Großbottwar „Zarentocher“ mit einer Schwäche für ausgefallene Kuchen

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Die zehnjährige Annalena. Foto: Petra Neset-Ruppert

Großbottwar - Sie spielt gerne Lego mit ihrem Bruder und ihrem Vater, backt mit der besten Freundin ausgefallene Kuchen und bei gutem Wetter ist sie mit ihren Inlineskates unterwegs. Auf den ersten Blick ist die zehnjährige Annalena aus Großbottwar ein ganz normales Mädchen, doch regelmäßig wird aus ihr die Zarentocher Anastasia. Sie ist Teil des Musical-Ensembles im Stuttgarter SI-Zentrum. Im Januar stand sie zum ersten Mal auf der Bühne.

„Angefangen hat das alles mit einem Zeitungsartikel, den mir meine Mama gezeigt hat“, erinnert sich Annalena. Im März vergangenen Jahres hatte Stage Entertainment einen Castingaufruf veröffentlicht. Sie bat ihre Mutter, mitmachen zu dürfen. „Wir sind die Bewerbung sehr relaxt angegangen. Alle in der Familie sind musikalisch und wir wussten, dass sie das kann. Bei den vielen Mitbewerberinnen hatten wir allerdings nicht damit gerechnet, dass sie weiterkommt“, erzählt Mutter Sandra Wien. Gegen 200 Mitbewerberinnen musste sich die junge Großbottwarerin durchsetzen. Zum Casting im April vergangenen Jahres musste sie das Lied „Alle Vögel sind schon da“ und einige Textzeilen vortragen. Danach landeten 34 Mädchen in der „Anastasia School“. „Da haben wir gesungen, getanzt und geschauspielert“, sagt Annalena. Als sie dann als Kinderdarstellerin feststand, war sie „ganz baff“.

Musicals sind für die Zehnjährige seit der Hochzeit ihrer Tante spannend. „Wir haben ein Ratespiel für meine Schwester zur Hochzeit gemacht und die Kinder haben Ausschnitte aus verschiedenen Musicals pantomimisch dargestellt. Damals hat sich Annalena ganz viele Musicals angeschaut“, erinnert sich Mutter Sandra.

Von November an wurden zwölf Mädchen auf die Rolle der jungen Anastasia vorbereitet. Für Annalena ist singen, tanzen und schauspielern gleichermaßen spannend. „Ich mache alles gerne. Aber die Lieder der erwachsenen Darsteller gefallen mir besser. Die Kinderlieder sind eher traurig“, verrät die junge Musicaldarstellerin. Den ersten Auftritt hat sie sehr genossen: „Ich war froh, dass ich es geschafft habe, aber auch traurig, dass es so schnell vorbei war, aber der Applaus am Schluss war toll. Man hat richtig gemerkt, dass die Zuschauer sich auch sehr über die Kinderdarsteller gefreut haben“, so die Zehnjährige. Für ihre Mutter war der erste Auftritt ebenfalls etwas ganz Besonderes: „Ich saß im Publikum und es war kurz komisch. Erst gibt man das Kind hinter der Bühne ab und dann steht sie da in ihrem Kostüm auf der Bühne und sieht so anders aus. Aber den Klang ihrer Stimme erkennt man sofort. Sie hat das richtig klasse gemacht.“

Auch die Kostüme der erwachsenen Anastasia findet Annalena sehr schön. „Wir haben ein Kleid und eine Perücke auf. Geschminkt werden wir nicht. Allerdings dauert das mit der Perücke ein bisschen, da die eigenen Haare erst unter ein Netz gesteckt werden müssen. Die Perücke wird auch jedes Mal gemacht, damit die Locken richtig sitzen“, erklärt Annalena.

Aber nicht nur als Zarentochter kann der aufmerksame Zuschauer Annalena auf der Bühne entdecken. „Wir Kinderdarsteller sind oft im Hintergrund zu sehen. Ich spiele auch den kleinen Bruder von Anastasia“, erzählt sie. Ob Musicaldarsteller ein Beruf für die erwachsene Annalena wäre? „Ja, warum nicht. Es macht mir nichts aus, abends und am Wochenende zu arbeiten und ich stehe gerne auf der Bühne“, so die Zehnjährige. „Mal schauen, ob das später auch noch so ist“, lacht Mutter Sandra. Sie hatte anfangs gar nicht gewusst, wie streng die Auftritte von Kinderdarstellern reguliert sind: „Die Kinder dürfen maximal 30 Mal pro Jahr auftreten, müssen einmal pro Jahr sechs Wochen am Stück Urlaub haben und dürfen nicht länger als fünf Stunden am Stück im Theater sein.“ Auch Klassenarbeiten der Schüler werden berücksichtigt, sodass die Kinder nicht am Abend vor einer Arbeit auf der Bühne stehen.

Annalena bewegt sich mittlerweile schon sicher durch die Räume hinter der Bühne. Bei den vielen Auf- und Abgängen habe sie noch nie den Überblick verloren und die Lieder sitzen auch perfekt. „Ich war am Anfang ganz baff, was es da für große Teile auf der Drehbühne gibt. Hinter der Bühne ist alles eher klein und eng. Wir haben aber immer einen Begleiter dabei, der uns betreut“, erklärt Annalena.

Ihre Freunde finden es klasse, dass sie die Anastasia spielt. Ihre Schulklasse vom Herzog-Christoph-Gymnasium in Beilstein möchte sie bald auch noch auf der Bühne sehen. Ihre Uroma besucht zu diesem Zweck zum ersten Mal in ihrem Leben ein Musical. Am 21. und am 31. März verwandelt sich die Großbottwarerin das nächste Mal in die Zarentocher Anastasia.

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