Ganztagsschulmodell an der Grundschule Marbach Betreuungskräfte werden pädagogisch geschult

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Nach den Sommerferien sollen die Würfel in Sachen Ganztagsmodell fallen. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Ein erstes Gespräch zwischen Elternvertretern und Stadtverwaltung zum Thema Ganztagsschule Marbach trägt Früchte.

Marbach - Das Lehrerkollegium der Marbacher Grundschule möchte das Ganztagsschulmodell kippen. Einem entsprechenden Antrag wurde in der Gesamtlehrerkonferenz kurz vor den Sommerferien zugestimmt. Die ein paar Tage später stattfindende Schulkonferenz hatte eine Entscheidung vertagt (wir berichteten). Nach den Sommerferien sollen die Würfel fallen. Die Wochen bis dahin wollen die Elternvertreter zum Austausch nutzen. Ein erster Termin mit Bürgermeister Jan Trost und der Ersten Beigeordneten, Franziska Wunschik, fand diesen Dienstag statt. Ein weiterer Termin mit Vertretern des Gemeinderates soll ebenfalls noch in den Sommerferien folgen, wie die Vorsitzende des Elternbeirates der Schule, Berenice Hagelstein, unserer Zeitung mitteilt. „Wir wollten ein Signal geben, dass wir den Antrag der Lehrer ernstnehmen, aber auch die Ganztagsschule erhalten und weiterentwickeln wollen“, betont Hagelstein.

Die Lernbetreuung, bei der die Lehrkräfte mit den Betreuungskräften der Stadt zusammenarbeiten, sei für die Eltern wichtig. „Und da besteht unserer Meinung nach Verbesserungsbedarf.“ Ein zentraler Punkt sei, so Hagelstein, die Qualifizierung und Schulung des Betreuungspersonals. Es komme nicht auf die Menge des Personals an, sondern vor allem auf die Qualifizierung – und da gebe es Möglichkeiten. Darüber hinaus müsse es einen guten Austausch und eine gute Zusammenarbeit von Schule und Betreuungspersonal geben.

Auch die Mittagspause sollte pädagogisch begleitet werden, um die Grundschüler auch auf die Lernzeit danach vorzubereiten. Zur Erinnerung: Lehrkräfte hatten moniert, dass die Kinder sehr unruhig und unkonzentriert am Mittag sind. „Wenn die Kinder nach der Mittagspause die Möglichkeit haben, bedürfnisorientierte Angebote anzunehmen, Bewegung oder Entspannung zum Beispiel, und dann auch konzentrierter in die Lernzeit gehen können, in der die Betreuungskräfte ja auch mit den Lehrern zusammenarbeiten, dann kann jeder davon profitieren.“ Im Moment finde mehr eine Beaufsichtigung als eine pädagogische Betreuung statt, so Hagelstein.

Wichtig sei außerdem, dass die Schulsozialarbeiterstelle wieder besetzt werde, denn die arbeite auch eng mit den Lehrkräften, aber auch mit dem Betreuungspersonal zusammen. Die Schulsozialarbeit habe dann auch mehr Möglichkeiten, individueller auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen und mit den Eltern in Kontakt zu treten. Die Schulsozialarbeiterin Lotta Ziehm, die ihre Stelle vor einem Jahr antrat, ist jetzt ein Jahr in Elternzeit. Eine Ausschreibung für die Elternzeitvertretung sei vorbereitet und liege als Entwurf derzeit bei der Schule zur Abstimmung, informiert Wunschik „Es wird aber sicher nicht einfach, eine auf ein Jahr befristete Vertretung zu bekommen. Da müssen wir mal schauen.“ Was das immer wieder angeführte Platzproblem angehe, wären die Eltern bereit, mehr mitzuwirken, ist sich die Elternbeiratsvorsitzende sicher. „Zum Beispiel wäre eine Kooperation mit dem Mitmach-Garten denkbar, dass man sich also nicht nur auf die Räume der Schule konzentriert. Es gibt da viele Ideen und Möglichkeiten. Es gibt schon vieles, aber das bezieht sich hauptsächlich auf den Vormittagsunterricht.“

Wie geht’s jetzt weiter? Noch vor Ende der Sommerferien wird ein Gespräch der Elternvertreter mit Stadträten stattfinden. In der ersten Schulwoche vor der Einschulung der Erstklässler wird es einen Elternabend für die Eltern der neuen Grundschüler geben, auf dem dann die neuen Elternvertreter gewählt werden. Ebenfalls in den ersten beiden Schulwochen wird es schließlich einen Elternabend für alle Grundschulklassen und eine außerordentliche Elternbeiratssitzung geben.

Auch die Stadt Marbach nimmt den Antrag der Lehrer sehr ernst, betont die Beigeordnete Franziska Wunschik im Gespräch mit unserer Zeitung. Deshalb sei es wichtig, nach den Ferien in Gespräche mit den Lehrern zu gehen. „Wir müssen wissen, wo der Schuh drückt. Die Ganztagsschule ist uns als Stadt, aber auch für die Eltern enorm wichtig.“ Das sei bei dem Austausch mit der Elternbeiratsvorsitzenden und einer Elternvertreterin am Dienstag deutlich geworden. „Die Kinder sind nach der Mittagspause wohl sehr energiegeladen und die Lehrer haben große Mühe, mit ihnen in einen konzentrierten Unterricht zu starten. Sie wünschen sich, dass unser städtisches Betreuungspersonal die Schüler bereits in der Mittagspause auf den anschließenden Unterricht vorbereitet“, gibt Wunschik das Gespräch wieder, das sowohl die Elternbeiratsvorsitzende als auch die Beigeordnete als konstruktiv und gut beschreiben.

Sie werte den Antrag der Lehrer als einen Hilfeschrei, auf den die Stadt reagieren müsse, so Wunschik. „Im schulischen Bereich können wir wenig tun, aber wir werden unsere 18 Betreuungskräfte gleich nach den Ferien weiterbilden und qualifizieren“, kündigt sie an. Dabei sollen die Angebote der Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken in Anspruch genommen werden. „Für uns als Stadt war ein schneller Austausch mit den Elternvertretern wichtig, deshalb fand ein erstes Gespräch in kleinerem Rahmen bereits am Mittwoch statt. Anfang September geht es dann mit allen Elternvertretern, der Schulleitung und dem Gemeinderat in die nächste Runde“, betont Wunschik, der das Thema so wichtig ist, dass sie sogar ihren Urlaub für den Termin am Dienstag unterbrach.