Fußball-Oberliga Am Ende des Fußballfests jubeln die Kickers

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Die Kickers-Fans auf den Stehplätzen waren von der Haupttribüne getrennt. Foto: avanti

Der SGV Freiberg verliert das Spitzenduell der Oberliga gegen die Stuttgarter mit 0:1 (0:0).

Freiberg - Einen solchen Ausnahmezustand hat das Sportzentrum am Freiberger Wasen wohl selten erlebt. Dabei war es nicht nur die reine Menge an Zuschauern, die beim Spitzenspiel der Fußball-Oberliga zwischen dem SGV und den Stuttgarter Kickers am Samstagnachmittag für erhöhten Aufwand sorgten. Schließlich waren maximal 2000 Personen zugelassen, die Hälfte der offiziellen Höchstkapazität des Stadions. Doch die Coronaauflagen sorgten für einen bislang wohl selten notwendigen Einsatz an Hilfskräften, um die Partie bei strahlend blauem Himmel zu einem Fußballfest werden zu lassen. Das begann schon bei der Zufahrt zum Stadion. Die Wiese direkt vor dem Sportgelände, auf der sich sonst höchstens ein bis zwei Reihen Autos verlieren, war mit Kreide fein säuberlich markiert, mehrere Ordner sorgten dafür, dass möglichst viele Fahrzeuge untergebracht werden konnten. Die Kickers-Fans wurden um das Stadion herum zu einem separaten Eingang auf ihre Stehplätze geleitet. Und alle Besucher mussten sich entweder vorab online oder aber vor Ort händisch oder per App registrieren. Ebenso war ein „3G-Nachweis“ zu erbringen. Dafür hatte der SGV vor dem Stadion mehrere Stationen eingerichtet, um die Wartezeiten möglichst kurz zu halten.

Das Ergebnis des ganzen Aufwands war eine Stimmung, die das Wasenstadion nur selten erlebt hat. „Ich kann mich in mehr als zehn Jahren nur an ein Spiel erinnern, bei dem es ähnlich war – und das war auch gegen die Kickers. Sonst sind hier ja immer nur 300 oder 400 Zuschauer, und das ist schade. Eigentlich hätte der SGV Freiberg jede Woche eine solche Stimmung verdient“, sagte Denis Zagaria nach der Partie. Erstmals bestritt der Innenverteidiger der Stuttgarter Kickers eine Partie in Freiberg als Gast, nachdem er zuvor viele Jahre fast schon zum Inventar des SGV gehörte. Dabei hatte der28-Jährige wohl eine der weitesten Anreisen aller Beteiligten an diesem Tag. Zwar wohnt Zagaria nach wie vor in Marbach. „Aber wir haben immer in Stuttgart Treffpunkt. So viel Disziplin muss sein. Ich bin also heute Morgen von Marbach nach Stuttgart gefahren und dann mit dem Bus hierher. Und als wir zum Stadion eingebogen sind, habe ich schon Gänsehaut bekommen. Das ist sowas wie mein Wohnzimmer. Und es tut mir schon ein bisschen weh, in Freiberg zu gewinnen“, räumte er ein.

Der Ex-Freiberger Denis Zagaria hat großen Anteil am Kickers-Erfolg.

Dass die Kickers mit einem 1:0-Auswärtssieg die Punkte entführten, daran hatte auch Zagaria einen großen Anteil. Denn als Innenverteidiger sorgte er mit dafür, dass der hochkarätige SGV-Sturm mit Marco Grüttner, Dominik Salz und dem später eingewechselten Marcel Sökler nicht zum Zug kam. „Sökler war, wie auch einige andere Spieler, krankheitsbedingt nicht fit“, erklärte SGV-Coach Evangelos Sbonias die Aufstellung, betonte aber, dass er dies keinesfalls als Ausrede gelten lassen wolle. Natürlich fühle sich die erste Punktspiel-Niederlage seit seinem Amtsantritt in Freiberg „absolut bescheiden an. Aber ich bin stolz auf die Leistung der Mannschaft. Wir waren bis zum Tor lange Zeit deutlich die bessere Mannschaft. Aber es fehlte halt der letzte Tick, vielleicht auch die letzte Gier. Das Tor der Kickers fällt gefühlt aus dem Nichts – und dann ist klar, dass das was macht mit der Mannschaft.“

Das besagte 0:1 durch einen Traumschuss von Kevin Dicklhuber in der 53. Minute veränderte das Spiel komplett. Die Freiberger kamen kaum noch gefährlich in die Nähe des Kickers-Tors, eher hatten die Gäste noch Chancen auf den zweiten Treffer. Die starke Defensivarbeit während der gesamten 90 Minuten, die individuelle Klasse Dicklhubers und die fehlende Durchschlagskraft der Freiberger vorne führten letztlich dazu, dass die Stuttgarter die drei Punkte nicht unverdient mitnahmen. „Ich fand nicht, dass heute die bessere Mannschaft gewonnen hat“, sagte Sbonias. „Aber wir müssen vor dem gegnerischen Tor beim letzten Pass, beim letzten Laufweg schleunigst nachlegen.“

Ramon Gehrmann: „Wir waren heute auch ein bisschen eklig.“

Bei Kickers-Coach Ramon Gehrmann, lange Jahre Trainer in Freiberg, war die Gemütslage natürlich viel besser, zumal sein Team zum Auftakt zu Hause gegen Astoria Walldorf II verloren hatte. „Das war gefühlt eine ganze Saison in einer Woche. Von einer Stimmung wie nach einem Abstieg hin zu einem Gefühl wie nach einem Aufstieg.“ Freiberg versuche immer, zu Beginn des Spiels „viel Trouble nach vorne zu machen. Da wollten wir so lange wie möglich dagegenhalten. Da kamen ja gefühlt hundert Bälle in unseren Strafraum, die wir aber alle gut verteidigt haben. Und bei dem Wetter wurde es für den SGV mit zunehmender Spieldauer schwerer“, erklärte Gehrmann die erfolgreiche Strategie seines Teams und legte dann auf einen Punkt großen Wert: „Es war ganz am Ende etwas hitzig. Aber letztlich haben sich alle Freiberger als sehr faire Verlierer erwiesen, das muss man wirklich mal festhalten. Denn wir waren heute tatsächlich auch ein bisschen eklig.“ Ein bisschen eklig vielleicht, aber auf jeden Fall erfolgreich. SGV Freiberg: Rauhut – Hoffmann, Celiktas, Velagic – Thermann, Ikpide (67. Berisha), Müller (61. Mistl), Zinram (75. Nandzik) – Mauersberger (81. Sökler), Salz, Grüttner.