Gronauer Aquädukt Lösung für den Mühlkanal ist in Sicht

Von Oliver von Schaewen
Der Mühlkanal soll wieder Wasser führen – deshalb ist die Gemeinde bereit zu investieren. Foto: KS-Images.de / Karsten Schmalz

Ein Konzept zur Wiederbelebung des Mühlbachs liegt vor – die Rettung des Aquädukts scheint hingegen fraglicher denn je.

Oberstenfeld-Gronau - Hinter den Kulissen ist offenbar viel miteinander geredet worden. Jetzt scheint es fast amtlich zu sein – mit einer guten und einer schlechten Nachricht für all diejenigen, die den Verlust des historischen Aquädukts mit dem folgenden Mühlkanal in Gronau nicht einfach so hinnehmen wollten. Die gute Nachricht: Die Gemeinde Oberstenfeld will den etwa ein Kilometer langen Bachlauf vom Aquädukt bis zur Mündung in die Bottwar in Gronau wiederbeleben. Die schlechte Nachricht: Am bereits beschlossenen Abriss des Aquädukts wird offenbar nicht mehr gerüttelt – für einen Erhalt der steinernen Brücke müssten Beschlüsse des Zweckverbandes Hochwasserschutz Bottwartal rückgängig gemacht werden. Danach sieht es Stand jetzt nicht aus.

Warum ist der Mühlkanal in Gronau überhaupt trockengelegt worden? Der Grund dafür ist die Hochwassergefahr, die vom Kanal selbst ausgeht. Es gibt mehrere Schwachstellen im Ort. Instabile Mauerwerke könnten Keller volllaufen lassen, so etwa am ehemaligen Mühlhof oder an der Mündung in die Bottwar in der Entengasse. „Wir müssen diese Schwachstellen beseitigen, damit wieder Wasser durch den Bach fließen kann“, betont der Oberstenfelder Bürgermeister Markus Kleemann. Er hatte einer Initiative engagierter Gronauer, die das Wasser des Bachs nutzen und Pflegearbeit leisten wollen, vor zwei Jahren zugesagt, dass die Gemeinde den Mühlkanal reaktiviert. Allerdings war es nach der darauf folgenden Absperrung der Kurzach aus Sicherheitsgründen um das Projekt still geworden.

Wie könnte eine Lösung für den Mühlbach aussehen? Der Bürgermeister Markus Kleemann hat ein Ingenieurbüro beauftragt, um eine Lösung zu erarbeiten. „Wir haben keine Mühen und Kosten gescheut und inzwischen ein fertiges Konzept, sind also extrem weit gekommen,“ sagt der Bürgermeister, der den Gemeinderat wegen zu schützenden Vertragsfragen im Oktober zunächst in nicht öffentlicher Sitzung über den Sachstand unterrichtet hat. Am Montag informierte er die Anlieger sowie die beteiligten Verbände und Vereine. Das Projekt wird am 14. Dezember in einer Versammlung der Öffentlichkeit vorgestellt. Danach soll der Gemeinderat entscheiden. Es gibt wohl mehrere Planvarianten, die für eine sechsstellige Summe umsetzbar wären. Die Resonanz am Montag sei recht positiv gewesen – über Detailfragen des Bachverlaufs müsse man noch reden.

