Installation im Oberstenfelder Bürgerhaus Die Wartezeit mit Kunst vertreiben

Von Cornelia Ohst
Das Kollektiv „Flying Notes“ vereint Tanz und Video. Foto: avanti/Ralf Poller

Ein Künstlerkollektiv hat mit dem Verein Oberes Bottwartal eine Videoinstallation im Bürgerhaus auf die Beine gestellt. Unter dem Schlagwort #kunschdsichtbar soll Kunst den Weg in den öffentlichen Raum finden – und Leute, die auf ihren Coronatest warten, auf andere Gedanken bringen.

Oberstenfeld - Kunst will gesehen werden. Und Künstler sind daran interessiert, sie sichtbar zu machen – auch (oder gerade?) in Zeiten einer Pandemie. Gelungen ist das einem Künstlerkollektiv, das sich selbst den Namen „Flying Notes“ gegeben hat. Die zwei Tänzerinnen Jasmin Bachir und Marleen Streicher, die Saxofonistin Simone Ehinger und die unter „Mr & Mrs Clip“ firmierenden Videofilmer Tiffany Barlow und Robert Beutelsbacher, haben sich zusammengefunden, um ihre individuellen Kunstrichtungen in dem Projekt #kunschdsichtbar erfolgreich miteinander zu verschmelzen.

Kunst ist der Gemeinde ein Anliegen

Das durch ein Stipendium des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden Württemberg geförderte Projekt wurde am Dienstag erstmalig im Oberstenfelder Bürgerhaus vorgestellt. „An einem Ort, an dem Menschen nicht nur ein- und ausgehen, sondern auch für eine gewisse Zeit verweilen müssen. Nämlich dann wenn sie auf ihr Testergebnis warten“, erläuterte Bürgermeister Markus Kleemann die Idee dahinter, die Videoinstallation des Künstlerkollektives, die in einer Art Dauerschleife präsentiert wird, direkt im Bürgerhaus platziert zu haben.

Kleemann, dem das Kunstprojekt über den örtlichen Kulturverein „erfreulicherweise zugefallen“ sei, unterstütze es mit der Räumlichkeit gern: „Kunst ist uns in unserer rund 8000 Einwohner umfassenden Gemeinde ein Anliegen. Wir haben auch schon bei diversen Aktionen die Schirmherrschaft übernommen.“

Wartende werden in eine andere Welt entführt

Die Idee hinter dem Film, der vor gut einem Jahr seinen Anfang mit zahlreichen Videokonferenzen der Künstler genommen hat, sei tatsächlich eben die gewesen, „dass Menschen, die warten müssen, in eine andere Welt entführt und auf andere Gedanken gebracht werden.“

„Wie eben derzeit in Testzentren üblich“, unterstrich Marleen Streicher den künstlerischen Impuls. Das gesamte Videokonzept sei über Online-Meetings entstanden. Zum eigentlichen Dreh hat sich das Team dann im Mai 2021 getroffen: im Hölderlinhaus in Lauffen, wo „Modernes und Altes aufeinandertreffen“, wie Streicher, die in Gronau lebt, das Konzept erläuterte. Und auch mit der Musikauswahl, nämlich die kurzen Sequenzen von Telemanns 12 Fantasien, zeigt sich dieses Prinzip: Moderner Tanz und ein klassischer Tonteppich, über den die grazilen Körper der beiden Tänzerinnen ausdrucksstark hinweg gleiten.

Der nächste Film steht schon in den Startlöchern

Auch Thomas Arndt vom Kulturverein Oberes Bottwartal zeigte sich erfreut über die Kooperation und betonte: „Kunst muss von unten heraus kommen. Wir brauchen nicht nur die kommerziell angesagten Künstler, die unsere Hallen füllen, sondern gerade auch die regional Auftretenden.“

Dass die Zusammenarbeit der fünf Künstler in harmonischer Stimmung abgehalten worden sei und „wir unglaublich inspiriert waren“, wie Filmerin Tiffany Barlow darstellte, ist dem gut vier Minuten dauernden Hauptfilm anzumerken. „Wir hätten sogar ohne Honorar gedreht“, meinte Barlow enthusiastisch, die mit ihrem Partner sogar bereit gewesen wäre, „außerhalb von Corona, am Wochenende zu drehen“. Jetzt überlegt das künstlerische Quintett sogar, ob noch weitere Projekte unter dem oben genannten Hashtag publiziert werden sollen. In den Startlöchern steht jedenfalls schon ein Film, der die existenzielle Bedrohung von Künstlern thematisiert: „Cogito ergo sum – Ich denke, also bin ich.“

Das Video ist auch auf der Homepage des Kulturvereins Oberes Bottwartal zu finden.