Freiberg/Fußball SGV Freiberg geht nach dramatischer Schlussphase leer aus

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Mert Tasdelen Foto: avanti

Der Oberligist unterliegt im Spitzenspiel beim FSV 08 Bissingen mit 0:1 (0:0).

Freiberg - Rund 80 Minuten lang kaum Höhepunkte – dann aber umso mehr Spannung und Dramatik: Die 830 Zuschauer beim Lokalderby und Oberliga-Spitzenspiel zwischen dem FSV 08 Bissingen und dem SGV Freiberg mussten am Samstagnachmittag lange auf besondere Momente warten, wurden in der Schlussphase aber doch noch für ihren Besuch am Bissinger Bruchwald belohnt. Dass am Ende die 08er über einen 1:0 (0:0)-Sieg jubeln durften, fassten die Trainer wie folgt zusammen: Bissingens Alfonso Garcia war froh, „dass das Glück heute auf unserer Seite war“. Freibergs Ramon Gehrmann haderte, dass „das Glück leider nicht auf unserer Seite war“. Schon das zeigt: Eine Punkteteilung wäre ebenso ein gerechtes Ergebnis gewesen.

Deutlich an Fahrt nahm die auf Kunstrasen ausgetragene Partie erst mit dem Führungstreffer der Heimmannschaft auf. Nach einer Ecke von Alexander Götz stieg der Ex-Freiberger Pascal Hemmerich am kurzen Pfosten unbedrängt nach oben und köpfte den Ball unhaltbar ins kurze Eck (81.).

Die Freiberger versuchten in der Folge vor allem mit langen, hohen Bällen zum Erfolg zu kommen – Trainer Gehrmann wechselte hierfür eigens die beiden kopfballstarken Marco Pischorn und Steven Kröner ein. Die große Chance zum Ausgleich kam in der letzten Minute der regulären Spielzeit aber anders zustande: Bissingens Duc Than Ngo, der sich bei dieser Aktion verletzte, rannte SGV-Verteidiger Maximilian Rohr an der Strafraumkante um, doch Spetim Muzliukaj schoss beim Elfmeter flach in die Tormitte – 08-Keeper Sven Burkhardt wehrte mit den Füßen ab. Die Entscheidung war damit jedoch noch nicht gefallen, denn im nächsten Angriff köpfte Marco Pischorn tatsächlich noch den Ausgleich – Schiedsrichter Dennis Bauer aus Erdmannhausen entschied jedoch auf Abseits – eine knappe Entscheidung. „Das nehme ich ganz ohne Ärger hin. Ich bin sehr froh, dass wir in der Oberliga keinen Videobeweis haben“, machte Gehrmann deutlich, der sich nicht damit anfreunden kann, dass bei Bundesligaspielen immer wieder gejubelt wird, Treffer dann aber doch aberkannt werden.

So gewann Bissingen erneut das Nachbarschaftsduell – Freiberg konnte damit keines der jüngsten sechs Derbys gegen 08 für sich entscheiden. „Der Endstand macht mich natürlich traurig. Mindestens einen Punkt hätten wir hier verdient gehabt“, sagte SGV-Stürmer Marcel Sökler, der beim Elfmeter Muzliukaj den Vortritt gelassen hatte. „Ich habe mich da heute nicht so sicher gefühlt“, so Sökler.

Vor den spannenden Schlussminuten hatten beide Teams meist abwartend und mit dem Fokus auf eine sichere Defensive gespielt. Freiberg tat sich schwer, aus dem Spiel heraus Torchancen zu kreieren, was auch auf den verletzungsbedingten Ausfall von Hakan Kutlu zurückzuführen ist. „Mit ihm fehlt einfach einer unserer besten Spieler“, merkte auch Sökler an. Möglichkeiten gab es dennoch auf beiden Seiten. Bissingens Riccardo Goroglione schoss am langen Pfosten vorbei (11.), Pascal Hemmerich köpfte auf SGV-Torhüter Thomas Bromma (25.), der auch einen abgefälschten Schuss von Yannick Toth zur Ecke parierte (45.). Dazu verpassten Gorgoglione und Simon Lindner nach einer flachen Hereingabe um Zentimeter (46.). Gegen beide parierte Bromma nochmals stark (75., 76.). Freiberg wurde nach verhaltener Anfangsphase durch Muzliukaj gefährlich, der den Ball wie Mario Götze im WM-Finale mit der Brust annahm, ihn per Direktabnahme aber knapp übers Gehäuse schoss (29.). Ein Versuch von Sökler aus zwei Metern wurde im letzten Moment abgeblockt (64.).

„Die Schlussphase war sehr emotional. Ich werde bald 50 – ich weiß nicht, ob das noch lange etwas für mich ist“, erklärte 08-Trainer Alfonso Garcia mit einem Augenzwinkern. Er sprach von einer Partie, die auf des Messers Schneide stand. „Der Sieg war aber auch nicht unverdient.“ Ebenso wie Garcia betonte sein Gegenüber Ramon Gehrmann, dass seine Mannschaft „alles reingehauen“ hätte. „Ich kann meinen Spielern da keinen Vorwurf machen. Aus unseren großen personellen Problemen haben wir das Beste gemacht. Vor allem das Umschaltspiel der Bissinger haben wir gut verhindert. Dass wir am Ende mit leeren Händen dastehen, tut mir weh, vor allem auch für die Mannschaft.“ SGV Freiberg:
Bromma – Braun, Rohr, Fausel (84. Kröner), Gentner – Marotta (79. Tasdelen), Zagaria, Fossi (84. Pischorn), Ferati (73. Latifovic)– Sökler, Muzliukaj.