Hepco in Marbach Der Mops trägt Strass, der Grillmeister Leder-Schürze

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Kevin Wetrab, Carola Meyer und Susanne Sträb (von links) sind die Köpfe von Hepco in Marbach. Foto: avanti

Die Gürtelmanufaktur Hepco in Marbach wurde nach dem Aus vor knapp eineinhalb Jahren neu gegründet und ein stückweit neu erfunden.

In einer 100-jährigen Firmengeschichte kann es viele Höhen und Tiefen geben. Hepco in Marbach hat sie alle durchgemacht. Zuletzt einen herben Rückschlag. Ende 2020 schloss die Gürtelmanufaktur nahe des Bahnhofs seine Türen. Die GmbH wurde liquidiert. Doch nun ist Hepco wieder da – neu aufgestellt und mit vielen neuen Ideen.

Die Pandemie hatte der Firma an der Rielingshäuser Straße das Genick gebrochen. Umsätze waren weggefallen, statt Ledergürteln wurden Masken produziert – ein Fehler, wie sich später herausstellen sollte. Der Gesamtumsatz war durch den Maskenverkauf um fünf Prozent zu hoch, sodass es keine zweite Überbrückungshilfe für Hepco gab.

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Dann also der Ausverkauf. Dabei wurde jedoch klar, dass die Kunden – viele Stammkunden – gar nicht wollen, dass das Unternehmen vom Markt verschwindet. „Es gibt durchaus Verlangen nach unseren Produkten“, sagt Kevin Wetrab, der Sohn von Carola Meyer, die die Firma gemeinsam mit Susanne Sträb leitet.

Das Dreiergespann stemmt den Laden gemeinsam, Kevin Wetrab, der „mit dem Gürtel in der Wiege aufgewachsen ist“, ist neu dabei, die beiden Damen schon seit vielen Jahren. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht, ob und wie es weitergeht“, sagt der junge Mann. Im Oktober 2021 starteten die drei dann den Neuanfang. „Die Maschinen waren halt einfach da“, sagt Susanne Sträb.

Ideen für neue Produkte

Nähmaschinen, Stanzmaschinen und vieles mehr aus früheren Zeiten stehen in den Räumen der Firma, zudem wurde umgebaut. „Unser Vermieter hat uns über die ganze Zeit den Rücken freigehalten“, berichtet Susanne Sträb.

Und dann waren da noch die Ideen für neue Produkte. „Wir haben uns ein bisschen neu erfunden“, sagt Carola Meyer. Zu Gürteln, Taschen und Co. kamen zum Beispiel Leder-Untersetzer, Serviettenringe und – ja – Hundehalsbänder. „Ein Hundehalsband ist letztlich auch nichts anderes als ein kleiner Gürtel“, sagt Kevin Wetrab. Die Nachfrage sei da, „wir können die Kunden-Wünsche umsetzen“.

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Und die Wünsche sind zahlreich. Bislang wurde nicht ein einziges Hunde-Halsband zweimal verkauft. Manch ein Frauchen wünscht sich für sich selbst einen passenden Gürtel zum Halsband für den Vierbeiner. Ein Mops – beziehungsweise sein Herrchen – wollte glitzernden Strass am ledernen Halsband.

Das Leder kommt übrigens von der Schwäbischen Alb und ist pflanzlich gegerbt, die Produktion der Accessoires erfolgt mit Ökostrom. Nachhaltigkeit ist das Zauberwort, auch, was die Haltbarkeit der Produkte angeht. Denn so ein Leder-Teil ist quasi unkaputtbar. Für Susanne Sträb und ihre Mitstreiter ist das aber eigentlich selbstverständlich. „Wir sind Schwaben, wir sind schon immer nachhaltig“, sagt sie lachend. Deshalb wird auch das kleinste Reststück Leder noch verschafft.

Jeder Bauch passt rein

Etwas größere Stücke braucht es für ein weiteres neues Produkt. Eine Grill- beziehungsweise Kochschürze aus Leder. Die Idee kam, weil während Corona ums Grillen ja ein gewisser Hype entstanden ist. Der Style und das Schnittmuster sind wie immer selbst entworfen. Im Falle der Schürze „passt jeder Bauch rein“, so Susanne Sträb. Und damit ist das Trio noch lange nicht am Ende mit seinen Ideen. Zum 100-Jährigen Mitte des Jahres haben sie noch ein paar Ideen auf Lager.