Großbottwar Bäume bringen Leben

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Den Kinder des Jahrgangs 2018 wurde ein Öhringer Blutstreifling gewidmet. Foto: avanti

Großbottwar - Mit großen Augen schaute die elf Monate alte Hanna vom Arm ihrer Mama Franziska Mugrauer herab um sich. So viele Leute, so viele Kinder! Auch Fiona Madeleine, die kleine Tochter von Andrea Waßmann und Manuel Ross, hatte viel zu entdecken. Was die beiden kleinen Mädchen ebenso wie die anderen Kinder aber wohl erst in ein paar Jahren begreifen werden: Die vielen Leute waren zusammengekommen, um einer wichtigen Aktion beizuwohnen: nämlich der Pflanzung ihres Jahrgangsbaums. Schon zum neunten Mal haben der Obst- und Gartenbauverein (OGV) und die Stadt Großbottwar damit den 82 im vergangenen Jahr geborenen Neubürgern der Storchenstadt einen Baum als Lebensbegleiter an die Seite gegeben. In diesem Jahr war es ein Öhringer Blutstreifling, das ist die Streuobstsorte des Jahres 2019.

„Die Aktion ist beispielhaft und bitter notwendig“, betonte Albert Schlipf, der Vorsitzende des OGV. „Ohne Baum kein Sauerstoff, ohne Sauerstoff kein Leben.“ Noch besser wäre es, wenn man für jedes der Kinder einen Baum pflanzen könnte.

Seit 1960 habe sich die Zahl der Bäume auf Streuobstwiesen halbiert, der CO2-Ausstoß dagegen sei gestiegen. Zudem stellen die baden-württembergischen Streuobstwiesen auch eine in Europa einzigartige Kulturlandschaft dar.

Andreas Strohm, der den verhinderten Bürgermeister Ralf Zimmermann vertrat, freute sich über die Zahl an Besuchern. 106 Erwachsene und 36 Kinder, ohne die im vergangenen Jahr geborenen, hatten sich angemeldet, viel mehr waren dann da. Er wünschte den Eltern, dass sie ihren Kindern bei der Erziehung „Wurzeln“ mitgäben: „Die Dinge, die ihnen Halt im Leben geben, auch wenn es mal stürmt.“

Auch einige schon ältere Kinder waren gekommen, um „ihren“ Jahrgangsbaum wiederzusehen und sich anschließend beim Frühlingsfest des OGV mitten in den Streuobstwiesen eine Wurst oder Kuchen schmecken zu lassen und ein wenig im Freien zu toben. Der neue Jahrgangsbaum, das haben sich die Erwachsenen vorgenommen, soll ebenfalls mit den Kindern immer wieder besucht werden: „Wir haben heute schon einen Fußmarsch hierher gemacht, das wollen wir auch in Zukunft tun“, erklärte Elisabeth Waßmann, die Oma von Fiona Madeleine. Vielleicht setzen sich die Kinder ja dann auch mal für den Erhalt der Streuobstwiesen ein. Willi Knorr vom jedenfalls ist optimistisch: „Wir haben im OGV jedes Jahr 30 bis 40 neue Mitglieder.“