Kampf gegen Motorradlärm in Kirchberg Tierische Schilder ohne Wirkung

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Eine Prise Humor soll vor allem die Zweiradfreunde auf der Strecke zwischen Kirchberg und dem Ortsteil Neuhof zum rücksichtsvollen und sicheren Fahren bewegen. Foto: privat

An der bei Motorradfans beliebten Strecke zwischen Neuhof und Kirchberg wurden Schilder aufgestellt, die mit einem Augenzwinkern um Rücksichtnahme bitten. Der Erfolg ist bislang gleich null.

Kirchberg - Die Kreisstraße 1835 zwischen Kirchberg und dem Ortsteil Neuhof ist eine idyllische Strecke – eigentlich. Denn der steile und kurvige Straßenabschnitt durch den Wald ist bei Motorradfahrern besonders beliebt, bietet er doch auch eine Herausforderung für das fahrerische Können. Und die reizt manche offenbar so sehr, dass sie gleich mehrfach, mit möglichst hohem Tempo und hoher Drehzahl, hin- und herfahren – zum Leidwesen der Neuhöfer, bei denen die Strecke direkt vorbeiführt, aber auch einiger Bewohner des Hauptortes, weil der Lärm über das Murrtal hallt und sich an den Hängen bricht.

Der Effekt ist bislang gleich null

Vor wenigen Wochen wurden deshalb an beiden Enden des Streckenabschnitts Schilder montiert mit den humorvollen Aufforderungen „Lärm nicht wie ein Esel“ und „Fahr nicht wie die Sau“. Der Effekt bislang ist allerdings, so die Beobachtung von Norbert Kuhnt, gleich null. „Wer vorher schon als Motorradfahrer oder auch als Autofahrer vernünftig gefahren ist, nimmt dadurch vielleicht noch ein bisschen mehr Rücksicht – die anderen interessiert das nicht.“ Die vernünftigen Fahrer, betont der Neuhöfer, der sich in der Aktionsgemeinschaft Umweltschutz Kirchberg (AUK) engagiert, seien bei Weitem in der Mehrzahl. Doch schon die Tatsache, dass die anderen zwischen den Wendemöglichkeiten Kirchberger Bahnhof und Neuhöfer Bushaltestelle regelrecht pendeln, sorge dafür, dass man am Wochenende lieber nicht im Freien sitze.

Kontrollen ändern nichts an den Tatsachen

Auch die Tatsache, dass die Polizei am Wochenende verstärkt Kontrollen von Zweiradfahrern durchgeführt hat, habe daran nichts geändert. In Kirchberg wurden die Biker allerdings auch nicht kontrolliert; am Samstagnachmittag war die Polizei zwar im Bereich Affalterbach und Neuhof vor Ort, dabei sei es aber nicht um Motorradkontrollen gegangen, sondern um eine generelle Überprüfung auf Alkohol und Drogen, sagt der Ludwigsburger Polizeisprecher Peter Widenhorn. Im Kreis Ludwigsburg wurden Zweiradfahrer unter anderem in Prevorst kontrolliert, wo es jedoch nur zwei Verstöße gegen die Helmpflicht gab.

Bei den landesweiten Überprüfungen ging es nicht nur um die Geschwindigkeit, die zusammen mit gefährlichen Überholmanövern als Hauptursache für Unfälle mit Zweiradbeteiligung gilt. Im Blickpunkt der Beamten waren auch die Auspuffanlagen, die, häufig manipuliert, den beliebten markigen Sound liefern.

Fahrverbot auf Bundesebene abgelehnt

Im Bundesrat wurde bereits im Mai 2020 ein Beschluss gefasst, nach dem neue Motorräder höchstens 80 Dezibel laut sein dürfen. Der Bundesverkehrsminister indes lehnte dies ebenso ab wie ein mögliches Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen. Ohnehin sind viele Bikes auf dem Papier leiser. Doch die Realität ist anders, wie eine im letzten Jahr durchgeführte Messung an verschiedenen Standorten in Baden-Württemberg ergeben hat. Der Lärmschutzbeauftragte der Landesregierung, Thomas Marwein, verglich daraufhin den Lärmpegel mancher Bikes mit dem eines Presslufthammers.

Eine Initiative im Kampf gegen Lärm

Die Gemeinde Kirchberg hatte wegen des wachsenden Lärms Mitte letzten Jahres mit knapper Mehrheit im Gemeinderat beschlossen, der Initiative Motorradlärm beizutreten, einer gemeinsamen Aktion von Land und Kommunen. Auch Bürgermeister Frank Hornek hatte damals dafür plädiert. Darüber hinaus sieht er, anders als seine Kollegen aus Sulzbach, Großerlach und Spiegelberg, keinen Handlungsbedarf. Diese hatten kürzlich den Lärmschutzbeauftragten Marwein aufgefordert, das Verbot des unnötigen Hin- und Herfahrens in geschlossenen Ortschaften nach § 30 StVO auch auf Außenbereichsstrecken zu erweitern. Der Forderung werden seitens des Verkehrsministeriums aber kaum Chancen eingeräumt (s. Infokasten). Hornek findet das Schreiben inhaltlich richtig, meint aber, die Interessen der Anwohner müssten „in der höheren Politik vertreten“ werden.

Fahrspaß gibt es auch ohne Lärmbelästigung

Den meisten der Motorradfahrer dürfte übrigens bewusst sein, dass Fahrspaß nicht automatisch mit Lärmbelästigung korreliert. Darauf lässt zumindest ein offener Brief des Bundesverbands der Motorradfahrer schließen, der die Hersteller auffordert, freiwillig Zweiräder zu produzieren, die im realen Fahrbetrieb „sozialverträglich leise sind“, so der Wortlaut. „Viele Hersteller nutzen die aktuellen Zulassungs- und Messverfahren dahingehend aus, dass sie durch geeignete technische Maßnahmen [...] den Lärmpegel der Maschinen außerhalb des Messbereichs erhöhen“, heißt es weiter. Dieser verstärkte Lärm reduziere die gesellschaftliche Akzeptanz des Motorradfahrens. Die Industrie wiederum sieht die Motorradfahrer selbst in der Verantwortung. Für die Anwohner attraktiver Strecken ein Teufelskreis.