Fußball-Drittligist SG Sonnenhof Großaspach Trainerduo muss nach sechs Wochen gehen

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Anfang Januar verpflichtet, am Mittwoch wieder freigestellt: Mike Sadlo (links) und Heiner Backhaus.Markus Lang wird zum dritten Mal Interimscoach der SG. Foto: Archiv (Alexander Becher)

Der stark abstiegsgefährdete Drittligist SG Sonnenhof Großaspach stellt die Coaches Mike Sadlo und Heiner Backhaus frei.

Großaspach - Um überraschende Entscheidungen ist Fußball-Drittligist SG Sonnenhof Großaspach in den vergangenen Wochen und Monaten nicht verlegen. Am Mittwochmittag teilte der Dorfklub mit, dass das erst seit sechs Wochen im Amt befindliche Trainerduo Mike Sadlo/Heiner Backhaus freigestellt worden sei. Als Interimscoach übernehme Markus Lang die Mannschaft. Dies hatte der „Sportliche Leiter der Talentförderung“ bei der SG bereits für die letzten zwei Spiele der vergangenen Saison getan, nachdem damals Florian Schnorrenberg rausgeworfen wurde. Und auch im letzten Spiel vor der Winterpause hatte Lang ausgeholfen, als die SG Oliver Zapel gekündigt hatte. Nun soll der 43-Jährige zum dritten Mal ran.

„Wir haben gemeinsam mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat in einer Sondersitzung in der Nacht auf Mittwoch die aktuelle Lage analysiert“, erklärt SG-Vorstandsmitglied Michael Ferber in einer Pressemitteilung. „Diese Analyse hat ergeben, dass auch wir als Verantwortliche Fehler gemacht haben. Es steht zudem für uns fest, dass die Partie gegen Würzburg das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer nachhaltig gestört hat. Daher haben wir überhaupt keine andere Möglichkeit, als Mike und Heiner freizustellen, auch wenn dies für Außenstehende zunächst überraschend sein mag.“ Das 0:6 im eigenen Stadion vor zehn Tagen gegen Würzburg war die bislang höchste Drittliga-Niederlage der SG, die sportliche Leistung der Mannschaft glich einem Offenbarungseid.

„Die Empfindung, dass das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainern gestört sei, hatte ich nicht“, sagt Mike Sadlo. „Aber da müsste man wohl eher die Mannschaft fragen.“ Der Ex-Coach der Aspacher konnte und wollte darüber hinaus am Mittwoch nicht viel mehr sagen. „Ich kann es nur mit zwei Worten zusammenfassen: überrascht und enttäuscht.“

Für den SG--Vorstand rührt die aktuelle Misere auch daher, dass der Verein seine „einzigartige Philosophie mit dem Dualen System nicht konsequent verfolgt habe“, so Michael Ferber. Soll heißen: Früher war es quasi „Gesetz“, dass die meisten SG-Spieler keine Vollprofis sind, sondern sich mit Studium oder Ausbildung ein zweites Standbein aufbauen und dadurch auch in der Region und im Verein verwurzelt sind. „Wir sind klein, wir sind anders, wir schaffen es als Team, ohne das große Geld“ – das war das Credo der SG. Im Umkehrschluss hat es zuletzt offenbar immer mehr Vollprofis gegeben. „Wir wollen und müssen deshalb unter die letzten eineinhalb Jahre einen Schlussstrich ziehen – jetzt und heute. Unser Blick geht nach vorne und zwar ligenunabhängig. Markus Lang steht für die Philosophie der SG. Deshalb wollen wir auch gemeinsam mit ihm die sportliche Zukunft gestalten, am besten natürlich als Trainer, soweit dies in naher Zukunft lizenztechnisch möglich ist“, erklärt Ferber.

Denn das große Problem: Markus Lang besitzt nicht die für das Traineramt bei einem Drittligisten nötige Fußballlehrer-Lizenz. „Sonst wäre er bereits im Sommer unser Trainer geworden“, hatte Sportdirektor Joannis Koukoutrigas nach der Entlassung von Oliver Zapel kurz vor Weihnachten gesagt. Damals hatten viele damit gerechnet, dass sich der Verein – möglicherweise mittels einer Sondergenehmigung – eine Lösung einfallen lässt, um Lang als neuen Trainer zu installieren. Doch zu Jahresbeginn zauberte man dann Mike Sadlo und Heiner Backhaus aus dem Hut. Markus Lang wolle im Jugendbereich bleiben, hieß es seinerzeit.

Nun kann er sich anscheinend doch vorstellen, die Lizenzspieler-Mannschaft zu übernehmen. Zumindest hat ihm Michael Ferber mit seinen Worten eine Art Freibrief ausgestellt: Der Blick gehe „ligenunabhängig nach vorne“, man wolle mit Lang die sportliche Zukunft gestalten. Nur ob und wie dies gehen kann und soll, das verrät Ferber nicht. Am Samstag, im harten Liga-Alltag, wenn man Hansa Rostock im Fautenhau empfängt, da darf Markus Lang zunächst mal an der Seitenlinie stehen. Doch ist dies eben nur für wenige Wochen möglich, dann muss der Verein einen Fußballlehrer präsentieren, der für die Mannschaft verantwortlich ist. Oder die SG versucht, eine Sondergenehmigung zu bekommen.

So oder so: Dem Dorfklub stehen spannende Tage, Wochen und Monate bevor. „Die komplette Mannschaft ist spätestens jetzt voll in der Verantwortung, jeder Spieler entscheidet durch seine kommenden Leistungen im Spiel und Training selbst, ob er den Weg der SG Sonnenhof Großaspach mitgeht oder nicht“, sagt Michael Ferber. So ähnlich hatte sich das vor sechs Wochen allerdings auch schon angehört. Übrigens waren weder die SG-Verantwortlichen noch Markus Lang am Mittwochnachmittag für uns telefonisch erreichbar.

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"Schlechte Figur"