Kirchberger Rappenberg Freizeitvergnügen mit Schattenseiten

Von Sabine Armbruster
Viele Besucher kommen mit dem Auto zum neuen Spiel- und Freizeitgelände – das ist ein Problem. Foto: KS-Images.de / Karsten Schmalz

Familien mit kleinen und größeren Kindern, Jugendliche und Erwachsene freuen sich über die neue tolle Spiel- und Freizeitanlage. Doch die Beliebtheit hat negative Folgen.

Kirchberg - Begeisterung – das ist die praktisch einhellige Meinung der Nutzer über die neue Spiel- und Freizeitanlage am Kirchberger Rappenberg, zu der auch eine Pumptrackanlage und eine Dirtbahn gehören. Einige Bewertungen aus dem Internet: „Einfach nur wow, der schönste Spielplatz, auf dem ich je war“, „absoluter Traum für Kinder jeden Alters“ und „super Pumptrack! Also ich würde behaupten, der beste im Umkreis“ ist da zu lesen.

Es sieht so aus, als ob Gemeinderäte und Verwaltung alles richtig gemacht hätten. Denn als sie sich dafür entschieden, im Zuge der Erweiterung des Wohngebiets Rappenberg auch ein Spiel- und Freizeitgelände in Auftrag zu geben und dabei zu klotzen statt zu kleckern, war das Ziel, ein Freizeitangebot für Kinder jeden Alters ebenso wie für Erwachsene zu schaffen.

Weil das Ganze so attraktiv ist, zieht es auch Menschen aus der näheren und sogar der ferneren Umgebung an. „Die Kennzeichen LB, WN und BK sind am meisten vertreten, aber es sind auch Autos aus den Kreisen Stuttgart und Heilbronn zu sehen“, so Bürgermeister Frank Hornek. Sehr stark besucht sind seiner Beobachtung nach der Pumptrack, aber auch die Wasserspiele und die Kletteranlage.

Autos auf Parkplatzsuche, Hecke als Klo genutzt

Doch die große Beliebtheit bei Jung und Alt bringt auch Schattenseiten mit sich, wie ein Kirchberger in der Bürgerfragestunde der jüngsten Gemeinderatssitzung monierte: „Am Wochenende sind da 40, 50 Autos unterwegs, die keinen Parkplatz finden und alles verstopfen. Und die kleine Hecke dort sieht dann aus wie eine Notdurftanstalt mit allerlei Hinterlassenschaften.“

Die große Beliebtheit sei bekannt, entgegnete der Bürgermeister. Deshalb werde man voraussichtlich in der kommenden Woche Schilder aufstellen, die auf Parkplätze am Friedhof hinwiesen und um Rücksicht auf die Anwohner bäten. „Aber ob es etwas bringt, wird man sehen, wenn die Leute dann ein wenig zu Fuß gehen müssen.“ Mitten in der Landschaft einen Parkplatz anzulegen, sei aber auch nicht möglich.

Hohe Kosten und Angst vor Vandalismus

Was eine öffentliche Toilette betreffe, habe man die Frage im Vorfeld diskutiert, aber noch nie in der Planung gehabt. Aus mehreren Gründen, wie Hornek auf Nachfrage dieser Zeitung erläuterte: „Toiletten gehören nicht zum Standard bei Spielplätzen; sie wären auch eine große Investition und hätten hohe laufende Kosten durch Vandalismus und Verschmutzung, und trotzdem gäbe es sicher ständige Klagen über mangelnde Sauberkeit.“ Vor allem jedoch „kommt man an dieser Stelle mit dem Abwasser gar nicht weg“.

Dies alles habe in der Summe zu der Entscheidung geführt, auf ein WC zu verzichten. Im Nachgang zu der vorgebrachten Bürgerkritik habe man im Gemeinderat über die Möglichkeit diskutiert, ein Dixiklo aufzustellen. „Aber da gingen die Meinungen auch auseinander. Die einen meinten, man könne es ja mal probieren, die anderen, so ein Klo sähe schon nach einem halben Tag so aus, dass niemand mehr es nutzen will.“

Auch andernorts Hinterlassenschaften und Vandalismus

In anderen Gemeinden, die attraktive Anlagen haben, ist das Problem nicht ganz so prekär. So stehen an der Pumptrackanlage in Steinheim in Nähe des Wellariums viele Parkplätze zur Verfügung, ebenso an der in Affalterbach, die am Sportgelände Holzäcker im Wald zu finden ist. Allerdings, sagt Bürgermeister Steffen Döttinger, habe es dort auch schon unangenehme Hinterlassenschaften im Wald gegeben. Die Pumptrack-Kids hätten dann Schilder aufgestellt und das Ganze im Instagram-Kanal thematisiert. „Das war nötig, damit die Leute nicht denken, das sei okay. Vom benachbarten Tennisplatz kamen seitdem keine Beschwerden mehr“, sagt Holger Heit von den Pumptrack-Kids. Man habe dennoch auch über einen WC-Wagen oder biologische Toiletten mit Rindenmulch nachgedacht, „aber da schafft man sich wahrscheinlich andere Probleme wie Vandalismus“, befürchtet Heit.

Vandalismus und absichtliche Verschmutzung sind in der Tat ein Problem, bestätigt auch der Marbacher Bürgermeister Jan Trost – nicht nur bei beiden Dixiklos am Freizeitgelände Galgen, die in der Vergangenheit mehrfach umgestoßen und einmal sogar angezündet wurden, sondern auch bei den fest installierten Toilettenanlagen. Das Problem des Umstoßens konnte man durch ein Anketten der mobilen WCs an Bäumen lösen. Weniger leicht zu lösen ist dagegen das Parken, das am Galgen verboten ist. Verstöße gebe es vor allem am Wochenende, doch man könne nicht ständig kontrollieren.

Gute Infrastruktur schützt nicht vor Müll

Doppelt fein heraus ist der Freizeitpark auf der Schray in Erdmannhausen: Es gibt reichlich Parkplätze, und auch Toiletten seien in der Regel kein Problem, meint der Kämmerer Eberhard Immel: „Solange das Jugendhaus offen ist, kann man dort die WCs benutzen, ebenso die am Sportplatz oder in der Halle, und auch im Vereinsheim würde man sicher kein Kind, das ein dringendes Bedürfnis hat, abweisen.“ Allerdings, räumt er ein, sei der Müll ein Problem. „Aber das gibt es andernorts auch.“