Gas, Strom, Sprit, Öl Verbrauch, Kosten, Importe – alle Daten zur Energiekrise

Von Simon Koenigsdorff und Jan Georg Plavec
Energie ist knapp und teuer. Hier sammeln wir alle relevanten Daten. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Gas, Strom und Kraftstoff sind diesen Winter sehr teuer. Kommt genug in Deutschland an? Wie teuer ist Energie derzeit und schaffen wir das Einsparziel? Alle Daten im Überblick.

Wie teuer sind Gas, Strom und Kraftstoffe? Wo kommen sie her und wie viel wird derzeit verbraucht? Wie voll sind die deutschen Gasspeicher? Das beantwortet wir in dieser regelmäßig aktualisierten Übersicht anhand aktueller Daten zu Erzeugung, Verbrauch und Preisen.

Gasverbrauch

Zwanzig Prozent Gas müssen 2022 gespart werden, um im Winter einen Gasnotstand zu vermeiden. Wie ist die Bilanz seit 1. Januar bis heute? Das zeigt die folgende Tabelle. Über das Gesamtjahr gesehen wird das Einsparziel bisher verfehlt, seit Sommer wird es allerdings deutlich erreicht.

Die folgende Tabelle zeigt, wie viel Gas seit August Woche für Woche eingespart wird. Infolge der milden Witterung wurde seit Oktober prozentual sehr viel eingespart. Wegen der typischerweise deutlich höheren Verbräuche im Winterhalbjahr nahm die absolute Einsparung zumeist zu.

Wie viel Gas derzeit in Deutschland verbraucht wird, zeigen die folgenden Diagramme. Zunächst der Verbrauch insgesamt: Rot eingezeichnet ist das von der Politik angestrebte Einsparziel von 20 Prozent im Vergleich zum mittleren Verbrauch zwischen 2018 und 2021. Seit Anfang Oktober wird das Einsparziel wieder erreicht, zuletzt aber nur noch knapp.

Der Gasverbrauch ist relativ stark von der Temperatur abhängig. Die Bundesnetzagentur berechnet daher einen temperaturbereinigten Verbrauch. Im grünen Bereich liegt er, wenn mindestens 25 Prozent weniger Gas verbraucht werden als in den Vorjahren bei ähnlichen Temperaturen üblich. Der gelbe Bereich zeigt eine Einsparung von 15 bis 25 Prozent, im roten Bereich ist eine Einsparung von weniger als 15 Prozent oder sogar ein Mehrverbrauch. Derzeit liegt der Verbrauch knapp im gelben Bereich.

Die folgende Darstellung macht die temperaturbereinigte Einsparung besser sichtbar:

Man kann den Verbrauch für Großkunden aus der Industrie sowie von Haushalten und Gewerben separat ausgeben. Zunächst zeigen wir den Bedarf der Kleinverbraucher. Er ist stark von der Temperatur abhängig. Infolge des warmen Oktobers ist der Verbrauch zeitweise gesunken, seither steigt er an – zuletzt wurden verglichen mit den Vorjahren weniger als 20 Prozent gespart.

Wie viel verbraucht die Industrie? Das zeigt das folgende Schaubild, wiederum im Vergleich zur Verbrauchsspanne zwischen 2018 und 2021. Bislang liegt der Verbrauch 2022 am untersten Rand dieses Zeitraums oder darunter.

Gasflüsse und -speicher

Seit Ende August fließt kein Gas mehr aus Russland nach Deutschland. Aus welchen anderen Ländern Deutschland netto Gas importiert, zeigt das folgende Schaubild. Die Importe aus Norwegen, Belgien und den Niederlanden sind derzeit stabil.

Relevante Mengen Gas wurden 2022 nur nach Tschechien und Österreich exportiert. Seit Ende September floss aber kein Gas mehr nach Tschechien. Netto exportiert Deutschland im Oktober nur sehr wenig Gas.

