Gasthof Ochsen in Prevorst Wirtin kümmert sich mit 80 um Gäste

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Irma Wolf und ihr Sohn Roland (ganz rechts) machen so gut wie keinen Urlaub – neben Stammgästen kommen vermehrt Wanderer und Biker. Foto: Oliver von Schaewen

Irma Wolf betreibt mit ihrem Sohn Roland den Prevorster Ochsen. Die Arbeit in dem Gasthof reißt nicht ab, an einen Ruhestand denkt die rüstige Seniorin nicht.

Oberstenfeld-Prevorst - Das Fachwerkhaus ist das Wahrzeichen von Prevorst, dem mit 483  Metern höchst gelegenen Dorf des Landkreis Ludwigsburg. In ihm erblickte Friederike Hauffe, die legendäre Seherin von Prevorst, vor fast 220 Jahren das Licht der Welt. Und genau in jenem Haus leben und arbeiten Irma und Roland Wolf, Mutter und Sohn, seit Jahrzehnten. Im Juni ist Irma Wolf 80  Jahre alt geworden – und immer noch bedient sie ihre Gäste, an Ruhestand will sie nicht denken: „Ich mache es, so lange ich noch kann.“

Junge Hasen laufen schneller, aber die alten Hasen kennen die Abkürzungen. So heißt es im Volksmund – und die Gäste des Ochsen wissen: Im Normalfall müssen sie nie lange auf Speise und Trank warten. Denn Irma Wolf ist das gedankenschnelle, praktische Handeln fast in die Wiege gelegt worden. Als Tochter der Nassacher Löwen-Wirtsleute wuchs sie in der Gastronomie auf. Mit ihrem Mann Werner entschloss sie sich, im Jahr 1962 den Ochsen in Prevorst zu übernehmen. Eine Mammutaufgabe. „Das Haus der Seherin gab es so gut wie nicht mehr – wir mussten es von Grund auf sanieren“, erzählt sie. Sogar Plumpsklos mussten entfernt werden. Später warteten in dem Haus immer wieder Überraschungen auf die Eigentümer: „Wir mussten 1997 eine Außenwand komplett neu richten – zwischen dem Fachwerk bröckelten die Steine heraus“, erzählt Sohn Roland, der nach dem Tod des Vaters in die Bresche sprang und seitdem mithilft.

Arbeit gibt es für das Zweier-Team genug. Irma Wolf erinnert sich an zwei Kurzurlaube, ansonsten sei sie immer im Haus gewesen. Manchmal fluten ganze Reisegesellschaften das Lokal. An gepflegte Gespräche mit Gästen über die Seherin sei an Wochenenden nicht zu denken, berichtet Roland Wolf. „Ich habe alles auf sieben Seiten zusammengefasst und lege es aus.“ Leider sei von Friederikes Mobiliar nur noch ein Stuhl erhalten. Für einen Museumsraum sei das zu wenig.

Bis vor fünf Jahren betrieben die Wolfs im Erdgeschoss noch eine Metzgerei. „Die Auflagen der Behörden wurden immer höher“, erzählt Roland Wolf. Ausgebaut habe man – auch wegen der Corona-Pandemie  – den Freibereich vor der Gaststätte. Für Irma Wolf und ihren Sohn bedeutet das ständiges Treppensteigen. „Mit einem Lastenaufzug würde alles viel zu lange dauern“, sagt der 48-jährige Wolf. Dass es seine Mutter schaffte, nach einem zweimaligen Oberschenkelhalsbruch im Jahr 2014 wieder so gut zu Fuß zu sein, freut beide auch heute noch. Irma Wolf tat sich schwer, eine Pause einzulegen, fing zu früh wieder an und stürzte erneut. Doch in einer Reha schöpfte sie Kraft. „Ich habe dann mit einem Rollator bedient – die Gäste haben gelacht und gesagt: ,Man muss sich nur zu helfen wissen’.“ Personal sei gerade in Coronazeiten schwer zu finden. Drei Hilfskräfte, die früher kamen, dürften jetzt nicht mehr. „Sie arbeiten in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen – es heißt, sie würden das Virus verteilen“, erzählt Roland Wolf. Nach den langen Wochen des Lockdowns erlebe das Lokal jetzt starken Andrang – auch weil viele Menschen im Urlaub daheim auf Ausflüge setzten. Roland Wolf findet das erfreulich: „Mir sind Gäste am liebsten, die Zeit mitbringen.“