Kinderbetreuung in Oberstenfeld Ein Bauwagen bringt die Natur noch näher

Von Arnd Bäucker
Grund zur Freude: Der neue Bauwagen bietet mehr Möglichkeiten als ein reiner Waldkindergarten. Foto: Ralf Poller/Avanti

Die Spielbude e. V. in Oberstenfeld hat die Fertigstellung ihres lang ersehnten neuen Stützpunktes für die Kinderbetreuung gefeiert.

Wenn man so lange kämpft, und dann löst sich das alles, das ist einfach ein Fest!“ Verena Kröner sind die Erleichterung und die Freude anzumerken. Sie und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter vom Verein „Spielbude“ in Oberstenfeld sind stolz auf das, was da auf einer Wiese zwischen dem Hauptort und Gronau auf der grünen Wiese steht.

Schon von weitem fällt der neue Bauwagen ins Auge, ein neuer Stützpunkt für die vielfältigen Angebote zur Kinderbetreuung, die der Verein organisiert. Mehr als 120 Besucher, vor allem Familien mit Kindern, kamen am Sonntag zum „Wiesenblühenfest“, um sich den Wagen anzusehen, während sich die Kinder bei herrlichem Wetter an verschiedenen Stationen vergnügten.

Attraktive Räumlichkeiten auf Rädern

Der Bauwagen selber, imposant und langgestreckt auf Rädern, bietet attraktive Räumlichkeiten. „Wir haben sozusagen einen Schmutz- und einen Aufenthaltsbereich,“ sagte Verena Kröner mit einem Augenzwinkern. Zum einen eine Garderobe in hellem Holz – „eine große Garderobe ist wichtig“ –, ferner einen gemütlichen Sitzraum zum Erzählen und Vorlesen, einen abgesperrten Herd und ein Trockenklo. Der Bauwagen ist nicht als Zuflucht bei sehr schlechtem Wetter gedacht; in diesem Fall könnten die Kinder und die Erzieherinnen im evangelischen Gemeindehaus in Gronau unterkommen.

Es war ein langer, manchmal schwieriger Weg, berichtete Verena Kröner. „Wir mussten den Bauantrag zwei Mal stellen.“ Aber im Dezember 2021 war es doch so weit. Freilich gab es auch dann noch viel Abstimmungs- und Klärungsbedarf.

Bei der Finanzierung half ein Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg. Angela Tremmel vom Vorstand von „Spielbude e. V.“ zog kritisch Bilanz: „Leider haben wir nicht von Anfang an alle Informationen bekommen, was zu beachten war.“ Aber sie schaut jetzt nach vorne: „Nun beginnt die eigentliche Arbeit mit den Kindern.“

„Spielbude“ bietet verschiedene ergänzende Betreuungsprogramme für das Vorschulalter, vor allem im Bereich Waldkindergarten und Naturerfahrung. An jeweils zwei Tagen in der Woche. Der Bauwagen eröffnet mehr Möglichkeiten als ein reiner Waldkindergarten. Von hier aus können die Kinder immer wieder die Natur erleben, sei es im Wald oder beim Gärtnern an einem kleinen Hochbeet. Nur ein paar hundert Meter entfernt liegt ein Bauernhof, „den wir einmal im Monat besuchen“, so Kröner. Erst vergangene Woche kam es auch zur – ungeplanten – Begegnung mit einer Schafherde. „Das sind Erlebnisse, die sich einprägen.“

Lob von den Eltern

Auch Markus Kleemann, der Bürgermeister von Oberstenfeld, überzeugte sich beim Fest am Sonntag von den neuen Möglichkeiten. „Wir sind in der Gemeinde glücklich, dass es die Spielbude gibt,“ sagte er. „Die bieten Dinge an, die wir nicht haben.“ Der Verein ist mittlerweile fest in die Bedarfsplanung der Kinderbetreuung in der Gemeinde einbezogen.

Im Lauf des Nachmittages schritten die Kinder selber zur Tat. An einem Tisch bastelten sie Hasenköpfe aus Astgabeln. Und sie pflanzten Kresse-Samen in die Vertiefungen eines leeren Eierkartons, hämmerten Nägel für ein Nagebrett. Und natürlich waren kleine Baumeister unermüdlich auf den Sandhügeln unterwegs.

Die Eltern waren des Lobes voll über die Möglichkeiten. Hendrik, Vater des dreijährigen Rufus, schätzt den Bezug zur Umwelt und die viele Bewegung. „Wenn die Kinder so mit der Natur umgehen, mit all den Materialien, die sie da in den Händen haben, bekommen sie ein ganz anderes Bewusstsein für die Natur. Auch dafür, was nötig ist, um sie zu erhalten.“ Rufus käme immer ganz ausgeglichen und glücklich nach Hause. Ann-Kathrin, Mutter des dreijährigen Theo, lobt die Verlässlichkeit der Bezugspersonen. „In dem Alter brauchen die Kleinen noch so etwas wie ein Nest, und hier bekommen sie das.“ Vorteilhaft sei auch, dass die Eltern über eine WhatsApp-Gruppe laufend informiert sind, was gerade bei den Kindern läuft.

Mit dem neuen Bauwagen, so sieht es aus, sind die Voraussetzungen in Oberstenfeld gut, dass die Arbeit für und mit den Kindern jetzt noch besser ins Rollen kommt.