Handball in Corona-Zeiten An einen Re-Start möchte niemand mehr so recht glauben

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Auch HABO-Trainerin Kornelia Baboi rechnet nicht mehr mit einem Re-Start. Foto: Archiv (avanti)

Die Hoffnung auf eine Fortführung der Handballsaison ist dahin. Es laufen schon die Planungen für die nächste Runde.

Marbach - Während die Amateur-Fußballer noch relativ optimistisch sind, die derzeit unterbrochene Saison zumindest zur Hälfte beenden zu können, damit wenigstens eine Wertung möglich wäre, sieht es bei den Handballern deutlich kritischer aus. Das hat mehrere Gründe: Zum einen sind die Hürden für eine Freigabe bei einer Hallensportart natürlich höher. Zudem sind die Monate November bis Februar, die weggefallen sind, im Handball der Zeitraum, in dem am meisten Betrieb herrscht. Bei den Fußballern wäre ohnehin ein großer Teil dieser Zeit Winterpause gewesen. Vor allem aber sind im Handball viel weniger Spiele bislang absolviert. Die Saison wurde unterbrochen, kaum dass sie begonnen hatte. Maximal drei Partien haben die Mannschaften bestritten, einige sind sogar komplett ohne Einsatz gewesen.

Dazu gehört auch Männer-Landesligist TV Mundelsheim.
Und dessen Trainer Gerrit Irion glaubt auch nicht, dass sich daran noch etwas ändert: „Ich habe da zu Jahresbeginn schon einen Haken dran gemacht. Den Starttermin halte ich für unrealistisch.“ Gemeint ist das vom Handballverband Württemberg (HVW) als angepeilter Re-Starttermin genannte Wochenende 13./14. März. Denn davor müsse noch „eine dreiwöchige Trainings-/Vorbereitungszeit erlaubt sein; das heißt ab dem 22. Februar“, heißt es in einer Stellungnahme des HVW-Vorstands vom 22. Januar. „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das was wird“, so Gerrit Irion, der sich schon mehr mit der nächsten Saison beschäftigt.

So wird Max Schäper, der zu Saisonbeginn aus Westfalen zum TVM gestoßen war, ohne Einsatz für sein Team bleiben: „Er hat sein Praktikum bei Porsche beendet und geht in seine Heimat zurück. Zudem wird Marvin Korpics in Karlsruhe studieren und uns ebenfalls verlassen“, erklärt der TVM-Coach. „Wir haben zwar schon den ein oder anderen möglichen Neuzugang angesprochen, aber da man momentan ja nicht trainieren kann, ist das natürlich schwierig.“ Ob Irion selbst weitermacht, sei noch nicht ganz sicher, „aber es geht in die richtige Richtung“.

Für Kornelia Baboi, seit vergangenem Sommer Trainerin der Landesliga-Frauen der HABO SG,
steht dagegen fest: „Ich mache weiter. Das war ja keine Saison, ich habe gefühlt nichts gemacht.“ Schließlich hat auch ihr Team vor dem Lockdown nur zwei Spiele absolviert. Auch Baboi hat nur noch wenig Hoffnung auf eine Fortsetzung. „Das ist natürlich abhängig von der Regierung. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass wir Mitte Februar wieder in die Hallen dürfen. Und dann müssten wir ja sofort wieder voll loslegen können, also mit voller Mannschaftsstärke und Zweikämpfen“, sagt Baboi und ergänzt: „Außerdem wäre die Frage, ob die Kommunen die Hallen wieder öffnen, selbst wenn der Lockdown gelockert wird. Ich denke, dass selbst der HVW-Vorstand nicht daran glaubt, dass wir diese Saison noch mal spielen.“ Das lässt auch der Schluss der bereits erwähnten Mitteilung vom Januar vermuten: „Mit der neuen Corona-Verordnung bleibt demnach ein theoretisches Zeitfenster für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs von einer Woche (15. bis 22. Februar). Die Wahrscheinlichkeit einer Öffnung der bestehenden Corona-Regeln in diesen fünf Tagen darf (und muss) jeder für sich selbst abschätzen.“ Daher beschäftigt man sich bei der HABO parallel auch schon mit den Planungen für die nächste Saison. „Spruchreif ist aber noch nichts, das wird wohl noch bis etwa Mitte März dauern“, erklärt Kornelia Baboi.

In einer ähnlichen Situation wie Baboi ist Krunoslav Jelinic, Trainer der Landesliga-Männer der HABO SG.
Auch er hat die Mannschaft erst im vergangenen Sommer übernommen. Und auch er wird nächste Saison weitermachen. Denn mit einer Wiederaufnahme der aktuellen Runde rechnet auch er nicht mehr. „Ich sehe das auch als ehemaliger Spieler: Selbst wenn wir Ende Februar wieder trainieren könnten, wären zwei bis drei Wochen Vorbereitung zu wenig, das wäre zu riskant. Da würde ich meine Spieler nicht gerne aufs Feld schicken. So sehr wir uns alle wünschen, wieder zu spielen. Ich denke, dass es sinnvoller wäre, zu einem späteren Zeitpunkt noch mal eine Art Freundschaftsturnier zu spielen – und dann nächste Saison die Runde von vorne zu beginnen.“ Personell will dieHABO in der Spielzeit 2021/22 vorrangig mit den bisherigen Kräften agieren. „Zunächst sprechen wir mit unseren Spielern. Dann schauen wir, ob wir Bedarf haben, uns irgendwo zu verstärken. Wobei es schwierig ist, mit Spielern von außerhalb zu sprechen. Die wollen ja auch die Atmosphäre in der Mannschaft kennenlernen. Und das geht derzeit eben nicht.“

