Frage der Finanzierung Lösung für Musikschule in Arbeit

Von Christian Kempf
Die Musikschule bringt viele Talente hervor, seit Jahren wird aber auch um die Finanzierung des Angebots gerungen. Foto: Archiv (avanti/Ralf Poller)

Es wird abgeklopft, ob per Zweckverband die Finanzierung auf breitere Füße gestellt werden könnte. In Marbach hofft man jetzt auf den Durchbruch in einer alten Streitfrage.

Die Musikschule Marbach-Bottwartal hat allen Grund, die Sektkorken knallen zu lassen. 2022 kann aufs 50-jährige Bestehen angestoßen werden. Doch leidet die Einrichtung weiter und schon seit der Gründung unter einem Geburtsfehler: Die finanzielle Hauptlast müssen die Trägerkommunen Marbach und Steinheim schultern, die anderen Gemeinden beteiligen sich nach Gusto mit teils recht geringen Beträgen. Die Gebühren müssen daher vergleichsweise hoch angesetzt werden, was die Attraktivität schmälert. Ein Teufelskreis, aus dem man sich seit Jahren vergeblich zu entwinden versucht. Nun keimt neue Hoffnung auf.

Vorbild Lauffen

Die Kuh könnte womöglich mit der Gründung eines Zweckverbands vom Eis geholt werden, über den die Finanzierung auf eine breitere Basis gestellt würde. Ein Vorschlag, den die Marbacher Grünen-Rätin Susanne Wichmann ins Spiel gebracht hat, die im Vorstand des Trägervereins sitzt. Die Verantwortlichen haben sich über das Modell auch schon in Lauffen erkundigt, wo dieser Weg bereits beschritten wurde. 2015 hatten sich dort zehn Städte und Gemeinden zu einem Zweckverband zusammengeschlossen.

Leiterin befürwortet die Lösung

„Aus unserer Sicht wäre das die Optimallösung“, sagte Bürgermeister Jan Trost am Donnerstag im Verwaltungsausschuss. Man wolle bei dem Thema am Ball bleiben. Das war im Sinne von Sebastian Engelmann von den Grünen. „Zum ersten Mal seit Jahren haben wir eine Lösung am Horizont, wie wir einen Schritt weiterkommen können, nämlich durch diesen Zweckverband“, sagte er. Dadurch könne hoffentlich der gordische Knoten durchtrennt werden. Das würde sich auch Bärbel Häge-Nüssle wünschen. „Man muss schauen, dass man die umliegenden Kommunen mit ins Boot holt mit einem Zweckverband. Das ist sinnvoll meines Erachtens“, so die Leiterin der Einrichtung.

Kommunen müssen überzeugt werden

Michael Herzog (Freie Wähler) plädierte ebenfalls dafür, diesen Ansatz „konsequent weiterzuverfolgen“. Er gab jedoch zu bedenken, dass es dafür der Bereitschaft der umliegenden Kommunen wie Benningen, Mundelsheim oder Erdmannhausen bedürfe. Das stellt auch Jan Trost auf Nachfrage klar. Die Kommunen aus dem Kerneinzugsgebiet müssten bei diesem Modell mitmachen.

Noch keine Gespräche mit den Nachbarn

Deshalb tritt der Steinheimer Bürgermeister Thomas Winterhalter auch auf die Euphoriebremse. „Die anderen Städte und Gemeinden müssten sich bei einem Zweckverband ja ebenfalls finanziell engagieren“, konstatiert er. Insofern könne er noch nicht so recht erkennen, wie die Gründung eines solchen Organs aus der Sackgasse führen sollte. Es ändere sich ja nichts daran, dass die Personalkosten gestemmt werden müssten. „Aber wir stehen erst am Anfang. Mit den anderen Kommunen sind darüber auch noch keine Gespräche geführt worden“, betont der Steinheimer Rathauschef.

Unterschiedliche Voraussetzungen

Winterhalter weist aber schon jetzt darauf hin, dass das Modell zwar in Lauffen funktioniert, man aber erst abwarten müsse, ob sich das ohne Weiteres auf die hiesige Musikschule übertragen lässt. Ob das gelingen könnte, vermag auch Thomas Conrad nicht zu sagen. „Es wäre auf jeden Fall nicht so leicht, unser Modell eins zu eins in Marbach umzusetzen“, hebt der Leiter der Musikschule in Lauffen hervor. An der in der Schillerstadt und dem Bottwartal verwurzelten Einrichtung unterrichteten mehr Festangestellte und weniger Honorarkräfte. Vor allem aber seien die Gebühren deutlich höher. „Um die Belastung für die Eltern zu senken, müssten also die Kommunen höhere Beiträge entrichten. Diese Grundproblematik müsste man auch in einem Zweckverband erstmal lösen“, sagt Conrad.

Auch Sponsoren sind mit im Boot

In Lauffen habe es in der Frage der Finanzierung einen Konsens gegeben, weil die Personalstruktur eine andere ist, sprich: die Kosten nicht ganz so hoch sind. Ferner würden Einzelprojekte an Schulen oder in Kindergärten über die jeweiligen Kommunen selbst oder Sponsoren abgedeckt, sodass die Umlagen für die anderen Städte und Gemeinden nicht mehr so gewaltig sind.

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Vorteile eines Verbands

Grundsätzlich habe ein Zweckverband als Basis für eine Musikschule schon Vorteile. In der vorherigen Vereinsstruktur habe der Vorstand gehaftet, und das bei Umsätzen im hohen sechsstelligen Euro-Bereich. Jemanden für diese Aufgabe zu finden, sei immer schwieriger geworden. „Außerdem beteiligen sich die Kommunen nun am Abmangel, und zwar mit dreimal so hohen Beträgen, wie wir Zuschüsse erhielten in der Phase, als wir als Verein organisiert waren. Das macht es leichter zu planen“, sagt Conrad. Die Musikschule stehe jetzt auf einem stabileren Fundament, müsse nicht mehr einzeln mit den Kommunen über Zuschüsse verhandeln.

Klingt verheißungsvoll. Aber was passiert, wenn sich Nachbarkommunen dennoch querstellen? Wäre die Musikschule Marbach-Bottwartal für Kinder von dort tabu? „Ob bei einem solchen Modell Schülerinnen und Schüler aus Nichtmitgliedskommunen per se ausgeschlossen sind, muss nicht zwangsläufig sein, wäre aber auch nicht ausgeschlossen“, sagt Jan Trost.