Kommentar Mensch und Tier

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Oliver von Schaewen Foto: mz

Kommentar - Der Artenschutz hat es im politischen Alltagsgeschäft nicht leicht – sobald eine seltene Tierart ein Projekt behindert, fehlt bei vielen Bürgern die Akzeptanz. Das war schon bei Juchtenkäfern und Zauneidechsen so, die den Ablauf des Milliardenprojekts Stuttgart 21 beeinflussten und dabei die Frage nach der Verhältnismäßigkeit des Naturschutzes aufkam. Eine ähnliche Konstellation bahnt sich bei der Problematik der Wildkatzenwanderung und dem geplanten Neubaugebiet Dürren IV in Oberstenfeld an. Die Gemeinde verfolgt beharrlich das Ziel, vor allem jungen Familien eine Heimat zu geben und deren Wegzug wegen fehlenden Wohnraums zu vermeiden. Dieses Ziel ist grundsätzlich richtig, der politische Konsens im Gemeinderat gegeben, wenngleich es vor Ort zu Protesten von Nachbarn kam, denen das neue Baugebiet zu nah an Landschafts- und Naturschutzgebieten gelegen ist.

Unterschätzen darf die Gemeinde im bisher von ihr sorgfältig betriebenen Verfahren die Wildkatzenwanderung aber nicht. Der Artenschutz ist im Europäischen Recht verankert und kann eingeklagt werden. Wenn selbst Autobahntrassen wegen Vogelarten verlegt werden und am Ende Gerichte entscheiden müssen, droht unter Umständen ein juristisches Nachspiel. Insofern ist der Gemeinde zu wünschen, dass sie ihre Hausaufgaben weiter gründlich erledigt, den Artenschutz – auch für die Wildkatze – ausreichend im Verfahren berücksichtigt und möglicherweise ihren Öko-Ausgleich für den Wildkatzenschutz noch stärker fachlich abstimmt. Vielleicht kann der Konflikt ja Ausgangspunkt sein, interkommunal und im Zusammenspiel mit Naturschutzverbänden die beste Lösung für eine mögliche Wildkatzenwanderung zu suchen. Dann hätten alle etwas davon: Mensch und Tier.