Welche Rolle spielt der Aquädukt am Oberlauf des Mühlbachs? Der Aquädukt muss nicht genutzt werden, um den Mühlbach zu speisen. Der Zulauf von der Kurzach kann auch ohne das Bauwerk wieder aktiviert werden. „Es ist wichtig, die beiden Sachen getrennt zu betrachten“, sagt Markus Kleemann. Nichtsdestoweniger habe der Zweckverband Hochwasserschutz Bottwartal ein Gutachten in Auftrag gegeben, um zu untersuchen, wie aufwendig es wäre, die Steinbrücke zu erhalten, wenn die Ausgleichsmaßnahme für den Bau der beiden Hochwasserrückhaltebecken Prevorster Tal und Kurzachtal realisiert wird. Dies wäre laut Kleemann mit einem Mehraufwand von 200 000 bis 300 000 Euro machbar. Er gehe aber davon aus, dass die anderen Mitgliedskommunen Steinheim, Großbottwar und Beilstein den geltenden Beschluss nicht aufheben wollen. Auch sollte man beim Hochwasserschutz keine Zeit mehr verlieren. Zur Erinnerung: die beiden Rückhaltebecken dienen dem Schutz im Bottwartal – dazu bedarf es aber eines Naturausgleichs in Öko-Punkten. Die Gemeinde will es Fischen und Krebsen durch den Rückbau ermöglichen, 150 Meter weiter in Richtung Quelle zu gelangen. Der Nutzen sei gering, kritisiert der BUND-Regionalverband Heilbronn-Franken. Das Mühlbach-Projekt könne laut Kleemann aber aus rechtlichen Gründen nicht als Ausgleich verwendet werden.

Was positionieren sich Hochwasser-Zweckverband und Landratsamt? Als reinen Verwalter der bisherigen Beschlüsse sieht sich der Großbottwarer Bürgermeister und Zweckverbands-Vorsitzender Ralf Zimmermann: „Wir haben die politischen Beschlüsse der vier Mitgliedskommunen und des Zweckverbands“, sagt er und betont: „Wir tun nichts gegen den Willen der Standortkommunen.“ Wer etwas anderes wolle, müsse einen Vorschlag für eine Alternative machen. Der BUND Heilbronn-Franken und der Historische Verein Bottwartal widersprachen der Auffassung des Landesamtes für Denkmalschutz, wonach der Aquädukt nicht erhaltenswert sei. Der BUND Heilbronn-Franken sähe eine Chance für den Erhalt, wenn die Gemeinde den Aquädukt mit dem Mühlkanal zusammen zu einem schützenswerten Ensemble erklären würde. Das Landratsamt Ludwigsburg als Planfeststellungsbehörde folgt hingegen der Einschätzung des Landesamtes für Denkmalschutz.

Wie steht es um Pläne, den Aquädukt für Führungen zugänglich zu machen? Die Mühlenkultur des oberen Bottwartals war von BUND und dem Historischen Verein Bottwartal grundsätzlich für Unterrichtsausflüge als geeignet angesehen worden. Doch solche historischen Lokaltermine wird es wohl nicht mehr geben. Das Landratsamt Ludwigsburg ist unabhängig von der Frage des Aquädukterhalts zur Auffassung gekommen, das ökologisch sensible Gebiet dauerhaft abzusperren, teilt Bürgermeister Markus Kleemann mit. Allzu viele Interessierte hätten offenbar das Zusammenspiel der Bachläufe aus der Nähe anschauen wollen und die Ökologie damit geschädigt.

Die Position des BUND Heilbronn-Franken zum Gronauer Aquädukt

Kritik
 Der BUND Heilbronn-Franken fordert, die Planung für den Naturausgleich der beiden Hochwasserrückhaltebecken Prevorster Tal und Kurzacher Tal gründlich zu überarbeiten. Zwar sei es erstrebenswert, Gewässer durchgängiger zu machen, doch stellten das Flussfreibad, der Betonaquädukt und das Steingewölbe mit den zwei Mühlkanälen samt Wehren ein Geschichtszeugnis dar und seien Denkmale der Alltagskultur.

Vorschlag Der mögliche Erhalt eines solchen Denkmals sei gegenüber dem Ziel der ökologischen Durchgängigkeit der Kurzach abzuwägen, heißt es in der Stellungnahme des BUND. Der Vorschlag deshalb: den Aquädukt mit Steingewölbe erhalten und den Mönch sowie die Verrohrung abreißen, die Ufer weitgehend nicht neu gestalten.