Höpfigheim Bei Bussen soll das Rad neu erfunden werden

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Es fahren wohl bald mehr Busse nach Höpfigheim, doch für die Räte ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Foto: Werner Kuhnle

Höpfigheim - Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Höpfigheim ÖPNV-technisch bald besser an die Kernstadt angebunden wird. Das machte der Ortsvorsteher Roland Heck am Donnerstag im Ortschaftsrat deutlich. Heck berichtete, dass die Kommune eine ganze Palette von neuen Bussen beantragt habe. So sollen werktags nach 18 Uhr drei Fahrtenpaare hinzukommen, am Samstag elf Touren gebucht und sonn- und feiertags acht weiße Flecken im Fahrplan beseitigt werden. „Das heißt aber nicht, dass wir das auch bekommen“, schränkte Heck gleich ein. Die Entscheidung fällt erst vor der Sommerpause. Und vor allem: Für den Ortschaftsrat ist das alles ohnehin nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Deshalb fordert das Gremium, das Thema komplett neu aufzurollen. Oder wie Heck sagte: „Der Knoten soll aufgelöst und neu geknüpft werden. Man sollte nicht immer nur Breckele anhängen.“

Entsprechend fiel dann auch der Empfehlungsbeschluss an den Gemeinderat aus. Dieser soll sich mit der Verwaltung ohne Denkverbote Gedanken machen, wie die Linienführung grundlegend neu geordnet werden könnte. Die bloße Zubestellung weiterer Busse löse nämlich nicht das Grundsatzproblem der ungenügenden ÖPNV-Anbindung des Ortsteils, betonte die fraktionslose Monika Michelfelder. Diese Einschätzung konnte eine Frau in den Zuschauerrängen nur bestätigen. „Man muss grundsätzlich überlegen, ob das System so noch einen Sinn hat“, sagte sie – und berichtete von eigenen leidvollen Erfahrungen als Nutzerin des ÖPNV. Sie brauche mit dem Bus von Höpfigheim nach Freiberg genauso lange wie von dort weiter nach Stuttgart-Stadtmitte. Das liegt daran, dass die Passagiere nicht direkt nach Freiberg kutschiert werden, sondern einen Abstecher über Ingersheim in Kauf nehmen müssen. Das Angebot sollte aber nach Meinung der Zuhörerin stärker auf die Anbindung an die S-Bahn ausgerichtet sein. „Das ist ein Kernproblem“, sagte sie.

Aber offenbar längst nicht das einzige. Die Busse seien auch zu voll, meinte Volker Schiele von der CDU. Teilweise könnten die Türen wegen Überfüllung kaum geschlossen werden. „Die Busse halten an manchen Stationen gar nicht mehr, weil sie schon so voll sind“, bestätigte eine Zuhörerin. Und Rainer Harnoß von den Freien Wählern erinnerte daran, dass seine Fraktion sich für eine Busanbindung an die S-Bahn nach Erdmannhausen stark gemacht hat. Doch VVS und Kreishaus lehnen dies aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch wegen der schwierigen Verkehrslage ab.

Verschnupft ist man in Höpfigheim zudem darüber, dass kein Nachtbus in den Ort fährt. „Da sind wir die einzige Gemeinde weit und breit“, ärgerte sich Annette Grimm von der SPD, die sich als Stadträtin in die Diskussion einklinkte. Sie fragte sich auch, warum sich die Behörden dagegen streben, die bestehenden Lücken vom Bürgerbus schließen zu lassen. In dem Zusammenhang überbrachte Roland Heck dem Gremium noch eine schlechte Nachricht. Aktuell dürfe der Bürgerbus zumindest samstags in Höpfigheim seine Runden drehen, weil er da nicht in Konkurrenz zu bestehenden Linien trete, sagte er. Doch das werde nicht mehr möglich sein, wenn die elf neuen Fahrtenpaare nach Steinheim dazukommen. „Der Bürgerbus darf keine Lücken füllen“, betonte Heck. Angesichts dieser unbefriedigenden Gesamtlage forderte Grimm, nochmals auf die Verantwortlichen zuzugehen, um eine große, kreative Lösung zu erreichen – und traf damit einen Nerv beim Gremium, das dann auch einen Beschluss mit diesem Tenor fasste.