Kleinbottwar/Wassersport Die drei Wellenreiter aus dem Weindorf

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Verbringen ihre Freizeit gerne auf dem Wasser (von links): Frank, Claudia und Maverick Engler.Maverick Engler geht bei zahlreichen Rennen an den Start. Foto: KS-Images.de

Familie Engler ist dem Stand Up Paddling verfallen. Sohn Maverick ist Deutscher Meister.

Steinheim-Kleinbottwar - Geht Maverick Engler seinem größten Hobby nach, ist er dem Wasser ganz nah – nass aber wird er kaum. Auf dem Wasser bewegt er sich mithilfe eines Paddels fort – er ist aber weder Ruderer noch Kanute. Er hat ein Board unter den Füßen und eine dunkelblonde Haarpracht auf dem Kopf – Maverick ist aber auch kein Surfer. Der junge Kleinbottwarer, der an diesem Mittwoch seinen 13. Geburtstag feiert, übt vielmehr eine recht unbekannte Sportart aus: Er ist Stand Up Paddler, bewegt sich also auf einem Board stehend und mit dem Einsatz eines Paddels über das Wasser.

Ja, mag der ein oder andere jetzt denken: Diese Boards mit Paddel, die gemächlich über das Wasser gleiten, habe ich im Urlaub irgendwo schon mal gesehen. Doch Maverick geht seiner Leidenschaft nicht nur in der Ferne nach, sondern auch auf dem Neckar und dem Breitenauer See. Und vor allem: Er betreibt das Stand Up Paddling als Sport und startet bei Wettkämpfen. Mit Erfolg: So ist er Deutscher Jugendmeister auf der Langstrecke und im Sprint. Dazu wurde er dreimal baden-württembergischer Meister.

Wie sehr der frisch gebackene Teenie in seiner auserwählten Sportart aufblüht, wird im Gespräch mit ihm schnell deutlich. Maverick kennt sämtliche Kniffs, er kann aus dem Effeff die Unterschiede zwischen sämtlichen Board- oder Paddel-Bauweisen erklären, und er weiß aus dem Stehgreif, welche Nation bei der Weltmeisterschaft 2017 in Kopenhagen wie abgeschnitten hat. Unabhängig davon, dass der 13-Jährige bei dem Event in Dänemark mit vor Ort war. Nur teilnehmen durfte er noch nicht, dafür muss er 16 Jahre alt sein.

So lange bleiben ihm die nationalen Meisterschaften und natürlich das Hobby an sich. Drei- bis viermal steht der Jugendliche im Sommer pro Woche auf dem Board. Im Winter sind es ein- bis zweimal, dazu kommt verstärktes Lauf- und Fitnesstraining. So arbeitet Maverick daran, um auf dem Wasser schnell voranzukommen.

Ziel bei den Wettbewerben ist es, eine Strecke in möglichst kurzer Zeit zurückzulegen. Unterschieden wird in den Rennarten: Dazu gehören der Sprint über eine Strecke von 200 Metern, das technische Rennen über bis zu drei Kilometer, bei dem Bojen auf dem Wasser umfahren und an Land umtragen werden müssen, sowie das Langstreckenrennen. Hier sind meist acht bis zehn Kilometer zurückzulegen, bei den Schülern zwei und bei der Jugend vier Kilometer. 32  Minuten und 32 Sekunden benötigte Maverick bei der Deutschen Meisterschaft für die vier Kilometer. Damit hatte er einen Vorsprung von mehr als zwei Minuten auf seinen stärksten Verfolger.

Um erfolgreich zu sein, ist neben der Paddel- eine gute Wendetechnik gefragt, um die Bojen zu umkurven. Das ist anspruchsvoll und zählt zu den Stärken Mavericks. „Bei Rennen erreicht man mit dem Board im Schnitt sieben bis acht Stundenkilometer. Die richtig Guten kommen auf fast zehn, und mit einem Speedboard erreicht man 15 Stundenkilometer“, berichtet das Geburtstagskind. Eine Rolle spielen auch Wind und Wasser. Auf dem Main in Frankfurt, wo Maverick im August 2017 Deutscher Meister wurde, sind die Bedingungen anders als auf der Ostsee vor Kopenhagen.

Doch wie stieß Maverick überhaupt auf diese Sportart? Vater Frank Engler erinnert sich: „2011 waren wir im Urlaub an der Costa Brava in Spanien. Bei einer Kiteschule konnte man ein Board zum Stand Up Paddeln ausleihen. Eine Erklärung, wie das funktioniert, gab es aber nicht. Es lief eher nach dem Motto: Hier habt ihr Board, Paddel und das Meer – macht was draus.“ Bei den hohen Wellen habe das anfangs natürlich nicht funktioniert. „Es machte trotzdem Spaß, und bei einem Urlaub auf Fehmarn wenige Monate später nahm Maverick an einem Schnupperkurs teil. Da war das Wasser schön flach“, so Frank Engler.

Die Begeisterung war geweckt – bei der ganzen Familie. „Wir dachten, es muss doch möglich sein, diesen Sport zu uns nach Hause zu bringen“, meint Frank Engler. Ein Jahr später meldete er ein Gewerbe an und errichtete im Wohnhaus in Kleinbottwar einen Shop für Stand-Up-Paddling-Zubehör. Zudem wurde er Instructor, also Ausbilder, und bietet nun Schnupperkurse und Touren an. „Anfangs wurden wir belächelt. Mit der Zeit wurde der Sport aber populärer. Viele freuen sich, dass sie fürs Paddeln nicht in den Urlaub fahren müssen, sondern das vor der Haustüre machen können“, sagt der Familienvater. Sohn Maverick nahm bald deutschlandweit an Rennen teil. Und auch Mutter Claudia stellte sich fortan regelmäßig aufs Board. Schwester Carolyn ist ebenfalls begeisterte Wassersportlerin, wenn auch eher als Windsurferin und Catseglerin.

Gepaddelt wird gemeinsam, wo und wann immer das möglich ist. Im Urlaub geht es mit dem Board auch in die Wellen des Meeres. „Es ist faszinierend, die Geschwindigkeit aus eigener Kraft aufzunehmen. Das Paddeln macht richtig Laune auf dem Wasser. Das ist ein Ganzkörpertraining und du kannst überall fahren, wo du 30 Zentimeter Wasser unter dir hast. Außer es ist explizit verboten“, sagt Vater Frank. Und auch Sohn Maverick schwärmt: „Du fühlst dich frei auf dem Wasser!“

Ausleben möchte er dieses Gefühl weiterhin: Im Juni steht die Deutsche Jugend-Meisterschaft in Xanten an, im Herbst möchte die Familie auf Hawaii ihrem Hobby nachgehen. Und auch die weiteren Ziele sind gesteckt: Starten möchte Maverick bei der Eurotour mit Rennen auf dem ganzen Kontinent – und natürlich bei Europa- und Weltmeisterschaften. Die Grundlage für weitere Erfolge scheint zumindest gelegt.