Großbottwar/Leichtathletik Die Faszination Laufsport zieht in den Bann

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Moderator Daniel Räuchle (links) hat Jens Mergenthaler (Mitte) und Jürgen Scholz auf den Zahn gefühlt. Foto: Werner Kuhnle

Großbottwar - Es ist ein etwas anderer Sponsorenabend des Bottwartal-Marathons gewesen, der am Dienstagabend in den Räumlichkeiten der Bottwartaler Winzer über die Bühne gegangen ist und den Startschuss für die 16. Auflage der Laufveranstaltung gegeben hat. Denn anders als sonst, wurde diesmal nicht von Marathon-Organisationschef Gerhard Petermann durch den Abend geführt, sondern von Daniel Räuchle. Aus einem einfachen Grund. Anstatt einen Redner für den Sponsorenabend zu engagieren, gastierte diesmal der Sport Talk der Sportregion Stuttgart in Großbottwar – und Gerhard Petermann war nur einer von fünf Gästen, die auf dem Podium Platz nehmen durften und mit Räuchle plauschten. Dementsprechend munter, abwechslungsreich und unterhaltsam ging es dann auch zu.

Das Motto des Abends lautete „Faszination Laufsport“ oder auch „Warum Joggen glücklich macht“. Eine Meinung dazu hatten alle – wenn auch zum Teil ganz unterschiedliche. Während für Petermann das Laufen ein „Ausgleich zum Alltag ist“ und süchtig machen kann, war es für Jürgen Scholz, den Präsidenten des württembergischen Leichtathletik-Verbands „schwer, aufgrund meiner körperlichen Statur, ein Plädoyer fürs Laufen zu halten“. Mit dieser Aussage hatte er die Lacher sofort auf seiner Seite. Danach stellte der ehemalige Sprinter aber klar: „Laufen befreit. In der Situation, in der wir heute leben, ist das Gold wert.“ Für Läufer Jens Mergenthaler, mehrfacher Deutscher Meister im Nachwuchsbereich, ist die Sache ganz eindeutig: „Der Mensch ist zum Laufen gemacht“, meinte er.

Der Nachwuchsathlet, der sich die Teilnahme der Europameisterschaft der Männer im kommenden Jahr als Ziel gesetzt hat, trainiert neun bis zehnmal in der Woche und absolviert dabei im Schnitt 110 bis 120 Laufkilometer, verriet er im weiteren Gespräch. In diesem ging es – in der Runde mit Gerhard Petermann und Ulrich Henssler, dem Geschäftsführer der Firma Zinq, die seit vielen Jahren Partner der Laufveranstaltung ist – natürlich viel um den Bottwartal-Marathon. Kein Wunder, ist Henssler doch stets nur einmal im Jahr bei einem Halbmarathon am Start – und zwar im Bottwartal. Seit 15 Jahren wohlgemerkt. Warum? „Die Stimmung in den Gemeinden trägt einen einfach mit. Es ist einmalig, wie die ganze Region mitgeht.“

In Gesprächsrunde zwei gab Überraschungsgast Sarah Zimmermann, die über das Projekt „Laufzeit“ zum Ausdauersport gekommen ist, Einblicke in die Zeit von der Couch ab auf die Strecke. „Ich bin jetzt in der komfortablen Situation, dass ich immer 21 Kilometer laufen kann. Und das habe ich in drei Jahren erreicht. Es ist unglaublich, was man in so einer kurzen Zeit alles schaffen kann“, sagte sie.

Erreichen wollen auch Jens Mergenthaler und Jürgen Scholz noch einiges, wie in Runde drei klar wurde. Mergenthaler als Athlet, Scholz als Funktionär. „Wir versuchen, die Leichtathletik raus aus den Stadien in die Städte zu holen“, sagte er. Doch ein ideales Format, um die Leichtathletik für die große Masse attraktiver zu machen, habe man noch nicht gefunden. Klar sei nur: „Die Leute wollen nicht vier oder fünf Stunden im Stadion sitzen und zuschauen. Das Ganze muss mehr Eventcharakter haben und vielleicht auf 90 Minuten gerafft werden. Dafür versuchen wir eine Lösung zu finden.“ Nach rund 90 Minuten war zumindest am Dienstagabend der Talk zu Ende – was folgte war ein ebenso munterer Plausch wie zuvor.