Fußball-Oberliga Der SGV Freiberg greift noch zweimal oben ins Regal

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Dominique Fennell, hier 2015 im Trikot der Stuttgarter Kickers, spielt künftig für den SGV Foto: Archiv (Baumann/Julia Rahn)

Der Tabellenführer der Fußball-Oberliga hat die drittligaerfahrenen Azur Velagic und Dominique Fennell verpflichtet.

Freiberg - Fußball-Oberligist SGV Freiberg hat zwei weitere Winterneuzugänge an Land gezogen und dabei erneut ziemlich weit oben ins Regal gegriffen. Azur Velagic wechselt vom Drittligisten Türkgücü München an den Freiberger Wasen, Dominique Fennell war zuletzt vereinslos, hat aber die Erfahrung von190 Drittligaspielen vorzuweisen.

Mit der Verpflichtung des 29-jährigen Velagic holt sich der Oberligist die Erfahrung aus 34 Drittligaspielen (sechs für Türkgücü München, 28 für Jahn Regensburg) und 148 Regionalligaspielen für Türkgücü München, den SV Rödinghausen, den FC Homburg und den FC Ingolstadt ins Team. Der 1,90 Meter große Innenverteidiger hatte in der Saison 2019/20 erheblichen Anteil am Drittliga-Aufstieg von Türkgücü München. Der in München geborene Deutsch-Bosnier trifft in Freiberg wieder auf David Müller, mit dem er bereits 2016/17 beim SV Rödinghausen zusammen spielte.

„Ich freue mich auf diese neue Herausforderung und werde alles geben, meinen Teil zum Erfolg der Mannschaft und der Vereins beizutragen“, sagt Velagic. „Azur wird unsere Mannschaft mit seinen Fähigkeiten nochmals verstärken. Wir haben ganz genau hingeschaut, und die Mischung aus fußballerischen Fähigkeiten und Charakter haben uns absolut überzeugt“, erklärt SGV-Trainer Evangelos Sbonias. Und Marco Grüttner, Teamkapitän und Sportlicher Leiter, ergänzt: „Ich freue mich sehr, dass sich Azur für uns entschieden hat. Mit seiner Erfahrung wird er ein enormer Gewinn sein. Ich bin mir sicher, dass er uns in den nächsten Jahren weiterhelfen wird, unsere Ziele zu erreichen.“

Dieses Ziel ist der Aufstieg in die Regionalliga bis spätestens Sommer 2022, gerne aber schon in dieser Saison, die wohl nur zur Hälfte gespielt werden wird. Derzeit fehlen dem Tabellenführer sieben Spiele, um die Hinrunde abzuschließen. Damit wäre den Statuten nach auch eine Wertung der Saison mit Auf- und Abstieg möglich. Sportdirektor Christian Werner ist auch zuversichtlich, „dass diese sieben Spiele absolviert werden“. Die ebenfalls angedachte Auf- und Abstiegsrunde im Anschluss an die Hinrunde hält er hingegen für unrealistisch. Dass der SGV den Aufstieg bereits in diesem Sommer schafft, wäre für Werner natürlich schön, sei aber kein Muss: „Wir sind derzeit in einer sehr komfortablen Situation. Damit war aber nicht unbedingt zu rechnen. Wir haben das große Glück, dass Trainer Laki Sbonias einen super Job macht und dass die Spieler alle einschlagen. Wir haben ja fast die ganze Mannschaft ausgetauscht.“

Mit Dominique Fennell hat Werner einen weiteren Mann für die Innenverteidigung oder das defensive Mittelfeld geholt, der schon lange nicht mehr unterhalb der Regionalliga im Einsatz war. Der 31-jährige US-Amerikaner war unter anderem schon für die Stuttgarter Kickers, die Würzburger Kickers, den Halleschen FC und den VfR Aalen aktiv. Zuletzt hatte er bis zum Sommer 2020 für die TSG Hoffenheim II gespielt und kommt nun zum Wasen. Verlassen wird den SGV hingegen Innenverteidiger William Rodrigues, der in seine Heimat Brasilien zurückkehrt.

Christian Werner weiß, dass insbesondere die Wintertransfers den Eindruck erwecken, dass die Freiberger mit Geld um sich schmeißen, was gerade in der momentanen Situation irritieren könnte. „Corona ist für die Fußballvereine Fluch und Segen zugleich. Einerseits ist die finanzielle Lage schwieriger, andererseits sind die Spielergehälter gesunken. Es wird in Zukunft, insbesondere im Amateurbereich, wesentlich weniger Geld im Spiel sein“, glaubt er und ergänzt: „Man muss in Corona-Zeiten clevere Deals machen. Man kann Spieler jetzt eher für Projekte begeistern, die sonst wohl nicht in Frage gekommen wären.“ Ein Transfer wie Alexander Nandzik, den der SGV vor zwei Wochen von Zweitligist Regensburg geholt hatte, „wäre für uns vor ein paar Monaten noch unmöglich gewesen. Er hatte ein deutlich höher dotiertes Angebot. Aber die Perspektive bei uns inklusive der Berufsausbildung neben dem Fußball hat ihn überzeugt. Da hat auch das ganze Team beim SGV inklusive Präsident Emir Cerkez sehr gute Arbeit geleistet.“ Und Werner betont: „Wir gehen mit jedem Euro sehr verantwortungsvoll um und machen keine waghalsigen Dinge.“