Großeinkauf für den Valentinstag Die Fachfrau erkennt die Qualität am Stiel

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Am Ende des eineinhalbstündigen Einkaufs auf dem Blumen-Großmarkt ist der Transporter randvoll mit Pflanzen und Dekomaterialien. Foto: /Karsten Schmalz

Am Valentinstag setzt der Blumenladen Müller dreimal so viel um wie an einem normalen Tag. Auf diese Nachfrage muss man aber vorbereitet sein.

Erdmannhausen - Anders als häufig vermutet ist der Valentinstag keine Erfindung der Blumenindustrie, sondern hat seine Wurzeln in der römisch-katholischen Kirche. Namenspatron soll der Legende nach der Bischof Valentinus von Terni sein. Dennoch ist der Valentinstag für Blumenläden ein einträgliches Geschäft. „Nach dem Muttertag ist der Valentinstag der Tag, an dem wir am meisten verkaufen. Es ist ungefähr dreimal so viel wie an einem normalen Tag“, erklärt Katja Fodor, die im vergangenen Jahr den Blumenladen Müller in Erdmannhausen von ihrer Mutter Christa Müller übernommen hat.

Um für die erhöhte Nachfrage gerüstet zu sein und den Kunden ein buntes Potpourri an Sträußen und Accessoires anbieten zu können, fahren Katja Fodor und Christa Müller drei Tage vorher auf den Blumen-Großmarkt nach Münchingen. „Früher waren wir auf dem Großmarkt in Stuttgart. Aber der ist nur noch von 5 bis 8 Uhr morgens geöffnet, und es gibt dort beispielsweise keine Bänder für Trauerkränze“, erklärt Christa Müller.

Die Fahrt über die Autobahn geht flott und dauert nicht viel länger als 20 Minuten. Auf dem Parkplatz des Blumen-Großmarkts, der aus mehreren Hallen verschiedener Firmen besteht, stehen Kleintransporter aus ganz Baden-Württemberg, sie kommen zum Teil aus Crailsheim, Sigmaringen oder Schwäbisch Hall. „Kein Verkauf an privat“ steht auf mehreren Schildern vor Geschäften.

Erste Station für die beiden Floristinnen aus Erdmannhausen ist ein Laden mit Fokus auf Tannengrün. Dort holen die beiden Bänder für Trauerkränze ab, die sie bestellt haben. „Für immer in lieber Erinnerung“ steht auf einem, „Wir werden dich nie vergessen“ auf einem anderen. Und es ist auch ein Kranzband dabei, auf dem nur ein Name und ein Datum steht. „Es ist ein so genanntes Sternenkind, das nur wenige Tage alt geworden ist“, sagt Katja Fodor. Auch solche traurigen Geschichten gehören zum Geschäft von Floristinnen.

Als nächstes geht es in die Halle eines Blumenhändlers. Katja Fodor greift zu eher unscheinbaren Gewächsen wie Spinoza, Johanniskraut und Thymian. „Das kann man alles gut in Sträuße mit einbinden“, erklärt sie. Die roten Rosen läßt sie nach einem Blick auf die Preisschilder stehen: „Rote Schnittblumen werden kurz vor dem Valentinstag immer teurer“, weiß sie aus langjähriger Erfahrung. Christa Müller erkennt auch die mindere Qualität der Rosen: „Die Blüten haben Knicke und die Ränder sind schon leicht braun“, lautet das Urteil der Fachfrau. Ein paar gelbe Rosen finden dennoch den Weg in den Einkaufswagen: „Einen Strauß kann man damit nicht binden, aber für ein Blumenkörbchen reicht es“, meint Katja Fodor.

Extrem frisch ist es in der Halle eines holländischen Anbieters – wenn auch in anderer Hinsicht: Die Klimaanlage kühlt den Raum auf circa acht Grad herunter. Christa Müller nimmt ein paar Gerbera in die Hand. Ihr prüfender Blick gilt nicht den Blüten, sondern den Stielen. „Die sind schon relativ weich, die Blumen verwelken bald“, erläutert sie.

In großem Stil schlagen die beiden Erdmannhäuserinnen dann in den Hallen eines weiteren Blumenlieferanten zu: Ein mehrstöckiger Rollwagen füllt sich nach und nach mit Paletten voller Orchideen, Schneeglöckchen, Traubenhyazinthen, Tulpen und Narzissen. Auffällig ist, dass auf den Etiketten vieler Pflanzen keine deutschen Bezeichnungen stehen. Doch Floristinnen wissen, was sich hinter Leucojum vernum, Galanthus nivalis und Viola cornuta verbirgt. Die einzelnen Räume der Firma sind unterschiedlich temperiert, ein Mitarbeiter ist ständig mit einem Schlauch unterwegs, um zu gießen.

Die letzte Station ist dann ein Laden für Zubehör: Hier kaufen Müller und Fodor Frischblumensteckmasse, mehrere Rollen grünen Steckdrahts, Blumenkörbchen und Filz zum Gestalten der Sträuße. Nach rund eineinhalb Stunden ist der rote Transporter randvoll. Der Rückfahrt folgt eine kurze Kaffeepause. Dann wird der Transporter entladen, und die Mitarbeiter des Blumenladens basteln aus den Materialien Blumengeschenke als Zeichen der Liebe am Valentinstag.