Heldentat in der Marbacher Brandnacht „Es war klar: Es ging um jede Sekunde“

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Fabian Cipriano (links) und Mark Bühler haben beherzt reagiert in der Brand-Nacht. Der SWR hat einen Beitrag über sie gedreht. Foto: Screenshot

Der Marbacher Mark Bühler ist zufällig an dem Haus in der Altstadt vorbeigekommen, auf das kurz zuvor ein Brandanschlag verübt worden war. Er handelte sofort, trat die Tür ein und warnte die Bewohner. „Ich will mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn er nicht eingegriffen hätte“, sagt Feuerwehrkommandant Alexander Schroth.

Er wird bereits „der Held von Marbach“ genannt, sein Handy steht fast nicht mehr still, und das Radio und das Fernsehen sind auch schon auf ihn aufmerksam geworden. Mark Bühler selbst ist das ganze Brimborium, das um seine Person und seine „Helden-Tat“ gemacht wird, fast zu viel. „Ich will mich nicht inszenieren oder im Vordergrund stehen, vielmehr denke ich an die Bewohner, die nun alles verloren haben. Sie sollten im Fokus stehen“, sagt der 29-Jährige. Er weiß aber auch: Ohne ihn selbst könnte es einigen von ihnen jetzt um einiges schlechter gehen. Denn der Marbacher war es, der mit seinem beherzten Eingreifen in der Nacht auf Samstag Schlimmeres verhindert hat beim Brandanschlag auf das Haus in der Altstadt.

Auch Marbachs Feuerwehrkommandant Alexander Schroth bestätigt dies auf Nachfrage. „Mark Bühler kann sich auf die Fahnen schreiben, Schlimmeres vereitelt zu haben. Ich will mir gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn er nicht eingegriffen hätte. Bei so einem Brand können fünf Minuten entscheidend sein, und unter Umständen ist davon auszugehen, dass es anders ausgegangen wäre ohne ihn. Ich weiß nicht, ob wir alle Bewohner dann noch lebend gefunden hätten.“ Prinzipiell sei es immer gut, wenn jemand helfe, aber eben stets unter dem Aspekt des Selbstschutzes. „In diesem Fall ist glücklicherweise alles gut gegangen“, so Schroth, der deshalb auch sagt: „Das war eine ganz selbstlose Tat und er ist zurecht jetzt der Held – Respekt. Er hat sich vorbildlich verhalten und sogar Schaden für sich in Kauf genommen.“ Dass ihm etwas passieren könnte, darüber hat Bühler gar nicht nachgedacht in jener Nacht. Für ihn war sein Handeln „selbstverständlich“.

Zusammen mit sieben Ringer-Kumpels von der SG Weilimdorf hatte er den Abend in seinem Whiskey-Keller – er und seine Familie produzieren in ihrer Brennerei den Schiller-Whiskey – in der Altstadt verbracht. „Die Jungs waren neugierig und es war ein lustiger Abend“, erzählt er. Gegen drei Uhr wollte er die anderen dann zum Bahnhof begleiten. Lachend und singend spazierten sie durch die Altstadt, filmten sich gegenseitig und standen auf einmal vor dem brennenden Gebäude in der Niklastorstraße 11. „Im ersten Moment hat man das gar nicht richtig geschnallt. Es war dunkel und da war viel Rauch. Aber als ich dann verstanden habe, dass das Haus brennt, habe ich gar nicht mehr überlegt, sondern sofort die Tür eingetreten. Im Flur hat man dann aber auch fast nichts gesehen“, erzählt der Wirtschaftsingenieur, der bei Kärcher arbeitet. Was ihn nicht aufhielt. Zusammen mit Kumpel Fabian Cipriano rannte er die Treppe hoch, rief so laut er konnte nach den Bewohnern und hämmerte gegen jede Tür. „Ich wollte alle wecken und ihnen klarmachen, dass sie raus müssen aus dem Haus. Denn es war klar: Das Haus brennt, es ist mitten in der Nacht, die Menschen schlafen und wir müssen sie da rausholen. Es ging um jede Sekunde.“ Sein Einsatz wurde belohnt: Zusammen mit der Feuerwehr konnten am Ende alle Bewohner aus dem Gebäude gebracht werden.

