Flüchtlinge in Mundelsheim Gemeinde fühlt sich ausgenutzt

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Mit einem Ankunftsnachweis beginnt für Ukraine-Flüchtlinge die Suche nach einer Unterkunft. Foto: dpa/Jens Büttner

Mundelsheims Bürgermeister Boris Seitz wehrt sich gegen die Flüchtlingspolitik des Kreises. Die Neckargemeinde müsse ausbaden, was in Ludwigsburg nicht richtig organisiert werde.

Massive Kritik haben die Mitglieder des Gemeinderats Mundelsheim an der Vorgehensweise des Landratsamts Ludwigsburg wegen der kurzfristigen Unterbringung ukrainischer Flüchtlinge geäußert. Bürgermeister Boris Seitz hatte dem Gemeinderat zuvor erläutert, dass die Gemeinde bis Ende Juni zehn Flüchtlinge in Mundelsheim untergebracht habe. Nunmehr seien bis Ende Juli weitere 25 Flüchtlinge angekündigt. „Unsere Kapazitäten zur Unterbringung sind erschöpft, und die allgemeine Situation wird ja nicht besser, sodass mit weiteren Flüchtlingen zu rechnen ist“, erläuterte Seitz den Räten.

Die private Unterbringung der Ukraine-Flüchtlinge geht zurück

Die Verwaltung habe sehr früh Eigentümer leer stehender Häuser wegen der Unterbringung kontaktiert, was ohne Erfolg geblieben sei. In der Folge habe die Gemeinde eine Liste mit möglichen Immobilien im Ort erstellt. Diese müssten allerdings teilweise gekauft und renoviert werden. „Die Bereitschaft, ukrainische Familien privat aufzunehmen, hat mit der Zeit leider nachgelassen“, sagte Seitz. Das Landratsamt sei in der Flüchtlingsfrage inzwischen „relativ schmerzfrei. Wenn wir keine Adressen für die Unterbringung zur Verfügung stellen, schicken sie die Leute einfach ins Rathaus“.

Gemeinderat Thomas Kizler (FVW) meinte, kein Mensch solle auf der Flucht sein und menschlich verstehe er, dass man eine Lösung finden müsse. „Aber die Art und Weise des Vorgehens des Landratsamtes widerstrebt mir und tut weh“, sagte er. Man habe im Februar einen Haushalt im Wissen um die Flüchtlingsproblematik beschlossen, der nun über den Haufen geworfen werde.

Jetzt sollen Immobilien ertüchtigt werden

Bürgermeister Seitz erklärte, schon in der Corona-Pandemie habe man die Erfahrung gemacht, dass die Gemeinden als unterstes Glied in der Verwaltung vieles ausbaden müssten. Da weder ein Container-Dorf noch die Schließung der Sporthalle eine Alternative sei, bleibe nur die Ertüchtigung bestehender Immobilien. „Damit bleibt uns zumindest der gesteigerte Wert“, erklärte er.

Relativ schnell stimmte der Rat der Renovierung des Gebäudes Neuweiler Straße 67 zu, für das Malerarbeiten mit Kosten in Höhe von 22700 Euro nötig sind. Auch den Kauf des Hauses in der Hindenburgstraße 25, der sich inklusive Renovierung auf 64000 Euro beläuft, billigten die Räte.

Diskussionen gab es um Kauf und Sanierung des Gebäudes Lindenstraße 26, für das die Gemeinde 770 000 Euro aufbringen muss. „Da habe ich Bauchweh“, erklärte Gemeinderätin Beate Fähnle (FVW). Seitz erklärte, einer Anmietung durch die Gemeinde habe der Eigentümer nicht zugestimmt, eine Alternative sehe er nicht. In dem Haus könnten 18 bis 20 Personen Platz finden.

Am Ende stimmte der Rat zu – und Seitz sagte in Richtung Kreis: „Unseren Haushalt wird das Landratsamt genehmigen müssen, nachdem es mit den Flüchtlingen die Ursache für die Mehrausgaben gesetzt hat.“