Großbottwar Abbiegespur könnte „Steuergrab“ werden

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Die Einfahrt in die Kleinaspacher Straße aus Richtung A81 ist gesperrt. Dank einer Linksabbiegespur wird sich das ändern. Foto: Werner Kuhnle

Großbottwar - Ein großes Bauvorhaben in Großbottwar wirft seinen Schatten voraus: Neun Monate Bauzeit sind für die 1,2 Millionen Euro teure Erneuerung der maroden Bottwarbrücke in der Bahnhofstraße angesetzt. Die Hauptverkehrsader zwischen Rosenplatz und Kleinaspacher Straße im zentralen Stadtgebiet wird dafür – außer für Fußgänger und Radfahrer – voll gesperrt werden müssen.

Um ein mögliches Verkehrschaos zu minimieren, plant die Stadt, die Kreuzung der Kleinaspacher Straße zum Autobahnzubringer L1115 wieder für alle Richtungen zu öffnen. Bislang ist diese für Autofahrer gesperrt, die aus Richtung Mundelsheim kommen und links nach Großbottwar abbiegen möchten. Um das zu ändern, wird nun auf der L1115 eine Linksabbiegespur errichtet. Sowohl das Regierungspräsidium (RP) als auch der Gemeinderat haben für den Entwurf grünes Licht gegeben.

Der Bau der Abbiegespur sorgte in der Sitzung des Gemeinderats am Mittwochabend aber für Zündstoff. Denn das RP hält sich zurück in der Frage, ob die Spur nach der neunmonatigen Bauzeit weiter bestehen kann. Bürgermeister Ralf Zimmermann bekam vom RP nur die Zusage, dass nach der Baumaßnahme eine Verkehrszählung in der Kleinaspacher Straße vorgenommen und damit die Notwendigkeit der Abbiegespur geprüft werde. „Es kann passieren, dass sie dann auf den Rückbau drängen“, so Zimmermann.

Den Stadträten ist das deutlich zu spät. Denn: Der Bau der Abbiegespur kostet die Stadt 280 000 Euro. Für einen Rückbau müsste sie nach Schätzung von Verbandsbauamtsleiter Jürgen Ruoff noch einmal 100 000 Euro berappen. Viel Geld für eine eventuell nur neunmonatige Nutzung. „Es stört mich gewaltig, dass das RP erst irgendwann entscheiden will. Rund 400 000 Euro für neun Monate – das tut verdammt weh, auch mir als Steuerzahler“, machte Robert Wien (FBWV) deutlich. Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Matthias Wien, sprach von einem „Steuergrab“, falls es zum Rückbau komme. Fällt tatsächlich diese Entscheidung, „soll bitte auch einer vom RP leibhaftig hier in die Sitzung kommen, um das zu verkünden“, regte er an.

Den Fraktionen geht es bei der Dauerhaftigkeit der Abbiegespur nicht nur ums Geld, sondern auch um die langfristige Entlastung der Großbottwarer Durchgangsstraße. „Das bringt uns deutliche Vorteile“, sagte Robert Wien. Auch Thomas Haag (Aktiv) sieht eine Entlastung, die den ganzen Bereich südlich der Bottwar betreffe.

Doris Daniel (SPD) zeigte sich zuversichtlich, dass sich das Öffnen der Kreuzung bewähre. Und Ralf Zimmermann meinte: „Mir würde die Fantasie fehlen, um später zu sagen: ,Ihr müsst das rückbauen.’“ Auch habe die Spur einen entsprechenden Wert, wenn sie richtig frequentiert werde.

Dieser Optimismus war Benjamin Traa von der CDU jedoch nicht sicher genug. Er regte an, in den Beschluss, der Entwurfsplanung der Abbiegespur zuzustimmen, gleich aufzunehmen, dass sich die Stadt für eine dauerhafte Einführung der Spur ausspreche – was einstimmig beschlossen wurde. Zudem bat Traa die Stadtverwaltung darum, nachzuforschen, warum die einst als Unfallschwerpunkt geltende Kreuzung einspurig geschlossen worden sei. „Wenn wir den genauen Grund kennen, können wir so bauen, dass diese Argumentation entkräftet wird“, so Traa.

Was die Chance auf den dauerhaften Bestand der Linksabbiegespur erhöhen dürfte, ist, dass sich die Stadträte für die größere und sichere Variante ausgesprochen haben – und damit gegen die von Verbandsbauamt und Stadtverwaltung vorgeschlagene kleinere Lösung. So wird die Linksabbiegespur insgesamt 90 Meter lang sein. 50 000 Euro günstiger wäre es gewesen, diese nur auf 60 Metern zu bauen. Dann wäre es wegen der nur zehn Meter langen Aufstellfläche aber dazu gekommen, dass das Heck von Sattelzügen noch in die Spur Richtung Backnang hineingeragt hätte. Eine Ampel sei derweil nicht vorgesehen, wie Ralf Zimmermann auf Nachfrage von Doris Daniel erklärte.

„Die kleine Lösung wäre unfallträchtig. Die 50 000 Euro sind uns die größere Lösung wert“, so Thomas Stigler, Fraktionsvorsitzender der FBWV. Die anderen Fraktionen pflichteten ihm bei. „Ich möchte später nicht den Kopf hinhalten müssen, wenn doch etwas passiert“, so Thomas Haag. Auch Andreas Strohm (CDU) meinte, es handele sich um eine wichtige Investition in die Sicherheit – und sei es am Ende nur für neun Monate.

Wann in diesem Jahr gebaut wird, ist noch unklar. Die Brückensanierung erfolgt aber erst, sobald die Abbiegespur besteht. Für deren Errichtung wird die L1115 zeitweise halbseitig gesperrt werden müssen.

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