Hilfe in der Corona-Krise Vergesst die Künstler nicht: Petition eingerichtet

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Musik-Unterricht findet jetzt etwa über Skype statt. Foto: Archiv (fotolia)

Hilfen für Freiberufler und Künstler werden derzeit von einigen Mitmenschen gefordert. Darunter Axel Grau, der eine entsprechende Petition des Heilbronner Kilianskantors Stefan Skobowsky verbreitet wissen möchte.

Marbach - Das Corona-Virus grassiert, und damit gehen zahlreiche Maßnahmen einher, die unmittelbare Auswirkungen nicht nur auf eine Vielzahl betroffener Unternehmen haben, sondern auch auf Kunstschaffende aller Arten. Freiberufliche Sänger, Tänzer, Instrumentalisten, Veranstaltungs- und Bühnentechniker, Fotografen, Filmkünstler, freie Autoren und Journalisten und viele mehr sind plötzlich mit erheblichen finanziellen Einbußen oder gar Totalausfällen konfrontiert. Der Marbacher Axel Grau hat am vorvergangenen Sonntag anlässlich einer Vernissage in der Wendelinskapelle die Besucher auf eine Petition aufmerksam gemacht, die um Hilfe für die Betroffenen wirbt. Denn bei Freiberuflern greifen keinerlei gesetzliche Regelungen bei einem Verdienstausfall. Sie träfen nur zu, wenn die Betroffenen selbst in Quarantäne müssten.

Die Petition fordert deshalb von der Bundes- und den Landesregierungen, sich bei den angedachten Finanzhilfen nicht nur auf Unternehmen zu konzentrieren, sondern die mitunter prekäre Lage von Freiberuflern und Kunstschaffenden zu berücksichtigen. Die Petition, die inzwischen mehr als 274 000 Unterstützende fand, verlangt, dass die zugesagten Finanzhilfen auch auf die oben genannte Personengruppe ausgeweitet werden. Und zwar so unbürokratisch wie möglich.

Doch wie sieht es aktuell aus? Wie gehen betroffene Künstler mit der schwierigen Situation um, die sie in eine vorübergehende Erwerbslosigkeit bringt? Wir haben bei zwei Künstlerinnen nachgefragt, wie sich die momentane Krise auf ihre freiberufliche Ausübung auswirkt.

Uschi Strobel ist Musikerin. Seit vielen Jahren unterrichtet die in Murr lebende Frau Instrumentalschüler: Sie lehrt sie Block- oder Querflöte zu spielen. Derzeit erstreckt sich die Altersgruppe ihrer Schützlinge von vier bis 80 Jahren. Den Kopf in den Sand stecken, weil die von der Regierung verordnete Vermeidung von Sozialkontakten sie gleichzeitig zwingt, auf den persönlichen Unterricht zu verzichten, mag Uschi Strobel trotzdem nicht. „Unmögliche Situationen erfordern kreative Lösungen“, sagt die Musikpädagogin, die ihre Arbeit „so sehr liebt“. Damit ihre Einkünfte nicht komplett wegbrechen und weil sie es für wichtig hält, „dass die Schüler einen gewissen Rhythmus beibehalten“, bietet Strobel seit vergangener Woche den Unterricht auf eine ganz besondere Weise an, nämlich Coronavirus-konform. In ihrem Fall heißt das, sie nutzt die Video-Telefonie. Über Skype oder WhatsApp verbindet sie sich mit den jeweiligen Schülern. „Es ist toll, was alles möglich ist“, schwärmt Strobel, die jetzt zwar auf das instrumentale Zusammenspiel verzichten muss – der zeitversetzten Akustik wegen. „Doch vieles andere ist möglich, und die Schüler bleiben so wenigstens am Ball.“

Für die Älteren sei es zudem wichtig, die Finger für das Spiel geschmeidig zu halten und in Übung zu bleiben. „Und die Schulkinder haben jetzt ohnehin viel Zeit.“ Da bildet der Instrumentalunterricht auch eine feste Größe im Alltag, der ja mit System gestaltet sein will. „Wenn sie alle erst wieder zur Schule gehen und viel Stoff nachholen müssen, bleibt für das Instrument oft wenig Zeit übrig“, schätzt Strobel die Lage ein. Nur die jüngsten ihrer Schüler kann Uschi Strobel mit dieser Methode leider nicht bedienen. Wegen der Übertragungstechnik gleichermaßen wie wegen der nötigen Körperübungen, die begleitet werden müssen.

Sängerin und Gesangspädagogin Sarah Neumann sieht ihre Auftragslage derzeit als großen Scherbenhaufen: „Konzerte und andere Aufträge, alles wurde abgesagt.“ Doch auch die Marbacherin will sich davon nicht in die Knie zwingen lassen. Sie hofft einerseits auf einen Fonds, der ja angedacht sei und den es „hoffentlich geben wird“. Andererseits zeigt auch sie sich offen für Neues: Nicht nur, weil sie sich in der Nachbarschaftshilfe engagiert. Mithilfe von Skype bietet auch sie Gesangsunterricht für die kommende Zeit an, „weil face to face ja untersagt ist“.

Fasziniert ist Neumann von der Tatsache, dass sich das gesellschaftliche Leben derzeit komplett verlangsamt. Die viele Zeit, die den meisten nun geschenkt werde, betrachtet sie – trotz des wirtschaftlichen Desasters – auch als kostbares Geschenk. Und als Möglichkeit, die Weichen neu zu stellen. Sich Gedanken darüber machen, was einem wertvoll erscheint, ist eine davon. Vielleicht, so hofft sie, würden viele Zeitgenossen erkennen, „dass Kunst eben eine Wertigkeit verkörpert, die auch einen monetären Gegenwert haben muss“. Jetzt könne man feststellen, „wie sehr mir etwas fehlt“. Dass momentan das Miteinander auch ohne körperlichen Kontakt so hoch im Kurs stehe, freut die Sängerin, die auch einen Chor leitet, persönlich besonders. „Es ist wundervoll, wenn man miteinander trotzdem in Verbindung steht.“