Greenwashing bei Lebensmitteln Foodwatch kritisiert „modernen Ablasshandel“ mit Klimaschutz-Siegeln

Von reb/epd
Um Produkte als klimaneutral zu labeln, kauften die Hersteller über Siegel-Anbieter CO2-Gutschriften aus vermeintlichen Klimaschutzprojekten, kritisiert Foodwatch. (Symbolbild) Foto: PantherMedia / Andriy Popov/Andriy Popov

Foodwatch prangert die Verwendung von Begriffen wie „CO2-neutral“ oder „klimapositiv“ auf Lebensmitteln an. Nach Meinung der Verbraucherschützer verdienten die Hersteller viel Geld mit irreführendem Greenwashing.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert ein Verbot irreführender Klimaschutz-Werbung auf Lebensmitteln. Begriffe wie „CO2-neutral“ oder „klimapositiv“ sagten nichts darüber aus, wie klimafreundlich ein Produkt tatsächlich sei, es gehe nur um Greenwashing. „Die Unternehmen müssen kein einziges Gramm CO2 einsparen, um sich klimaneutral nennen zu dürfen“, kritisierte Manuel Wiemann von Foodwatch am Donnerstag in Berlin.

Um Produkte als klimaneutral zu labeln, kauften die Hersteller über Siegel-Anbieter CO2-Gutschriften aus vermeintlichen Klimaschutzprojekten. Damit sollen die bei der Produktion anfallenden Treibhausgas-Emissionen ausgeglichen werden. „Die meisten Siegel-Anbieter wie Climate Partner oder Myclimate machen die Reduktion von CO2 aber gar nicht zur Bedingung“, sagte Wiemann. Für Verbraucher sei bei den Siegeln deshalb nicht ersichtlich, wer wirklich die Emissionen bei der Herstellung reduziert oder wer sich nur über CO2-Zertifikate freigekauft habe.

Das Geschäft mit den Siegeln

„Hinter dem Klimaneutral-Label steckt ein Riesenbusiness, von dem alle profitieren - nur nicht der Klimaschutz“, sagte die Foodwatch-Expertin Rauna Bindewald. Selbst Hersteller von Rindfleischgerichten und Wasser in Wegwerf-Plastikflaschen könnten sich so als Klimaschützer inszenieren. Die Label-Anbieter kassierten bei der Vermittlung der CO2-Gutschriften zudem richtig ab.

So bewerbe beispielsweise ein französischer Lebensmittelkonzern ein Mineralwasser als „klimaneutral“, das in Einweg-Plastikflaschen verpackt und hunderte Kilometer aus Frankreich importiert werde. Ein Hersteller von Babykost vermarkte seinen Babybrei mit Rindfleisch als „klimapositiv”, obwohl Rindfleisch besonders hohe Emissionen verursache. Ein bekannter Saftproduzent kompensiere für sein Label “CO2 neutral” auf Fruchtsaft lediglich sieben Prozent der Gesamtemissionen und ein Discounter verkaufe „klimaneutrale“ Milch, ohne genau zu wissen, wie viel CO2 bei der Produktion überhaupt ausgestoßen werde.

Die wenigsten Projekte zeigen Klimaschutzwirkung

Die Siegel-Vergeber verdienten an jeder verkauften Gutschrift und nähmen dadurch Millionen-Beträge ein, kritisierte Foodwatch. Die Organisation schätzt nach eigenen Recherchen, dass Climate Partner allein mit der Vermittlung von CO2-Gutschriften aus Waldprojekten an elf Kunden im Jahr 2022 etwa 1,2 Millionen Euro eingenommen hat. Für die Vermittlung von Gutschriften eines peruanischen Waldprojekts verlangt Climate Partner demnach pro Gutschrift etwa 77 Prozent Aufschlag.

Darüber hinaus sei der Nutzen der angeblichen Klimaschutzprojekte fraglich. Selbst zertifizierte Projekte wiesen oft eklatante Mängel auf. Laut einer Studie des Öko-Instituts hielten nur zwei Prozent der Projekte ihre versprochene Klimaschutzwirkung ein.

„Das Geschäft mit der Klimawerbung ist moderner Ablasshandel, der dem Klima mehr schaden als nützen kann“, sagte Rauna Bindewald. Bundesernährungsminister Cem Özdemir und Bundesumweltministerin Steffi Lemke (beide Grüne) forderte die Verbraucherschutzorganisation auf, sich in Brüssel für ein Verbot irreführender Umweltwerbung einzusetzen.