Hauptstraßen in Murr Durchgängiges Tempo 30 ist das Ziel

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Die Temporeduzierung in Murr soll die Lebensqualität im Ort steigern. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Die Gemeinde Murr will im Lärmaktionsplan die Hauptstraßen weiter entschleunigen – muss aber ein Gutachten abwarten.

Murr - Bereits vor fünf Jahren drängte die Gemeinde Murr auf ein vollständiges Tempo 30 in den Durchgangsstraßen, doch die damalige Fassung des Lärmaktionsplans gab das nur zum Teil her. Jetzt werden die Karten neu gemischt: Der Aktionsplan muss turnusgemäß aktualisiert werden, wodurch sich eine neue Chance bietet. Der Gemeinderat gab am Dienstag grünes Licht für ein Maßnahmenpaket vor allem auf der Steinheimer Straße, der Hindenburgstraße und der Bietigheimer Straße.

Zufrieden ist man in Murr mit den bereits erreichten Verbesserungen. Der neue Kreisverkehr vor der Bietigheimer Straße wirkte ebenso bremsend wie Tempo 30 an der Hindenburgstraße sowie nachts an der Steinheimer Straße. Zusätzlich lärmmindernd wirkte sich der Austausch des Pflasters beim Bürger- und Rathaus und vor der Hardtlinde aus, berichtet die Verwaltung. „Das Ziel muss aber sein, Tempo 30 zu erreichen“, sagte der Bürgermeister Torsten Bartzsch in der Sitzung.

Wesentlich mehr Verkehr als bei der Analyse 2013 ist im Jahr 2019 nicht durch den Ort geflossen, stellte das Winnender Büro Kurz und Fischer gemeinsam mit der Ludwigsburger Planungsgruppe Kölz fest. Auch der Anteil des Schwerverkehrs sei nahezu unverändert geblieben. Trotzdem empfehlen die Gutachter als kurzfristige Maßnahme Tempo 30 auf der gesamten Strecke von der Steinheimer bis zur Bietigheimer Straße. Knackpunkt könnte sein, ob der Busverkehr im Bottwartal zu stark ausgebremst wird. Das Gutachten von Kurz und Fischer geht von „keinen relevanten Beeinträchtigungen“ aus, zumal Busse durch den Umbau der Bushaltebucht in der Ortsmitte zu einem Buskap Vorrang eingeräumt würden.

Mut machte den Räten Gutrun Bentele, Projektmanagerin bei Kurz und Fischer. „Die Verkehrsbehörden haben jetzt mehr Ermessensspielräume“, sagte sie und führte das Überschreiten der zulässigen Lärmwerte von 65 Dezibel tagsüber und 55 Dezibel nachts als Parameter einer möglichen Gesundheitsgefährdung an. Insbesondere die Gebiete an der Ortsumfahrung bei der Steinheimer Straße litten unter hohen Werten.

Kritisch ist offenbar trotz des neuen Kreisels immer noch der Bereich der Bietigheimer Straße. Der CDU-Rat Gunter Eberhardt sprach sich für eine Fahrbahnverengung aus, wenn Tempo 30 eingeführt werde. „Sonst halten sich die Leute nicht daran.“ Eine solcher Umbau wäre ebenso wie ein Belagwechsel auf Flüsterasphalt teuer und deshalb eher langfristig umsetzbar, also nicht in den nächsten fünf Jahren, hielt Bürgermeister Torsten Bartzsch entgegen. So wie es aussieht, muss sich die Gemeinde zwischen einer Lärmschutzwand oder Tempo 30 an dieser Straße entscheiden. „Wir müssen abwarten, was das Landratsamt dazu sagt“, erklärte Bartzsch, nachdem Uwe Riedel von den Freien Wählern auch daran zweifelte, ob Tempo 30-Schilder allein ausreichten.

Auf Granit biss Said Benali von der SPD mit seinem Vorschlag, die relativ stark belastete Heilbronner Straße mit ins Paket hineinzunehmen. Dort sind laut Gutachten weniger als 8200 Fahrzeuge unterwegs, auch die Lärmwerte seien nicht hoch genug, was die Chancen minimiere, erklärte Gutrun Bentele.

Mehr Aussichten dürften die Optimierung des Kreuzungsbereichs L1125/L1110 sowie der Verlauf der L1100 haben. So schlägt die Gemeinde vor, an der unteren Bergkelterkreuzung die Abbiegespur auf der L1100 aus Richtung Bottwartal in Richtung Marbach zu verlängern.