Ingersheimer ist an Leukämie erkrankt Antonio kämpft wieder gegen den Krebs

Von Sandra Lesacher
Fröhlich und lebensfroh, wann immer es geht, auch im Krankenhaus: Antonio Schembri mit seiner Schwester Alessia Foto: privat

Der 24-Jährige aus Ingersheim hat zum zweiten Mal Leukämie. Ihm kann nur noch eine Stammzellenspende helfen. Unter anderem beim Weihnachtsmarkt in Pleidelsheim am Sonntag kann man sich bei der DKMS registrieren lassen.

Den fröhlichen, lebensfrohen jungen Mann kennen viele Menschen von der Shell-Tankstelle in Ingersheim: Antonio Schembri. „Viele sind nur gekommen, um ihm Hallo zu sagen“, sagt seine Schwester Alessia. Sein Umfeld kennt ihn singend, lachend und tanzend. „Er hat immer Blödsinn im Kopf.“ Mutter Tanja Guarino-Laratta und Alessia zeigen auf dem Handy Fotos und Videos von Antonio. Wie er im Wohnzimmer umherhüpft, die Familie im Arm, Späße macht, herumalbert.

Ohne Chemotherapie würde er nicht lang überleben

Antonio Schembri ist 24 Jahre alt und hat Leukämie. Zum zweiten Mal. Im Mai schien der Krebs besiegt, aber vor drei Wochen kam er zurück. Gefährlicher und viel aggressiver als zuvor. Nur eine Stammzellenspende kann sein Leben retten, sagen die Ärzte. Die Suche der DKMS (früher Deutsche Knochenmarkspenderdatei) läuft schon auf Hochtouren. Aber bisher ist kein genetischer Zwilling gefunden worden.

Doch den braucht Antonio dringend, je früher, desto besser. Momentan wird er mit einer starken Chemotherapie so weit stabil gehalten, dass die Krebszellen nicht weiter arbeiten können. „Ohne würde er nicht lang überleben“, sagt Alessia Schembri. Die Hoffnung war, dass Antonio zu Hause in Ingersheim bleiben kann, bis ein Spender gefunden wird. Aber es kam anders. Vergangenen Mittwoch ging es ihm so schlecht, dass er wieder ins Krankenhaus musste.

Ein Ärztemarathon bis zur Diagnose

Dort, im Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart, ist er kein Unbekannter. Drei Monate in der ersten Jahreshälfte verbrachte Antonio hier bei seiner ersten Leukämie-Erkrankung stationär, in Isolation mit Chemos und Bestrahlungen. Es folgten weitere Krankenhaus-Aufenthalte, Blutentnahmen, Kontrollen, Untersuchungen . . . Alle zwei bis drei Tage war er stationär in der Tagesklinik, auch die Chemo lief noch weiter.

Angefangen hatte alles Ende Januar/Anfang Februar. „Es war wie eine Erkältung, die nicht abgeklungen ist“, berichtet Alessia. Dann sind Antonios Lymphknoten angeschwollen. Erst am Hals, schmerzlos zwar, aber es wurde von Tag zu Tag schlimmer. Der junge Mann ging zum Hausarzt, zum Radiologen, zum Kieferchirurgen. Dann schwollen die Lymphknoten unter den Armen und in der Leistengegegend an. Der Verdacht fiel auf Morbus Hodgkin, ein Lymphdrüsenkrebs, und Antonio kam ins Krankenhaus nach Ludwigsburg. Dort eskalierten dann seine Blutwerte.

Es fühlt sich an, als würde man die Luft anhalten

Schließlich die Diagnose Leukämie. Der Kampf dagegen, der viele Monate dauerte, bis Antonio endlich krebsfrei war. Und nun erneut die niederschmetternde Nachricht. Der Krebs ist zurück. Es fühlt sich so an, als würde man die Luft anhalten, sagt die 26-jährige Alessia. Bei der ersten Diagnose schon. „Als hätte ich erst wieder Luft bekommen, als der Krebs weg war.“ Und jetzt sei es wieder so, als ob sie nicht atmen könnte.

