Großaspach Seitenwechsel

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Das Schuhregal ist gut gefüllt. Foto:  

Großaspach - Die Zuschauer der SG Sonnenhof Großaspach freuen sich bei Heimspielen auf 90 Minuten Spannung, Kampf und Siegeswillen. Auf Stadionrote, Bier und Fangesänge. Doch damit das reibungslos ablaufen kann, sind die Helfer und Verantwortlichen des Vereins im Einsatz. Sie sind die Spielmacher abseits des Rasens, sie sorgen für ein Gefühl, zu Gast bei Freunden zu sein. Ein Blick hinter die Kulissen der SG.

Es ist kurz vor acht Uhr. Noch ist es still im Fautenhau. In sechs Stunden werden 1514 Fußballbegeisterte ihre Mannschaften anfeuern, mit ihrer Elf um drei Punkte in der Dritten Liga fiebern. Kevin Schmidt ist an diesem Samstag, an dem die SG Sonnenhof Großaspach auf die Gäste der Viktoria Köln trifft, der Erste im Stadion. Der Veranstaltungsleiter ist vor, während und nach dem Spiel dafür zuständig, dass die Sicherheit gegeben ist. „Ich achte darauf, dass die Rechte und Pflichten eingehalten werden.“ Als Bereichsleiter Sicherheit und Infrastruktur koordiniert er die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Feuerwehr, DRK, Sicherheitsdienst und den Ordnern. Eine gemeinsame Besprechung zwischen allen Sicherheitsorganen findet bereits ein paar Tage vor dem Spiel statt. Dort wird das Konzept besprochen, das sich je nach Risikopotenzial des Tages richtet. „Handelt es sich um ein Hochrisikospiel, dann fahren wir andere Konzepte was beispielsweise die Anfahrt und das Sicherheitspersonal betrifft“, erklärt Schmidt, der diesen Job seit 2015 macht. „Wir pflegen hier eine Willkommenskultur“, erklärt er. Jeder Verein, jede Mannschaft und deren Fans werden immer freundlich empfangen. „Bei manchen Vereinen spielen wir sogar deren Vereinshymne – das kenne ich so von nirgendwo anders.“ Kurz darauf trifft auch schon Vincenzo Federico ein. Der Einsatzleiter des Sicherheitsdienstes SDS koordiniert heute die Arbeit von etwa 100 Sicherheitsleuten.

8.45 Uhr:
Auch im Stadion-Innenraum tut sich was. Auf den grünen Rasen, der bereits am Vortag gemäht wurde, müssen nun die weißen Linien. Das erledigen bei Heimspielen die liebevoll im Verein genannten „SG-Säulen“. Seit Beginn an dabei, bereits bei den Vorgänger-Vereinen Spvgg Großaspach und dem FC Sonnenhof Kleinaspach engagiert, die am 25. August 1994 zur SG Sonnenhof Großaspach fusionierten. Über die Jahre haben sie das Linienstreuen perfektioniert, jeder Handgriff passt. Eine dieser drei SG-Säulen ist Richard Trefz, zudem auch Schiedsrichterbetreuer des Vereins: „Als Fixpunkte dienen uns die Eckfahnen“, erklärt er das Werk, das die drei Männer zwei Stunden Arbeit kostet. Zuerst entstehen die Außenlinien, dann der Sechzehner, der Fünfer, der Elfmeter-Punkt. Der Mittelkreis wird gezogen wie ein Zirkel: Einer hält in der Mitte fest, der mit dem Markierwagen dreht seine Runde. „Ganz einfach, oder?“, sagt Trefz lächelnd und wickelt eine der Schnüre auf. Zwölf Zentimeter sind die Markierungen an jeder Stelle breit, 40 bis 45 Euro kostet die Portion Farbe, die man für eine Spielfeld-Markierung benötigt.

9.30 Uhr:
„Ich richte alles Geplante schon mal hin“, erklärt Sarah Herrmann lächelnd. Denn sie weiß: Das Ungeplante kommt von ganz allein. Im VIP-Raum schaltet sie die Technik an, auf der Leinwand läuft über den Beamer eine Präsentation mit Bildern. Nach dem Spiel wird dort auch die Pressekonferenz übertragen, im Anschluss dann die Bundesliga. Auf den TV-Bildschirmen an der Wand flimmern Fußballspiele. Herrmann platziert auf den Tischen die Reservierungskarten der Sponsoren, Partner, Familien und anderen VIP-Gästen. Hinzu kommen kleine Aufmerksamkeiten, heute Bonbons. Sie kümmert sich um eine SG-getreue Deko, legt die Stadionhefte aus, verteilt Gewinnspielkarten, sorgt dafür, dass die Zutrittsbändchen am richtigen Ort sind. 90 Minuten vor Spielbeginn ist der VIP-Raum dann geöffnet.

