.“ Ihre Mitarbeiterinnen wuseln unterdessen hinter der Theke umher.

So ist das hier: Morgens und mittags wird vorbereitet und nachgefüllt, damit abends, wenn es dunkel wird und die Filme über die Leinwände flimmern, das Popcorn ploppt und die Getränke nicht knapp werden. Auch wenn sich Heidi Osenau in Understatement übt – „hier ist ja immer viel los“ – so sind es doch besondere Tage im Kornwestheimer Autokino. Denn das Freiluft-Theater feiert Jubiläum. 50 Jahre wird es alt. Osenau hofft aus diesem Anlass auf viele Besucher und ein bisschen darauf, dass es etwas abkühlt. Denn allzu große Hitze sei nicht gut fürs Geschäft, sagt sie. „Aber Regen ist noch schlimmer“, ergänzt sie, und stellt wetterunabhängig fest: „Autokino – das ist Kult.“

Das letzte Autokino im Land

Autokino ist auch deswegen Kult, weil es nicht mehr viele solcher Theater gibt. In Baden-Württemberg ist das Kornwestheimer Autokino das einzige verbliebene seiner Art, die nächsten liegen bei Frankfurt und München. Osenaus Freiluft-Filmtheater gehört zur Drive-In-Autokino-Kette mit Sitz in Starnberg. Das Motto der Kette lautet: „Wo Kino am größten ist.“ Leinwand eins in Kornwestheim misst 540 Quadratmeter, selbst moderne Indoorkinos können hier kaum mithalten. Leinwand zwei hat immer noch beeindruckende 240 Quadratmeter. Vor der größeren Bildwand haben bis zu 650 Fahrzeuge Platz, vor der kleineren 250. Wobei immer auch die Frage ist „wie die Leute parken“, sagt Heidi Osenau.

Der Trend kommt aus Amerika

Das Phänomen Autokinoist aus den USA nach Deutschland gekommen. 1960 eröffnete das erste der Republik im Hessischen Gravenbruch. 1969 war Kornwestheim an der Reihe. „Fanfaren schmetterten, Tausend Hupen tönten fröhlich, Sekt perlte in den Gläsern, ein Galafeuerwerk erleuchtete die Nacht“, schrieb unsere Zeitung seinerzeit. Die Stadt war damals voller US-amerikanischer Soldaten, für viele stationierte GIs dürfte sich das Autokino wie ein Stück Heimat angefühlt haben. 2500 Zuschauer waren bei der Premiere – über die Leinwand flimmerte der Thriller „Bullitt“ mit Steve McQueen.

Heidi Osenau ist schon Jahrzehnte dabei. 1983 heuerte die jetzt 56-Jährige in Kornwestheim an. 18 Jahre lang war sie Assistentin, dann wurde sie die Theaterleiterin. Sie hat viele der für das Autokino Kornwestheim historischen Ereignisse miterlebt und begleitet, oft ging es um die Einführung neuer Technik oder um bauliche Veränderungen.

Der Ton kommt aus den Autoradios

1988 etwa wurden Tonkassetten eingeführt, die Stimmen und Musik direkt über die Autoradios in die Fahrzeuge brachten und die bis dato üblichen eingehängten Lautsprecher ablösten. Ab 1997 wurde der Filmton per Ultrakurzwelle übertragen. 2006 kam die große Bildwand hinzu, 2009 wurden Sanitäranlagen und das zentrale Kinogebäude umgebaut. Und die Digitaltechnik hielt Einzug. Altehrwürdige Projektoren für große Filmrollen werden längst nicht mehr verwendet. Als historische Schaustücke stehen zwei solcher Geräte noch nahe der Snackbar und erinnern an vergangene Zeiten.

Das Gesamterlebnis zählt

Die Zeiten haben sich geändert. So sind die Freilufttheater längst nicht mehr Ort der Wahl für amouröse Aktivitäten Jugendlicher. „Das können die jungen Leute heute zuhause machen, dafür braucht es nicht mehr unsere letzten Reihen“, sagt Osenau schmunzelnd. Vieles ist aber geblieben, auch emotional. „Es ist das Gesamterlebnis“, sagt die Chefin. „Man kann Liegestühle mitbringen, im Auto Chips futtern, den Ton so laut stellen, wie man möchte.“ Das sei einfach ein besonderes Erlebnis, meint sie und ergänzt, dass ihr Team für alle Fälle Starthilfe-Sets und im Winter mobile Heizlüfter bereithält.

Ob es in einigen Jahren noch Autokinos gibt? Osenau ist davon überzeugt. „Warum sollte etwas, das Kult ist, einfach enden?“, fragt sie rhetorisch.