Großbottwar Wein, Kabarett und Körpereinsatz

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Die blödelnden Nordlichter haben auch das schwäbische Publikum miteinbezogen. Foto: avanti

Großbottwar - Der seit Jahren praktizierten Symbiose von „Wein und Kabarett“ gesellte sich bei den Bottwartaler Winzern am Wochenende ein weiterer Genussfaktor hinzu: die Akrobatik. Denn mit „Tante Luise und Herr Kurt“ entzückte ein Duo das Publikum, das nicht nur eine kesse Lippe riskierte, sondern auch einen gewagten Körpereinsatz. Rüdiger Schmitz schlüpft dabei in die Rolle der alten Dame: mit türkisblauem Kostüm und Hut. Stets mit dem Handtäschchen am Arm, lässt die sich von Ralf Schucht in luftiger Höhe balancieren und zeigt gleichzeitig gewitzte Raffinesse bei ihrer Verbaloffensive. Das Bremer Mundwerk des drahtigen und elastischen Komikers jedenfalls scheint auch dann nicht stillzustehen, wenn er von Schuchts Beinen abenteuerlich jongliert wird. Und auch Herr Kurt steht diesem Talent in nichts nach und parliert amüsant und distanziert „per Sie“ mit seiner schrulligen „Bühnenpartnerin“.

Wie erfrischend die zwei Blödel-Nordlichter bei ihrem witzig-skurrilem Tun sind, scheint sich auch in Schwaben herumgesprochen zu haben: beide Veranstaltungstermine am Freitag und Samstag waren ausverkauft. Daran änderte auch die augenzwinkernde Befürchtung von Albert Schlipf nichts, die er bei der Ankündigung im vollen Saal aussprach: „Was kann aus Brema scho Guats komma?“ Was nämlich kam, waren zwei Bremer Jungs, die mit spitzer Zunge und einer Leidenschaft für die spontane Interaktion mit ihrem Publikum für Kurzweil und einen Lachmarathon der besonderen Art sorgten. Dabei gingen sie nicht unbedingt zimperlich mit ihren Zuschauern um. Manche davon fanden sich urplötzlich auf der Bühne und als Teil eines artistischen Acts wieder, der seinesgleichen sucht. Ob als Quartett, das mit den Körpern ein geflochtenes Quadrat darstellt, oder als solistische Unterstützung: die herausfordernde Bühnenbeteiligung zeigte durchaus Spuren. Unterbrochen wurde die Zwerchfell massierende Show von der in drei Teile gegliederten Weinprobe. Denn eine Weinprobe dürfe nie länger dauern als zwei Stunden, ließ sich der Weinexperte Schlipf mit einem Witz vernehmen und setzte zur Pointe an: „Weil nach jeder Stunde sind andere Leute da.“

Die angebotenen edlen Tropfen wurden von den Gästen ebenso goutiert wie das bewegungsreiche und wortwitzige Bühnenprogramm. Zur Verkostung standen in diesem Jahr Weine, die jeweils repräsentativ für eine Serie standen. Lediglich ein Vertreter der Platinum-Premium-Serie fehlte. „Dafür bin ich viel zu sehr Schwabe, um die auszuschenken“, frotzelte der Weinproben-Sprecher und erging sich fortan in der blumigen Sprache der Weinkenner, um die charakteristischen Eigenschaften der vorgestellten Weine, darunter Trollinger und Lemberger, zwei Rosé sowie Rivaner (bekannt als Müller-Thurgau) und Riesling hervorzuheben.

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