Die Angst um ihren Sohn begleite sie 24 Stunden jeden Tag, berichtet die Mutter. Sie schläft nachts nicht mehr, guckt aufs Handy, ob irgendetwas ist. „Wenn ich sagen könnte: Nehmt mein Leben für mein Kind, ich würde es sofort machen.“

Das Warten auf den erlösenden Anruf

Tanja Guarino-Laratta und ihre Tochter Alessia Schembri warten jeden Tag auf den erlösenden Anruf, dass ein passender Spender gefunden ist. Und sie hoffen, dass sich noch viel mehr Leute bei der DKMS registrieren lassen. „Nicht nur wegen Antonio, das kann auch anderen das Leben retten“, sagen Mutter und Tochter. Deshalb sind sie unter anderem am Sonntag, 27. November, auf dem Pleidelsheimer Weihnachtsmarkt vertreten. Der Erlös für Crêpes und Glühwein geht an die DKMS. Wer sich zudem am Stand per QR-Code registriert, bekommt zwei Tage später von der DKMS ein Abstrich-Kit zugeschickt, kann zu Hause selbst einen Wangenabstrich machen und die Probe an die Organisation zurückschicken.

Die Hoffnung bei Mutter und Schwester, beim ganzen Umfeld, einen Spender zu finden, ist groß. Riesig ist auch der Zuspruch, den Antonio von Freunden, Bekannten, aber auch von Fremden erfährt. Antonio teilt seine Geschichte unter anderem auf Instagram (@mahonni_gegen_leukaemie). Dort ruft er ebenfalls auf, sich bei der DKMS registrieren zu lassen. Er schreibt: „Ich werde durchhalten und die Leukämie bekämpfen.“

Die Medikamente sind sein Zaubertrank

Und er zeigt, wie er mit der Situation umgeht, wie er singt und in die Kamera strahlt. Zumindest, wann immer es ihm gesundheitlich möglich ist. „Es ist ein Auf und Ab“, sagt seine Schwester Alessia. „Oft fehlt Antonio die Kraft. Die Medikamente sind Gift pur.“ Aufmunterung und Unterstützung gibt es vor allem von Mama und Schwester. Die beiden fahren jeden Tag ins Robert-Bosch-Krankenhaus nach Stuttgart. Tanja Guarino-Laratta bringt ihrem Sohn immer Essen mit. „Er mag das Krankenhausessen nicht, er hat da eine richtige Phobie entwickelt in der langen Zeit.“ Daher kocht die Mama Lieblingsspeisen und Soulfood wie Hackbällchen in Tomatensauce oder selbst gebackene Pizza.

Wenn es dem jungen Mann zeitweise „okay“ geht, dann wird schon mal mit dem Schwesterherz und dem Infusionsständer Franky getanzt. Doch nicht nur der Infusionsständer, auch die Medikamente haben Namen. „Felix felicis“ nennt Antonio seine Chemo-Arznei. Es ist der Name eines Zaubertranks aus „Harry Potter“ – und der Ingersheimer ist ein großer Fan des Zauberers. Übersetzt heißt Felix felicis übrigens „Glück in flüssiger Form“.

Warum die Registrierung so wichtig ist

Stammzellenspende
 Alle zwölf Minuten erhält in Deutschland ein Mensch die niederschmetternde Diagnose Blutkrebs, weltweit alle 27 Sekunden. Viele Patienten können ohne eine Stammzellenspende nicht überleben. Mit der Suche nach geeigneten Spendern beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Je schneller ein „Match“ gefunden wird, desto größer sind die Überlebenschancen der Patienten, heißt es bei der DKMS. Und: In Deutschland findet einer von zehn Blutkrebspatienten keinen Stammzellenspender. In den allermeisten Fällen werden die Stammzellen des Spenders über das Blut gewonnen, ähnlich wie bei einer Blutspende.

Registrierung
 Wer sich bei der DKMS als potenzieller Stammzellenspender registrieren lassen möchte, hat beim Pleidelsheimer Weihnachtsmarkt am 27. November sowie beim Heimspiel des GSV Pleidelsheim am 4. Dezember, Gelegenheit dazu. Online ist die Registrierung unter www.dkms.de möglich.