Großbottwar/Fußball Beim VfR Großbottwar endet die Ära des Frauenfußballs

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Die schönen Zeiten sind vorbei: Beim VfR gehen die Lichter im Frauenfußball aus. Foto: Archiv (avanti)

Bittere Abmeldung: Der Verein bekommt keine Frauen-Mannschaft für die kommende Spielzeit zusammen.

Großbottwar - Eine katastrophale Saison liegt hinter den Regionenliga-Fußballerinnen des VfR Großbottwar. Mit gerade einmal zwei Punkten auf dem Konto und einem Torverhältnis von 16:103 wurde das Team von Trainer Benjamin Fix weit abgeschlagen Letzter. Der Abstieg war bereits lange vor Saisonende besiegelt, die Situation nicht immer leicht. Und doch hielt die Mannschaft zusammen. „Wir waren ein gutes Team und haben uns durch scheiß Zeiten geschlagen“, sagt Spielführerin Jessica Glasbrenner. Umso bitterer ist es für sie und einige ihrer Kolleginnen nun, dass es beim VfR erstmal nicht weitergeht mit dem Frauenfußball. Die Mannschaft musste abgemeldet werden Denn: „Uns hätten nächste Runde nur sechs bis acht Spielerinnen zur Verfügung gestanden“, erklärt Vorstand Peter Titze diese bittere Entscheidung. Eine ähnliche musste der SGV Murr bereits in der Saison 2014/2015 treffen. Auch sie zogen ihr Team zurück. Das heißt: Außer den Biegelkickern Erdmannhausen gibt es nun kein anderes Aktiven-Frauenteam mehr im Verbreitungsgebiet.

„Wir haben wirklich alles probiert, um diesen Fall zu umgehen. Aber auch mehrfache Bemühungen, mit Nachbarvereinen wie Auenstein oder Rietenau eine Spielgemeinschaft zu gründen, schlugen fehl“, erzählt Titze und fügt an: „Der Verein bedauert diesen Schritt sehr. Wir wollten den Spielbetrieb erhalten, aber wir können leider keine Spielerinnen schnitzen.“

Zu dem Dilemma ist es gekommen, weil einige Spielerinnen komplett mit dem Fußball aufhören, andere wegen des Jobs kürzer treten müssen und wieder andere wegen ihres Studiums wegziehen oder die Familienplanung im Blick haben, wie der Vorstand erklärt. „Bei allen Spielerinnen, die weiter Fußball spielen wollen, kann ich mit Überzeugung sagen, dass sie beim VfR geblieben wären, wenn es hier eine Option gegeben hätte“, sagt Jessica Glasbrenner. Nun müssen sie wechseln, um weiter dem Ball nachjagen zu können. „Einige werden nach Löchgau, Bissingen und eventuell Rietenau gehen“, weiß die Spielführerin, für die die Entwicklung nicht überraschend kommt. „Dieses Schicksal wird noch mehr Vereine treffen, die keine Mädchen-Jugend haben. Denn ohne die Jugend kann ein Verein nicht überleben“, sagt sie. In Großbottwar bekommt man das nun am eigenen Leib zu spüren – und ist traurig darüber.

„Es tut mir als langjährige VfRlerin sehr weh, dass dies jetzt so ein Ende nimmt. Ich bin aber dankbar für die wundervolle Zeit, die ich mit jeder einzelnen Mitspielerin erleben durfte“, sagt sie. Ob und wann es wieder eine Frauenmannschaft geben wird, steht in den Sternen. Solange haben die Spielerinnen erneut eine Option weniger. Denn nachdem in Murr und nun auch in Großbottwar die Lichter ausgegangen sind, wird die Auswahl an Vereinen immer überschaubarer.