Großbottwar Der Rückblick soll auch in die Zukunft weisen

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Die Teilnehmer der Zeremonie hatten an der alten Bahnstrecke doppelten Grund zum Feiern. Foto: avanti

Großbottwar - Die Eisenbahnbrücke über die Bottwar kann nach ihrer Generalsanierung schon seit ein paar Tagen wieder von Radfahrern und Fußgängern passiert werden. Am Donnerstag wurden der Wiedereinbau und die Restaurierung, die unter Federführung des Schlossermeisters Thomas Stigler in nur zehn Wochen über die Bühne ging, auch offiziell gefeiert. Garniert war die Zeremonie mit einem historischen Schmankerl. Denn bei dieser Gelegenheit wurde eine Infotafel zur Bottwartalbahn enthüllt, die einst an dieser Stelle vorbeidampfte.

Passanten bekommen via Foto nun eine konkrete Vorstellung davon, wie es in den 1960er-Jahren aussah, als hier noch Schienen lagen und der Entenmörder bei Kilometer 8,9 im Tal unterwegs war. Ein Text erläutert zudem, was es mit der Brücke auf sich hat. Die Konstruktion ist eine richtige Rarität, wie Wolfram Berner von der Bürgeraktion Bottwartalbahn hervorhob. Schließlich handele sich um die einzige im Original erhaltene Bottwar-Brücke der Schmalspurstrecke. Der Übergang in Kleinbottwar gleichen Bautyps sei längst ausgetauscht und komplett erneuert worden. Die Brücke in Großbottwar stammt dagegen aus dem Jahr 1893, hat also schon weit mehr als 100 Jahre auf dem Buckel. „Und dem Gemeinderat war es wichtig, sie nicht durch einen Neubau zu ersetzen“, betonte der Bürgermeister Ralf Zimmermann in seiner Ansprache.

Also musste ein Experte ran, der das Bauwerk auf Vordermann bringt. Thomas Stigler bekam den Zuschlag dafür und kümmerte sich im Verbund mit weiteren Fachfirmen um das Projekt. Vom Ergebnis zeigten sich die Besucher der Einweihung angetan. Nicht zuletzt natürlich die Bahnfans, weil der historische Charakter der Konstruktion erhalten bleibt – die zuvor abgesehen vom Belag nie saniert worden war. Gleichwohl sei die Brücke in einem erstaunlich guten Zustand gewesen, lobte Thomas Stigler die alten Baumeister.

Der Schlosser aus der Storchenstadt hat übrigens nicht nur die Brücke herausgeputzt, sondern auch gleich die Informationstafel spendiert. Knapp zehn Hinweisschilder zur Bottwartalbahn befänden sich damit zwischen Marbach und Ilsfeld, sagte Wolfram Berner. Die Tafeln würden entweder wie jetzt in Großbottwar in der Nähe von Originalteilen platziert oder an Reproduktionen entlang der einstigen Trasse. Wobei man mit den Tafeln nicht nur im Sinn hat, an die Geschichte der früheren Schienenverbindung zwischen Marbach und Heilbronn zu erinnern, wie Hans-Joachim Knupfer erklärte. „Die Leute erfahren mehr über die alte Bahn. Das weckt sicherlich auch das Interesse an einer neuen Bahn“, meinte der Mann von der Bürgeraktion Bottwartalbahn.

Zur Wiederbelebung der Trasse läuft derzeit eine Untersuchung, die das Kosten-Nutzen-Verhältnis beleuchten soll. In dem Zusammenhang habe man mit den Planern schon über die Streckenführung, mögliche Alternativen, Engstellen und Steigungen gesprochen, sagte Ralf Zimmermann. All das müsse vom zuständigen Büro aber erst aufgearbeitet werden. „Wir warten auf die Ergebnisse. Dann werden wir sehen, was herauskommt“, meinte er. Ob die Tendenz am Ende eher pro oder gegen Bahn geht, vermag er ebenso wenig zu prognostizieren wie Hans-Joachim Knupfer. „So etwas ist immer offen“, konstatierte Knupfer. Die Tatsache, dass nun im Bottwartal weitere Busse hinzubestellt wurden, zeige aber: „Das Interesse und die Nachfrage nach einer Bahnverbindung wäre ganz fraglos da.“