Die Rettungsaktion blieb jedoch nicht ganz ohne Folgen für die zwei. Wegen einer möglichen Rauchgasvergiftung wurden die Ersthelfer erstmal ins Krankenhaus nach Bietigheim gebracht. „Dort wurden unsere Blutwerte und unsere Sauerstoffsättigung gecheckt. Als da dann wieder alles im grünen Bereich war, durften wir wieder gehen“, erzählt der Marbacher. Gegen acht Uhr morgens war das. Bevor die zwei sich abholen ließen, „haben wir uns aber erstmal noch einen Absacker genehmigt nach dieser Nacht“, berichtet Bühler schmunzelnd. So wirklich realisiert, was in den Stunden zuvor passiert ist und in welche Gefahr er sich selbst begeben hatte, hat er da noch nicht. Erst im Nachhinein bei Gesprächen mit der Familie und Verwandten „habe ich verstanden, dass wir da was Gutes getan haben. Und dass es Mega-Glück war, dass wir ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt an dem Haus vorbeigelaufen sind. Also wirklich nur ein paar Minuten nach dem Anschlag. Ein paar Minuten später hätte es zu spät sein können. Man hat ja gesehen, wie schnell sich der Brandherd entwickelt.“

Schnell trudelten dann auch die ersten Reaktionen auf die Tat in der Nacht ein. Bereits im Laufe des Samstags rief das Radio bei Bühler an, inzwischen war auch das SWR Landesfernsehen zu Gast in Marbach und hat einen Beitrag mit ihm und seinem Freund gedreht. Auch eine Einladung zur Live-Sendung kam am Mittwochmittag. Und auch wenn ihm die Aufmerksamkeit total unangenehm ist und er nicht als „Held“ dargestellt werden will, wird er diese wohl annehmen. Denn: „Ich will andere inspirieren, in so einer Situation auch Engagement und Courage zu zeigen und einzugreifen, um Menschen zu helfen.“

Den Beitrag des SWR Fernsehens kann man im Internet anschauen unter https://www.swrfernsehen.de/landesschau-bw/brand-in-marbach-am-neckar-mutiger-lebensretter-100.html

Spenden für Betroffene sind genug - aber eine Wohnung wird noch gesucht

Zahlreiche Bürger  sind dem Aufruf der Stadt Marbach nachgekommen und spendeten Kleidung, Schuhe, Matratzen und andere Gegenstände, um die die Betroffenen gebeten hatten. Bereits am Dienstagvormittag stapelten sich Taschen voller Kleidung, sodass seitens der Stadtverwaltung gegen Nachmittag signalisiert wurde, bitte keine weiteren Spenden mehr zu bringen. Im Glück waren die Betroffenen, die sich die Sachen direkt im Rathaus anschauen und in einem Nebenzimmer sogar anprobieren konnten. Bürgermeister Jan Trost zeigte sich angesichts dieser großen Anteilnahme aus der Bevölkerung gerührt: „Es ist ein gutes Gefühl, in einer Stadt mit einem solchen Zusammenhalt leben  zu dürfen.“ Innerhalb kürzester Zeit seien so alle benötigten Dinge zusammengekommen.

Eine der Bewohnerinnen, die spontan bei ihrem Sohn untergekommen ist, ist noch auf der Suche nach einer kleinen möblierten Wohnung für die Übergangszeit. Ob und wann die alte Wohnung wieder bewohnbar ist, ist noch offen. Glücklicherweise sind jedoch viele Einrichtungsgegenstände vom Feuer verschont geblieben.  Wer über eine freie Einliegerwohnung oder Ähnliches verfügt, kann sich gerne an die Rathauszentrale wenden  unter der Telefonnummer 0 71 44 / 10 20.