Wichtig ist, vor dem Winter möglichst viel Gas einzulagern. Bis 1. November sollten die Gasspeicher zu 95% gefüllt sein. Dieses Ziel wurde bereits am 12. Oktober erreicht. Derzeit sind rund 242 Terawattstunden eingelagert, weitaus mehr als in den Vorjahren.

2018 bis 2021 wurden im Winter im Mittel zwischen 15 und 30 Terawattstunden (TWh) pro Woche verbraucht. Falls gar nichts mehr importiert würde, reicht der aktuelle Speicherstand dem Verbrauch von 8 bis 16 Wochen.

Tatsächlich werden derzeit mehr als 2 TWh pro Tag beziehungsweise mehr als 15 TWh pro Woche netto importiert:

Strom

Auch Strom wird deutlich teurer – und steht beim Thema Versorgungssicherheit ebenfalls im Fokus. Deutschland tauscht dabei im europäischen Netz ständig Strom mit benachbarten Ländern aus und erzeugt nicht immer genau so viel Strom, wie im Land selbst verbraucht wird. Das folgende Schaubild zeigt für die letzten drei Tage an, wann mehr erzeugt als verbraucht wurde und wann es andersherum war. 2021 hat Deutschland insgesamt mehr Strom exportiert als importiert.

Wie hoch der Importanteil beim Strom ausfällt, hat mit den Energiequellen zu tun: Wind und Solarkraft sind beispielsweise von Wetter und Tageszeit abhängig und stehen an unterschiedlichen Orten zur Verfügung.

Das folgende Schaubild zeigt den Strommix in Deutschland für die vergangenen drei Tage. Wind- und Solarkraft leisten tageszeitabhängig einen hohen Anteil, doch mehr Strom kommt aus Kohle- und Gasverstromung.

Der baden-württembergische Strommix, abgebildet durch die Daten des Südwest-Netzbetreibers Transnet BW, sieht deutlich anders aus. Windkraft spielt hier kaum eine Rolle. Energie aus Wasser- und Pumpspeicherkraftwerken sowie Solaranlagen ist relevant. Gas wird kaum verstromt, Steinkohle dagegen sehr wohl.

Rechnet man die verschiedenen Quellen von erneuerbarer Energie zusammen und betrachtet man ihren Anteil nicht nur zu einem einzigen Zeitpunkt, sondern über eine ganze Woche, so machte grüner Strom in den letzten Monaten meist zwischen 40 und 57 Prozent des deutschen Strommix aus. Die Anteile schwanken jedoch stark – auch in Baden-Württemberg, wo der Anteil im Juni mit besonders viel Sonnenschein und damit Solarstrom auf über 70 Prozent hochschnellte.

Preise

Die Energiekosten sind 2022 stark gestiegen und belasten die Verbraucher. Ein wichtiger regelmäßiger Kostenpunkt sind zumindest für Autofahrer die Spritpreise. Mit dem Ende des Tankrabatts sind sie wieder deutlich gestiegen. Exemplarisch visualisieren wir die Entwicklung für das Stadtgebiet Stuttgart. Seit Anfang November sinken die Spritpreise. Benzin kostet zwischen 1,70 und 1,80 Euro, Diesel ungefähr 1,85 Euro.

Auch die Heizölpreise verändern sich seit Jahresanfang regelmäßig und sehr uneinheitlich. Kurze Zeit nach Beginn des Ukrainekriegs schnellten die Preise stark nach oben, seit dem Sommer schwanken sie stärker von Ort zu Ort. Bundesweit ist der Ölpreis zuletzt deutlich gesunken, er liegt aber immer noch deutlich über den Werten vor Beginn des Ukrainekriegs.

Auch im Südwesten schwanken die Preise stark. Beispielhaft zeigen wir die Preise der letzten fünf Wochen für sechs baden-württembergische Großstädte seit Januar. 100 Liter Standard-Heizöl kosteten zuletzt zwischen 120 und 125 Euro (bei einer Standardlieferung von 3000 Litern).

Wir werden in den kommenden Tagen und Wochen weitere Preisübersichten hinzufügen. Dieser Beitrag und die hier gezeigten Daten werden regelmäßig aktualisiert.