Jugendhaus in Steinheim Der neue Standort erweist sich als Glücksfall

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Im neuen Jugendhaus können sich die Besucher wohlfühlen. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Das neue Jugendhaus hat die Stadt viel Geld gekostet. Doch die Investition hat sich offenbar bezahlt gemacht. Der Standort erweist sich als Glücksfall.

Steinheim - Die Lage des alten Jugendhauses am Steinheimer Bahnhof war eher suboptimal. Außen fehlte der Platz zum Spielen und Toben. Außerdem mussten sich die Kids immer ein bisschen im Zaum halten, um Konflikten wegen Ruhestörungen mit den Nachbarn aus dem Weg zu gehen. Da die Räumlichkeiten auch nur angemietet waren und der Vertrag auslief, entschloss sich die Stadt zu einem Neubau direkt am Schulcampus. Dafür musste eine Menge Geld in die Hand genommen. Doch der Bericht des Jugendhausleiters Sebastian Backes am Dienstag im Kultur- und Sozialausschuss legt nahe, dass die Räte mit ihrer Entscheidung zur Verlagerung der Einrichtung goldrichtig lagen.

Die Besucherzahlen hätten sich bis zum zweiten Lockdown im Dezember gut entwickelt, sagte Backes. „Ein Wachstum war deutlich spürbar. Der Standort hat sich wirklich total bewährt“, erklärte er. Man könne nun vor allem die Schüler besser abholen, aber auch aus dem angrenzenden Wohngebiet schauten Mädchen und Jungs im Jugendhaus vorbei.

Bunte Mischung bei Besuchern

Inzwischen habe sich auch die Zusammensetzung der Besucher etwas verändert. Während am alten Standort insbesondere Heranwachsende mit Migrationshintergrund den Treffpunkt aufsuchten, registriere man nun eine bunte Mischung aus unterschiedlichen Milieus und allen Schichten. Zugenommen habe darüber hinaus der Anteil an Mädchen, die sich für die Einrichtung interessieren, sagte der Leiter auf Nachfrage von Karen Seiter von den Freien Wählern. Eine wichtige Rolle spiele dabei insbesondere seine Kollegin Eldrid Ehlers, die als Vertrauensperson für die weiblichen Besucher fungiere.

Auffällig sei überdies, dass sich das Jugendhaus zunehmend bei einer jüngeren Klientel größerer Beliebtheit erfreue, konstatierte Backes. Dabei handele es sich um Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren, präzisierte er auf Nachfrage von Petra Schubert von den Grünen. „Die sind vermehrt nach der Schule zur Nachmittagsbetreuung, für Beratungen, zur Hausaufgabenhilfe oder einfach mal so da bei uns“, erläuterte der Fachmann.

Nachmittags übernehmen die Steinheimer

Nachdem sich Uwe Löder von der CDU dafür interessiert hatte, aus welchen Kommunen die Jugendlichen denn kämen, berichtete Backes, dass gerade mittags viele Kids aus den Teilorten sowie Marbach und Umgebung das Haus besuchten. „Nachmittags oder abends wird es dann eher die Steinheimer Clique, die sich bei uns trifft“, sagte er.

Der Kontakt sei naturgemäß zu den Kollegen in den angrenzenden Kommunen Großbottwar und Murr am intensivsten. Aber generell sei man gut vernetzt mit den Häusern im Landkreis und dem Bottwartal. Folglich wusste er auch vom Queer-Café in Marbach, einer Anlaufstelle für Jugendliche, deren geschlechtliche Orientierung und Identität nicht ins klassische Bild passen. Für ein solches Angebot sei man selbstverständlich auch in Steinheim offen, betonte er auf Nachfrage von Michael Bokelmann von den Freien Wählern. „Aber das Thema kam jetzt bei uns explizit nicht auf“, konstatierte Backes, der zudem hervorhob, dass trotz Corona mit all seinen Einschränkungen weiter Jugendarbeit betrieben werde. „Wir haben online Beratungsgespräche geführt, telefonisch, aber vor allem auch vor Ort“, erklärte er. Man wolle auf alle Fälle den „realen Kontakt halten. Uns muss es vor Ort geben für die Jugendlichen und Kinder“, betonte der Leiter.