Großbottwar/Handball Handball-Ausnahmetalent startet durch

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Mit 1,93 Meter und 97 Kilogramm ist der 15-jährige Fynn Nicolaus ein echtes Kraftpaket. „Emotional und aufregend“: Der erste Auftritt im Nationalteam inklusive Hymne. Foto: privat

Großbottwar - Ja, 2018 war ein gutes Jahr. Irgendwie ging da alles so richtig los“, erzählt Fynn Nicolaus kurz nach dem Jahreswechsel. Er ist eher ein zurückhaltender Typ, dem es fast unangenehm ist, im Mittelpunkt zu stehen. Das merkt man schnell, wenn man sich mit dem sympathischen15-Jährigen unterhält. Der Großbottwarer wählt seine Worte mit Bedacht und berichtet äußerst bescheiden, wie das vergangene Jahr für ihn lief. Und wenn man ihm dabei so zuhört, wird mindestens genauso schnell klar, dass er sich an das Im-Mittelpunkt-Stehen möglichst schnell gewöhnen sollte. Denn: Fynn Nicolaus ist ein Handball-Ausnahmetalent, dem eine vielversprechende Zukunft bevorsteht.

Im vergangenen Jahr erlebte der Schüler ein sportliches Highlight nach dem anderen: Zuerst schaffte er noch mit derA-Jugend der HABO JSG den Sprung in die Jugend-Bundesliga, wechselte dann aber direkt zum TV Bittenfeld, wo er als „Young Boy“ – wohlgemerkt auch nicht für die U17, sondern die U19 – in der Jugend-Bundesliga nun gegen seine ehemaligen Teamkollegen spielt. „Ich bin in Bittenfeld absolut angekommen und fühle mich dort total wohl“, meint 15-Jährige, der als Allrounder, der beim TVB sowohl am Kreis als auch im Rückraum spielt.

Im Frühjahr wurde er dann erstmals ins U17-Nationalteam des Deutschen Handballbunds (DHB) beordert und durfte in Frankreich im Nationaltrikot auflaufen. „Das war mit Nationalhymne und dem ganzen Drumherum schon sehr emotional und aufregend“, erklärt er und fügt an: „Zumal ich davor erst einen Lehrgang mit der Mannschaft in dieser Konstellation absolviert hatte. Im ersten Länderspiel hat man das schon noch gemerkt, hinten raus lief es dann aber doch ganz gut.“ Insgesamt spielte das DHB-Team dort dreimal gegen Frankreich und Fynn mischte als Kreisläufer direkt ordentlich mit.

Dass er im DHB-Team, das sich überwiegend aus Spielern des Jahrgangs 2002 zusammensetzt, als 2003-Jahrgang der jüngste Spieler ist, stört ihn überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil, die Situation das Nesthäkchen auf dem Feld zu sein, ist ihm bestens bekannt: „Seitdem ich angefangen habe, Handball zu spielen, habe ich eigentlich immer schon bei den Älteren mittrainiert oder -gespielt, weil ich körperlich einfach schon recht weit war. Ich hatte so die Möglichkeit, mich mit Gleichstarken zu messen und auch an meine Grenzen zu kommen.“ Von dem 15-Jährigen verniedlichend von einem „Nesthäkchen“ zu sprechen, ist in Anbetracht seiner stattlichen Körpergröße von 1,93 Meter und einem Kampfgewicht von 97 Kilogramm also eigentlich nicht ganz passend, denn Fynn ist ein echtes Kraftpaket.

Und ist er unter Gleichaltrigen, wird seine Klasse schnell klar. Ende Juli ging es für Fynn zum „Südcamp“ seines Jahrgangs, bei dem sich traditionell die männlichen und weiblichen Landesverbandsauswahlen aus Baden, Bayern, Sachsen, Südbaden und Württemberg treffen, um sich auf die im Frühjahr 2019 anstehende DHB-Sichtung vorzubereiten. Dort wurde er zum besten Feldspieler des Turniers gekürt. Im November stand Fynn in der Startsieben, als es für die U17 in Berlin gegen Spanien zur Sache ging. Gleich im Dezember folgte der wichtige Deutschlandcup für die Verbandsauswahlen der Bundesländer. „Dort wurde ich ins Allstarteam gewählt“, erzählt der Gymnasiast fast nebenbei, ganz unprätentiös. Dabei ist es ein Wahnsinns-Erfolg aus 16 Mannschaften mit rund 250 Spielern, zu den besten sieben zu gehören – und das weiterhin als einer der Jüngsten.

Eigentlich wäre es für Fynn Nicolaus vom 4. bis zum 11. Januar in Herrsching bei München direkt mit dem nächsten DHB-Lehrgang weitergegangen. Eine kleine Wunde hat ihm nach einer minimalinvasiven OP aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dennoch ist er kaum zu bremsen und hofft, im Jahr 2019 an seine Leistung anknüpfen zu können: „Ich möchte leistungstechnisch schon das Beste herausholen. Es gab zwar schon die eine oder andere Anfrage von anderen Vereinen, aber momentan ist das alles kein Thema. Ich fühle mich in Bittenfeld absolut wohl und denke, dass ich mich dort gut weiterentwickeln kann. Ich möchte einfach von Jahr zu Jahr schauen. Außerdem ist mir auch das Schulische sehr wichtig. Im September beginne ich am Stuttgarter Schickhardt-Gymnasium mit der Kursstufe eins, die ja schon zum Abitur zählt“, erklärt Fynn Nicolaus. Und das alles hört sich nicht nur sehr bescheiden, sondern auch überaus vernünftig an. Die Gefahr, ob des großen sportlichen Erfolgs die Bodenhaftung zu verlieren, scheint nicht gegeben. Eher liegt die Vermutung nahe, dass sich Fynn in Zukunft auf noch mehr Rampenlicht gefasst machen muss.

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