Großbottwar „Perfektion ist der Killer von allem“

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Die Holzpellets setzen beim Verbrennen deutlich weniger CO2 frei als Öl oder Gas Foto:  

Die Familie Maier zeigt, wie sie die Herausforderungen der Nachhaltigkeit im Alltag umsetzt.

Großbottwar - Eine Feststellung ist für Karin Maier besonders wichtig, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht: „Ich bin da nicht perfekt und werfe auch an einem schlechten Tag mal Plastik in die falsche Mülltonne.“ Doch wo es geht, da versuchen ihr Mann Peter und sie schon, im Alltag einen Unterschied zu machen. Und das schon seit einer ganzen Weile: „Das Haus, in dem wir leben, wurde 1978 erbaut. Wir haben entschieden, dieses für die Nachwelt erhalten zu wollen.“ Und das heißt eben auch: Ökologisch sinnvoll. Dach, Wände und Fenster wurden isoliert und – an die 300 000 Euro flossen in das Haus. Auch in das Herzstück, einem großen Wintergarten.

Letzterer hilft heute dabei, Heizkosten einzusparen. „Wenn Sonne auf die Fenster fällt, öffnen wir die Türen zur Wohnung und heizen so mit“, erklärt Karin Maier. Doch auch wenn die Heizung angeschmissen wird, geschieht das nachhaltig. Als die Subventionierung für die ursprüngliche Stromheizung nicht verlängert wurde, rüstete das Ehepaar auf eine Pelletheizung um. „Das war für uns eine saubere Sache.“ Auch die Investition habe sich nach kurzer Zeit bereits durch die geringen Kosten amortisiert. Nur ab und zu muss die Asche entfernt werden. Das Wasser im Haus wird ebenfalls durch Holzpellets aufgewärmt – zumindest, wenn Wolken den Himmel verdecken. Denn sobald die Sonne scheint, „sorgen die Solarpaneele auf dem Dach für Warmwasser“, führt Maier weiter aus.

Natürlich, der Umbau des Hauses war ein großer Posten in Sachen Umwelt. Doch auch kleine Veränderungen können im Alltag schon einiges bewirken. Schon wer sich dem Haus nähert bemerkt, dass im Garten irgendetwas anders ist . . . „Es hat sich eh immer Unkraut ausgebreitet, also haben wir den Zierrasen aufgegeben“, erklärt Karin Maier. Löwenzahn und Co. dürfen hier jetzt also auch mal wachsen. Die Blumentöpfe auf der Mauer wurden mit einer Bienenmischung bepflanzt. Und ein wilder Lavendel der Wurzeln geschlagen hat, wird von der Familie nun gehegt und gepflegt: „Er lockt so viele Bienen an.“

Wenn die Blüten verwelkt sind, finden diese ein neues Leben als Duftkissen. „Das ist ein tolles natürliches Mittel gegen Motten“, weiß Maier. Wenn es um Nachhaltigkeit und das Vermeiden von Müll geht, sei oftmals Kreativität gefragt, „oder ich schaue einfach mal ins Internet“. Sie sei tatsächlich sogar im Freundeskreis schon etwas verschrien, „dass ich nichts wegwerfe“, erzählt Karin Maier mit einem Schmunzeln und zeigt einige Beispiele im Haus. In einer Schublade lagern Tüten für die Einkäufe, Kartons werden kurzerhand zum Spielhaus für den Enkel und alte Kleidungsstücke werden zu Wischlappen weiterverarbeitet. Generell habe sie heute ein anderes Bewusstsein für Kleidung als früher, erzählt Maier: „Ich brauche jetzt keine 20 Pullover im Schrank mehr.“ Stattdessen achte sie eher auf Naturfasern und nähe auch mal kleinere Makel.

Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit, das sei zusammen mit einer Fortbildung im Bereich Yogasolan gekommen. Dabei handelt es sich um eine Lehre, bei der das fernöstliche Wissens des Yoga auf das Wissen der Naturwissenschaften trifft, um eine ganzheitliche Lebensgestaltung zu entwickeln. „Ich ernähre mich seitdem auch vegetarisch“, erzählt Karin Maier. Das sei jetzt etwa 14 Jahre her. Generell spiele die Ernährung für sie eine wichtige Rolle, „auch für die Psyche“. Dabei lege sie Wert auf regionale Lebensmittel und gehe gerne auf den Bauermarkt. „Aber auch die Supermärkte haben sich sehr gemausert.“ Gekocht wird dann stets frisch. „Das muss auch nicht lange dauern.“ Vieles lasse sich vorbereiten, wie etwa Soßen. Karin Maier setzt dabei auf Vorratshaltung und kocht Obst, Gemüse und Co. ein.

Wer der Großbottwarerin dann beim Kochen zusieht merkt, dass es die Summe vieler Kleinigkeit ist, die schließlich mehr Nachhaltigkeit fördern. Der Salat lagert im Zeitungspapier, das danach gleichzeitig als Tüte für den Biomüll dient. Im Ofen wartet wiederverwendbares Backpapier auf seinen Einsatz. Reis und Nudeln sind in Dosen verstaut. Doch dann zieht Karin Maier eine Tüte Reibekäse aus dem Kühlschrank und schmunzelt: „Naja, jetzt bin ich eben auch mal inkonsequent.“ Aber das ist für die Beraterin in Ordnung, denn Perfektion strebe sie gar nicht an: „Perfektion ist der Killer von allem!“ Und Nachhaltigkeit, das würde sie persönlich auch immer mit „Leben“ gleichsetzen. Und da dürfe jeder seinen Weg finden: „Ich kann aber nur empfehlen, einfach mutig zu sein und auszuprobieren.“