Als wahrer Prophet in Sachen Corona-Zwangspause hat sich möglicherweise Michael Stettner erwiesen. Der Trainer der Drittliga-Frauen der SG Schozach-Bottwartal
hatte im Oktober kurz vor dem – später abgesagten – zweiten Saisonspiel seiner Mannschaft mitgeteilt, dass er nächste Saison nicht mehr an Bord sein werde. „Ich wollte es den Spielerinnen persönlich sagen. Und wer weiß, ob wir dazu noch viele Möglichkeiten haben“, erklärte er damals – und wird wohl Recht behalten. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Saison nochmal gespielt wird‍. E️s spricht alles dagegen. Meiner Meinung nach wäre ein Abbruch ohne Wertung das einzig Sinnvolle. Ich denke, nach der nächsten Corona-Runde der Ministerpräsidenten hat sich die Saison erledigt – aber warten wir mal ab.“

Stettners Nachfolger Hans Christensen hatte die SG ja schon vor ein paar Wochen verkündet. „Aus dem bisherigen Kader haben die Torhüterinnen Jana Brausch und Rena Keller sowie Hannah Hönig, Sina Klenk, Theresa Müller, Svenja Mann, Trixi Hanak und Maureen Merkel zugesagt“, umschreibt Ressortleiter Michael Gramsch den Stand der Planungen für die nächste Spielzeit. Nicht mehr spielen werden demnach Freya Stonawsky, die ja nur für diese eine Saison aushelfen wollte, Denise Geier, die aufgrund ihrer Verletzungshistorie wohl die Schuhe an den Nagel hängen wird, sowie Cinja Wehe, die ebenfalls kürzertreten will. Dafür steht bereits ein Neuzugang fest: die 25-jährige Natascha Weber. „Natascha spielte in Regensburg und Ketsch und wird Hannah Hönig auf Linksaußen unterstützen. Wir sind überzeugt davon, dass wir hier ein gutes Duo haben“, so Michael Gramsch.

Er sieht die Lage hinsichtlich der aktuellen Saison ähnlich wie sein noch aktueller Trainer: „Die Saison sollte abgebrochen und im Juli mit Stand Juli 2020 neu gestartet werden. Das würde den Vereinen auch größere Chancen geben zu überleben. Auch wenn aktuell teilweise auf Gehälter und Aufwandsentschädigungen verzichtet wird, so tragen die Vereine nach wie vor Kosten, die man bei Abbruch einfach sparen könnte. Ich befürchte, kein Verein kann sagen, dass er für die Saison 21/22 nicht irgendwo Einbußen zu verkraften hat. Stand heute werden auch wir unseren Etat deutlich verringern müssen wir gehen wir von zehn bis 15 Prozent aus.“ Das sei eine anspruchsvolle Aufgabe. Man sehe dies aber gleichzeitig als Chance, neue Wege einzuschlagen sowie kreative Lösungen für die Zukunft zu finden. „Wir versuchen einfach das Beste aus dieser schwierigen Situation zu machen.“

Auch Uwe Salvo, Sportlicher Leiter beim Männer-Württembergligisten SKV Oberstenfeld,
und Henning Fröschle, Trainer von Ligakonkurrent SG Schozach-Bottwartal,
haben die unterbrochene Saison mehr oder weniger abgehakt und blicken über den Sommer hinaus. „Sobald wir wieder in die Halle dürfen, werden wir auch trainieren. Aber ich glaube nicht, dass das so schnell sein wird. Eher wird wegen der Mutationen des Virus der Lockdown noch verlängert“, glaubt Uwe Salvo. Und Fröschle weiß zwar, dass „die Jungs fleißig sind. Aber wenn die das erste mal wieder einen Ball in die Hand nehmen, dann haben sie anschließend garantiert Muskelkater. Die Belastung ist einfach eine ganz andere. Daher denke ich auch, dass man mindestens vier Wochen Vorbereitung brauchen würde. Unter diesem Aspekt muss man wohl klar sagen: Die Runde ist nicht mehr spielbar.“

SKV-Trainer Thomas Pflugfelder, der ja, ebenso wie Fröschle bei der SG, erst im Sommer 2020 das Ruder übernommen hatte, werde die Mannschaft weiter betreuen, der Kader für die nächste Saison bleibe weitgehend zusammen, so Salvo. „Lediglich Torhüter Yannick Zieker wird aus beruflichen Gründen zurHABO SG II zurückkehren. Ansonsten sind wir noch auf der Suche nach einem Rückraumspieler und einem Kreisläufer. Wir führen da ständig Gespräche. Aber das gestaltet sich derzeit natürlich schwierig“, weiß Salvo von ähnlichen Problemen zu berichten wie Gerrit Irion. Zieker wird dann wohl mit seinem ältesten Bruder Daniel zusammen spielen. Denn der Kreisläufer der SG Schozach-Bottwartal will kürzertreten und schließt sich der HABO-Zweiten und damit seinem Heimatverein GSV Kleinbottwar an. Außerdem wird Tobias Lessig der SG aus beruflichen und familiären Gründen nicht mehr zur Verfügung stehen. „Ansonsten hat ein großer Teil des aktuellen Kaders wieder zugesagt“, freut sich Henning Fröschle.