Kirchen und Musikverein planen Heiligabend Ein Miteinander steht auf der Wunschliste

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Veranstaltungen auf dem Marbacher Burgplatz wie hier der ökumenische Gottesdienst haben immer eine besondere Atmosphäre. Klar ist aber: So voll wie im Januar dieses Jahres darf es in Zeiten von Corona nicht werden. Foto: Archiv (avanti)

Die Kirchen und die Stadtkapelle stecken mitten in den Vorbereitungen für Open-Air-Veranstaltungen in Marbach an Heiligabend.

Marbach - Das gemeinsame Singen und Musizieren auf dem Marktplatz am Nachmittag des 24. Dezember hat in Marbach Tradition. Für Jung und Alt ist der Termin so etwas wie der Start in die Weihnachtsfeiertage. Die Arbeit ist erledigt, der Trubel legt sich, Ruhe und Besinnlichkeit kehren ein. Mehrere hundert Marbacher haben das Angebot der Stadtkapelle genutzt. Tendenz steigend. „Letztes Jahr war der Marktplatz voll“, erinnert sich der zweite Vorsitzende des Vereins, Peter Sautter.

Und dieses Jahr? Wird es ein Weihnachtskonzert auf dem Marbacher Marktplatz geben oder fällt die Tradition dem Coronavirus und den damit verbundenen Auflagen zum Opfer? Eine Frage, die Ute Rößner im Verwaltungsausschuss am Donnerstagnachmittag stellte. Für die Stadträtin gehört das Miteinander im Herzen der Stadt zu Heiligabend dazu. „Und ich hoffe, dass es nicht ganz gestrichen wird.“ Wobei auch ihr klar ist, dass der notwendige Corona-Abstand auf dem Marktplatz nicht eingehalten werden könnte. „Deshalb wäre es doch eine gute Idee, wenn das Ganze dieses Jahr auf der Schillerhöhe stattfinden würde. Da gibt es genügend Platz“, so ihr Vorschlag.

Gibt es. Aber den hat sich bereits die evangelisch-methodistische Kirchengemeinde für einen Open-Air-Gottesdienst gesichert. Für 16.15 Uhr ist ein „Gottesdienst bei Friedrich“ im Park geplant. Schiller wird auch in dem Krippenspiel für Erwachsene, das momentan am Entstehen ist, eine Rolle spielen, verrät Pastor Matthias Kapp. Davor stimmen die Bläser musikalisch auf das Fest ein. Zumindest ist das der Plan. „Wir müssen abwarten, ob sich alles so durchführen lässt, wie wir uns das vorstellen.“

Die Idee eines Open-Air-Gottesdienstes hatte auch die evangelische Kirchengemeinde Marbach, teilt Dekan Ekkehard Graf auf Anfrage mit. „Aber sie sind mir zuvorgekommen.“ Er sei jedoch mit der Stadtkapelle im Gespräch, um gegebenenfalls nachmittags um 15 Uhr auf dem Burgplatz eine gemeinsame Aktion mit Musik und kurzer weihnachtlicher Botschaft durchzuführen. „Oder aber, falls der Musikverein es doch nicht realisieren kann, dann um 15 oder 16 Uhr eine kurze musikalische Aktion gemeinsam mit dem CVJM-Posaunenchor.“ Allerdings seien die Pläne noch nicht spruchreif, da man bewusst bis kurz vorher warten müsse, um die aktuellen Vorschriften zu kennen und entsprechend umzusetzen, betont der Dekan. „Da die Sitzplätze in der Stadtkirche aufgrund der Abstandsregel begrenzt sind, werden wir am Ewigkeitssonntag und an allen vier Adventssonntagen jeweils zwei Gottesdienste nacheinander anbieten, und zwar um 9.30 und um 11 Uhr.“ An Heiligabend wird die Anzahl an Gottesdiensten erhöht, so Ekkehard Graf. Von Anfang Dezember an kann man sich dann über ein Online-System Tickets reservieren. „Sobald in einem Gottesdienst die Höchstzahl an Besuchern erreicht ist, kann man sich nicht mehr anmelden und sollte auf einen Gottesdienst zu einer anderen Uhrzeit ausweichen. Dadurch vermeiden wir, dass Leute an der Kirchentüre abgewiesen werden müssen.“ Wer keinen Internetzugang hat, darf gerne bis zum 18.12. bei Frau Isolde Groß im Gemeindebüro anrufen (898 013) und sich registrieren lassen.

Die Verantwortlichen der Stadtkapelle wollen Dienstag in einer Woche in einer virtuellen Sitzung über die Möglichkeiten für Heiligabend reden, informiert Peter Sautter. „Es ist im Moment alles in der Schwebe, aber wir haben vor, an drei, vier Stellen in der Stadt Weihnachtslieder zu spielen.“ Unter anderem eben auf dem Burgplatz und auf dem Wiesbadener Platz. Menschenansammlungen müssten vermieden und der Abstand müsste natürlich auf jeden Fall eingehalten werden.

Bürgermeister Jan Trost ist zwiegespalten. Auf der einen Seite sei es wichtig, den Menschen gerade an Weihnachten ein bisschen Normalität zu geben. Auf der anderen Seite müsse man einen Anstieg der Infektionszahlen unbedingt vermeiden. „Wir müssen einfach die dann für den 24. Dezember gültige Rechtsverordnung abwarten und schauen, was machbar ist.“ Die neue Rechtsverordnung, die ab dem 1. Dezember greift, hat vorerst Wirkung bis 20. Dezember.