10 Uhr:
In der Kabine sind zwar noch keine Spieler, im Vorraum aber stehen Andreas Jung und Harry Anders. Die beiden sind die Betreuer des Teams und sorgen dafür, dass alles an seinem Platz ist. Wie an diesem Tag noch öfter deutlich wird: Viele der Beteiligten packen hier ehrenamtlich mit an. So auch diese beiden. Sie haben in der Kabine den Überblick: Was liegt wo, was fehlt, was muss neu bestellt werden? Wenn neue Spieler kommen, wenn mal einer eine neue Hose braucht, wissen die Spieler, wohin. „Ich renne nicht gleich, wenn einer schreit“, sagt Jung mit einem Grinsen, „erst wenn er zwei-, dreimal kommt.“ Bei Heimspielen machten sie gar nicht so viel, betonen die beiden immer wieder. Sie legen die Klamotten der Fußballer zusammengefaltet in ein Regal im Vorraum, wo auch die große Waschmaschine und auf dem Tisch Äpfel, Kuchen und Studentenfutter stehen. Harry Anders sorgt währenddessen dafür, dass immer genug Getränke für jeden Spieler bereitstehen. Bei Auswärtsspielen haben sie etwas mehr zu tun. „Früher bist du mit einem Koffer losgefahren, heute reichen sieben Koffer nicht aus“, erzählt Jung. Was da nicht alles zusammenkomme: „Trikots, Bälle, Warmmachkleidung, Regenjacken, und so weiter und so fort.“ Früher? Zu Landesliga-Zeiten 1994, zu Beginn der Spielgemeinschaft. So lange ist Andi Jung schon dabei. Harry Anders schon ein bisschen länger: „Seit ich 16 Jahre alt war.“ Den Spielern tragen sie nichts hinterher, das ist für die beiden klar. Hier wird keiner verhätschelt oder in Watte gepackt. Beeindruckend ist die Sammlung an Schuhen, die sich da an einer Seite aufbäumt. Und wer putzt die alle? Ein Lächeln zieht sich über Jungs Gesicht: „Na jeder selber!“

So langsam kommen auch die Spieler, die es heute nicht in die Aufstellung geschafft haben. Die trainieren zusammen mit Athletiktrainer Axel Mäder: „Wir spielen was, das Spaß macht und Wettkampfcharakter hat“, erklärt er.

10.15 Uhr:
Philipp Mergenthaler, Sebastian Gehring, Lucca Volkmer und Magdalena Mummert treffen sich. Sie sind das Presse- und PR-Team des Dorfklubs. Wer geht heute in der Halbzeit und nach Abpfiff in die Interviews, was wird in welcher Form in den sozialen Netzwerken gepostet, per Newsletter verschickt?

11 Uhr:
Sarah Herrmann und Ute Alisch sortieren die gedruckten Tagestickets in Kisten. Sie statten die Kassen mit Wechselgeld aus und bringen alles an die entsprechenden Tageskassen. Doch dann ist ihre Arbeit längst noch nicht beendet. In der Halbzeit sammeln sie alle Karten, die nicht verkauft wurden, wieder ein und zählen sie. So wird die offizielle Zuschauerzahl ermittelt und bekannt gegeben.

11.45 Uhr:
16 Mann sitzen im Presseraum des Stadions zusammen. Sie alle sind dafür zuständig, dass die Zuschauer an den Bildschirmen zu Hause eine gute Live-Übertragung der kommenden Partie sehen können. Das Team von MagentaSport geht die Planung durch.

12.30 Uhr:
Es ist soweit: Die Stadiontore öffnen sich. Und in Windeseile füllt sich der Vorplatz, wo viele erst einmal eine Stadionrote verspeisen. Freiwillige stehen an den Kassen, verkaufen Karten. Die Jugendspieler betreuen den Dorfklub-Fanshop, die Security prüft jeden einzelnen, der ins Stadion kommt. Kurz darauf treffen die Schiedsrichter ein, dann das Team aus Köln.

12.45 Uhr:
Er ist die Stimme die SG. Derjenige, der mit seinen Ansagen nicht nur Mannschaft, sondern auch Zuschauer anheizt. Tai Volkmer erinnert sich noch gut daran, wie er anfing. Damals noch während der Landesliga in einem kleinen Häuschen am unteren Sportplatz. „Aber das ist ja ewig her“, sagt er. Aber heute wie damals: „Es macht riesigen Spaß.“ Er hat sich im Voraus Notizen gemacht, Infos zusammengeschrieben. Sein Ablauf ist immer der gleiche, im Regieplan festgehalten. Kurz vor Spielbeginn bespricht er sich noch mit einem Ansprechpartner des Gegners. Denn es ist ihm wichtig, die Namen richtig auszusprechen.

Mit Rolf Beerkircher ist er stets in Kontakt. Der Mann in der Stadionregie regelt von dort oben die Musik, macht Durchsagen und steuert die Anzeige. Als die deutsche Frauen-Nationalmannschaft in der WM-Quali gegen die Mannschaft von den Färöer-Inseln 11:0 gewann, war die Spannung groß: „Ich wusste selbst nicht, ob die Anzeige zweistellig anzeigen kann“, sagt Beerkircher lachend.

13 Uhr:
An Tor drei versammelt sich der Fußball-Nachwuchs, die heutigen Einlaufkids und Balljungen. „Vereine können sich bei uns bewerben“, sagt Miguel Ballesteros. Er verteilt Karten an die Kinder und Eltern. Dann geht’s zur Kabine, wo die Kinder ihre Trikots bekommen. „20 Minuten vor Spielbeginn gehen wir dann in den Innenraum, dort können die Kinder unser Maskottchen Esel Andile füttern, es werden Fotos gemacht.“

13.30 Uhr:
Während hinter den Kulissen ein Kurvengespräch mit den Sicherheitsträgern und den Fanbeauftragten stattfindet, herrscht im VIP-Raum Trubel. Andrea Shakoor ist so etwas wie die gute Seele des VIP-Raums, sie hat für jeden ein Lächeln und freundliche Worte übrig. Ihre Aufgaben bestehen größtenteils darin, die Gäste zu empfangen, zu ihren Tischen zu führen, da zu sein, wenn Fragen aufkommen. „Die Gäste sollen sich rundum wohlfühlen. Es ist mein Job, dafür zu sorgen.“

14 Uhr:
Es ist soweit. Es folgt der Moment, auf den die vielen Helfer und Verantwortlichen hingearbeitet haben. Die Musik geht an, die Zuschauer erheben sich, spannen Schals zwischen erhobene Hände, die Fans schwingen die schwarz-roten Fahnen. Nun ist die Mannschaft dran.