Geschichte in Pleidelsheim Wie funktionierte einst ein Waschhaus?

Von Elke Rutschmann
Das Waschhaus in Pleidelsheim: einst Vorbild für Waschhäuser in ganz Baden-Württemberg Foto: Gemeinde Pleidelsheim

Früher gab es in Baden-Württemberg Waschhäuser in mehr als 1000 Städten und Gemeinden. Eines stand in Pleidelsheim. Darüber gibt es nun ein Buch – Interview mit einer Waschfrau inklusive.

Albert Methfessel hatte es einst in seinem Kinderlied schön auf den Punkt gebracht: „Zeigt her eure Füße/zeigt her eure Schuh/und sehet den fleißigen Waschfrauen zu!/Sie waschen, sie waschen,/sie wasch’n den ganzen Tag.“ Ja, die Waschhäuser waren früher ein wichtiger Ort. Dort wurden nicht nur Textilien gereinigt, sondern auch Neuigkeiten ausgetauscht sowie Spargel- und Äpfelpreise ausgehandelt.

Anekdoten und Geschichten gesammelt

Ein ganz besonderes Waschhaus steht in Pleidelsheim, das erst jüngst auch unter Denkmalschutz gestellt wurde. Die Kulturwissenschaftlerin Beate Volmari hat Zeitzeugen befragt, Archivmaterial ausgewertet sowie Erinnerungen von Pleidelsheimern gesammelt und daraus ein Buch mit Anekdoten und Geschichten rund um das Relikt aus vergangenen Tagen gemacht: „Mit voller Deckung und allen Wassern gewaschen - Die Gemeinschaftsanlagen Tierzuchthof und Waschhaus“ lautet der Titel des 95 Seiten umfassenden Werkes.

Die Idee zur Bewahrung der Geschichte des Waschhauses kam von Pleidelsheims Bürgermeister Ralf Trettner, denn ursprünglich sollte das Waschhaus im Zuge des neuen Bauprojekts in der Marbacher Straße abgerissen werden, wo ab 2023 ein Supermarkt sowie 39 Wohnungen entstehen sollen. Ein bislang unbekannter Hinweisgeber hatte sich jedoch mit dem Landesamt für Denkmalpflege in Verbindung gesetzt, um das Gebäude bewerten zu lassen. Die Denkmalschützer haben die Gemeindewaschküche jetzt als bewahrenswert eingestuft – das Buch war bereits in Druck, als die Entscheidung getroffen wurde. „Ich wollte den beiden Gemeindeeinrichtungen Waschküche und Tierzuchthof über den Abriss hinaus ein Denkmal in gedruckter Form setzen, ein Stück Dorfgeschichte festhalten“, sagt Rald Trettner.

Auch einen Tierzuchthof gab es in Pleidelsheim

In 21 Kapiteln erzählt Beate Volmari informative, spannende, lustige und auch anrührende Geschichten – zehn Seiten davon sind dem Tierzuchthof gewidmet, der im Gegensatz zum Waschhaus abgerissen werden soll. „Hier war es schwer noch Zeitzeugen zu finden“, sagt die Autorin. Kein Wunder – die Institution wurde bereits im Jahr 1935 genutzt. Damals gab es vier bis fünf Zuchtbullen auf dem Hof, zu denen die Bauern ihre Kühe brachten. 1957 wurde die künstliche Besamung eingeführt, die Stiere verschwanden. Bis 1972 gab es noch einen Eber und einen Ziegenbock.

Man erfährt, dass das Waschhaus im Jahr 1948 zu einer Badeeinrichtung mit Duschräumen ausgebaut oder auf der Rückseite des Gebäudes ein Dampfkessel für die Kartoffeldämpfkolonne zur gemeinschaftlichen dörflichen Nutzung in Betrieb genommen wurde. „Acht bis zehn Bauern dämpften in einer Schicht etwa einhundert Zentner Futterkartoffeln“, sagt die in Ludwigsburg lebende Autorin. In den 1980er Jahren wurden das Gebäude und die technische Einrichtung umfassend modernisiert.

Einstige Waschfrau interviewt

Eine wichtige Quelle für sie waren frühere Waschmeisterinnen und Mangfrauen – vor allem jedoch Anni Entenmann, die heute noch ein bis zweimal die Woche für die Gemeinde die Geräte im Waschhaus anwirft. Entenmann wohnte früher als Waschfrau mit ihrer Familie in der Wohnung im Waschhaus, ihre Töchter und deren Freunde erlebten das Waschhaus in den 1960er und 70er Jahren als Kinderparadies mit Baden in Steintrögen. Zu Beginn der 1960er Jahre gab es in Baden-Württemberg mehr als 1000 Gemeindewaschküchen – das Waschhaus in Pleidelsheim war für viele ein Vorbild, und einige Kommunen reisten in die 6500-Einwohner-Gemeinde, bevor sie selbst ein Waschhaus bauten. Das Buch kostet 15 Euro und kann im Rathaus erworben werden.